Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1885)
- Article
- Deutschland : Fürth [Nachricht]
- Date
- 1885-08-06
- Page
- 509 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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509 niing stehende Vortrag über das Thema: Was kann! der Lehrer für Weckung und Belebung des religiösen! Sinnes in seiner Gemeinde' thun, mußte ansfallen, weil der Referent durch seine Abwesenheit glänzte. Dann j rcfcrirtc der Vorsitzende über die Lchrplansrage, an der sich eine lebhafte Debatte knüpfte. Es würde den nnS zngemessencn Raum weit überschreiten, wollten wir hierüber ausführlichen Bericht erstatten. Dann fanden noch kollegialische Besprechungen der inneren Angelegenhcitcn statt. Erst gegen 2 Uhr Nachmittags, nachdem der Vorsitzende noch einen Toast auf Sr. Majestät den König auSbrachle, trennte sich die Versammlung mit dem Bewußtsein, einige angenehme nutzbringende Stunden verbracht zu haben. Es sei noch erwähnt, daß außer den erwähnten Güsten, die Herren Rabbiner auS Schwabach und Floß der Versammlung beiwohnten und sich zum Thcil an der Debatte auch betheiligtcn. Zum Schlüsse wollen wir sämmtlichc Herren Lehrer in Bayern, die dem Vereine noch nicht angchörcn, zum Eintritte anffordcrn, besonders jene Herren, die das zweiundzwanzigste Lebensjahr noch nicht zurückgclcgt haben und vom Eintrittsgeldc befreit sind. Daß die materielle Lage des Vereins eine große Zukunft hat und dadurch dem Lehrer und seine Hinterbliebenen eine bedeutende Unterstützung gewähren wird, dürfte aus obigen Zahlen bewiesen sein. א Aus Dberschlesieu, im Augnst. Wie weit die Gedankenlosigkeit mancher sogenannter Rabbiner geht, um keinen schärferen Ausdruck zu gebrauchen, davon zeugt ein Aufsatz des Herrn D1\ Wiener, welcher als Rabbiner der Gemeinde Oppeln angcstcUt ist. Dieser würdige jüdische Geistliche hat cs für gut befunden, sich für die Feuerbestattung zu erklären׳ und ist selbst Mitglied des Vereins geworden, welcher für die sonderbare Marotte der Feuerbestattung eifrig Propaganda macht. Wenn es Herrn 1)1׳. Wiener beliebt, sich verbrennen zu lassen, so ist das natürlich seine eigenste Angelegenheit, wenn er aber den Namen seines Standes und Amtes als jüdischer Religionslehrcr und Rabbiner dazu benutzt, um diejer Verbrennung die Billigung seitens des jüdischen Rcligiousgcsctzcs zu vindizircn, jo verdient ein solches Gebahren die allerschärfste Zurückweisung, und man kann nicht nachdrücklich genug cs betonen, daß alle die fälschlich vorgcbrachieu Beweise aus den Ncligiousgucllcn durchaus hinfällig sind. Bibel und Talmud kennen keine Verbrennung der Leichen als jüdisch gebilligte Gepflogenheit. Möchten doch Diejenigen, welchen das Judcnthnm gleichgültig geworden ist und die im Widerspruche mit demselben ihr Leben und Sterben cinrichten wollen, ihrem Be׳ lieben folgen, aber nicht den wenig rühmlichen Versuch machen, ihre unjüdischc Anschauung und Handlnngsweise als religionsgcfetzlich erlaubt Larzustcllen. . Oesterreich-Ungarn. -s. Wien, 31. Juli. Wie verlautet, hat das Obcr<Landcsgcricht die Beschwerde des A. BrimannS gegen das vom Landcsgcrichtc gefällte Urthcil, wonach derselbe wegen Urkundenfälschung mit zwei Monaten Kerkers bestraft wurde, zurückgewiesen und das erstrichterliche Urthcil vollinhaltlich bestätigt * Ungarisch Hradisch. Herr 'Wolf Löw, Bürgermeister der israelitischen Stadtgcmeiude Bisanz, schreibt - in Betreff der auch von unserer Zeitung in Nr. 31 gebrachten Mitthcilnug über die wegen ׳Wahlbcslechung angeklagtcu vierzehn Personen, daß er unter . denselben sich nicht befindet. Frankreich. Paris, 2. August. Fast alle Pariser Tagevlätter haben ständig eine Rubrik, welche 011״r0ni<jne Du Bien“ überschriebeu ist, in der alle an die Oeffent* lichkcit gelangenden Beweise von Nechtschasfenhcil und Wohlthätigkeit registriert werden. ES ist natürlich, daß in dieser Abthciluug nnverhältnißmäßig häufig jüdische Namen sich sindcn, da die Barmherzigkeit und Nechtschasfeuhcit .anerkannt jüdische Nationaltugenden sind. Bekanntlich sind צדיק (rechtschaffen) und הסיד (liebevoll) die höchsten Prädikate bei uns Juden, unser Ideal, nachdem wir in Nachahmung des Ewige streben sollen, wie wir cs drei Mal täglich in dem איסדי Psalm uns wiederholen. Psalm 145, Vers 17. צדיה ist der Ewige in allen seinen Wegen und הסיד in allen seinen Thatcn. Wir finden diese Woche unter anderen in dieser Chronik Schenkungen von Mad. Bischoffshcim: an das Asyl für Obdachlose ein Betrag von 12,500 Frank, an das Arbcitsasyl eine gleiche Spende und an ein Waisenhaus in dem Pariser Vororte Auteuil die Summe von 25000 Franken. — DaS von der Frau Furtado Heine, derselben Dame, die zum Bau der bald vollenbeten Versailler Synagoge ca. 200,000 Frank gespendet, gegründete Krankenasyl genannt Le Dispensaire Furtado Heine wurde dieseWochc von unserem Glaubens׳ genossen Levaillant, directeur de la surete generale in Vertretung des Ministers des Innern und dem Direktor des öffentlichen Unterstützungswesens besucht, bei welcher Gelegenheit Frau Heine für die Schulen ihres Stadtbezirkes 5000 Franken spendete. Es würde zu weit führen, im Jeschiirnu alle die Beförderungen und Auszeichnungen anfzuzählcn, mit denen Israeliten gelegentlich des NationalfcsteS am 14. Juli bedacht sind. Der Redakteur des ״UnivcrS Jsraclite", Herr Woog, ist zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. — Herr Moritz Lcvi Mitglied des Zentralkonfistoriums, ist als Professor für den Lehrstuhl der Analytischen Mechanik und mathc-!״(,tischen Geographie am College de France berufen, Herr Hemcnt zum Mitgliede dcS OberrathcS des Unterrichtswcscns erwählt. Gegenwärtig sinden vor den