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Jeschurun · 1885-08-06 · Heft 32 (6.8.1885) · p. 508

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 32 (6.8.1885)
Article
Deutschland : aus dem Reg.-Bezirk Kassel [Nachricht]
Date
1885-08-06
Page
508 (sequence 2)
Language
German
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508 so wenig Anregung gegeben und nebenbei noch so aufregend gewesen, wie die diesjährige. Die beiden Vorträge gewährten gar keinen Nutzen; der erste war zu unpraktisch, den Ausführungen des zweiten vermochte mau kaum zu folgen. Die Debatten nahmen einen leidenschaftlichen, oft recht gehässigen Ton an und wurden vielmals allzu persönlich; diese unliebsame Thatsachc wurde zumeist durch die Haltung mehrerer Ausschußmitglicdcr hervorgcruscn, die in dem Anträge, daß jährlich zwei Mitglieder ausschcidcn und durch Neuwähl ersetzt werden sollten, ein persönliches Mißtrauen (das übrigens den Antragstellern bczw. den Konferenzthcilnchtncrn durchaus sern lag) erblicken wollten, und die darum der Annahme jenes Antrages mit aller Energie entgegcuarbcitetcn. Schließlich wurde, um die erregte Stimmung zu beschwichtigen, ein VermittclungSanlrag angenommen, wonach der seitherige Ausschuß noch ein Jahr in seiner bisherigen Wirksamkeit bleibt und im nächsten Jahre reorgauisirt wird. Wenn auch daher der gegenwärtige Ausschuß seine Stellung noch auf ein Jahr gesichert hat, so hat er doch nur einen Pyrrhussieg davongctragen. r. Kassel, £6. Juli. lieber den kürzlich verstorbcncn Judenhctzer und Redakteur des,.Geldmonopol" Herrnics wird dem ״Fr. Journ." geschrieben: Herr Hcnnics, früher Gutsbesitzer, war wie ihm von seinen Parteigenossen uachgerühmt wurde, stets ein uuerschrockc ncr Kämpfer für die Befreiung des christlichen Volkes von ״jüdischer Aussaugung" gewesen. Sein Bestreben war dahin gegangen, dem kleinen Manne den Weg zu zeigen, wie er aus billige und redliche Seife Geld erhalten könne, ohne von den ״semitischen Wucherern" aus-gepreßt zu werden. Im Verlaufe des Bestehens seines Blättchens wurde Hcnnics vom hiesigen Schöffengcricht wiederholt wegen Beleidigung und Vorbringuug unwahrer Thatsachcn gegen jüdische Mitbürger zu Geldstrafen und mehrmals auch zu Gcfängniß verurthcilt. Er hat aber nie eine Haftstrafe verbüßt, da sein leidender Zustand ihm zur Entschuldigung diente und ihn davor schützte. Jetzt ist der Wackere dahingcgangcn inS Jenseits, und waS stellt sich nun herraus? Herr Hcnnics, der Brave, der das deutsche Volk so mannhaft vor den Wucherern zu schirnien verhieß, hatte au 30000 Mark, den größten Theil seines Vermögens, dem hiesigen Nückkausshandler Bräutigam zu 10 Prozent, sage zehn Prozent, geliehen!! Die Thatsachc kam jetzt dadurch aus Tageslicht, das der betreffende Rückkaufs- Händler jüngst mit Hinterlassung einer Menge Passiva das Weite gesucht und wahrscheinlich auch das, was er vom Hennics'schen Kapital in Händen hatte, mitgenommen hat! Dieser Fall liefert nun schon die zweite charakteristische Enthüllung über das wahre Wesen der Führer unserer Kasseler Antisemiten, nachdem früher bereits der Buchhändler Maurer, einer ihrer größten Heißsporne, so kläglich Schifsbrnch gelitten hat. Es wäre zu wünschen, das; auch in Mitten des allgemeinen konservativen Lobgcsangcs auf Herrn Stöcker nicht ganz vergessen würde, als welche Patrone sich die Mitkämpfer des Herrn Stöcker entpuppen. Mslm. Furth, 30. Juli. Am 28. Juli tagte dahier die VI. Generalversammlung dcS israelitischen Lehrcrvcrcius für das Königreich Bayern in den Lokalitäten der vcrehrlichen Gesellschaft ״Zum Bienenkorb", die die Güte hatte, uns die Räume zur-Verfügung zu stellen, Morgens 9 Uhr. Herr I)r. Neuburger, Rabbiner, begrüßte die Versammlung im Namen der Gemeinde in herzlichen und warmen Worten, indem er hervorhob, daß der alten jüdischen Gemeinde Fürth zu Ehre gereicht, daß die jüdische Lehrerversammlung in ihrer Mitte tagt: Herr 1)1׳. Dessau, Vorstand der Bürgerschule, begrüßt in deren Namen die Versammlung, die die Interessen des israelitischen LchrcrstaudeS nach außen zu vertreten sich besonders zur Aufgabe gestellt, ebenfalls mit den herzlichsten Worten und dem Wunsche, daß sie nur Gutes beschließen und es ihr am hiesigen Platze recht gut gefallen möge. Hierauf schritt man zur Tagesordnnng. Schuldirckior Steru-Würzburg hatte das Reserat über den Antrag der Vercinsverwaltnug: ״Das Grundkapital dcS Vereins und alles demselben satzungsmäßig künftig zuwachsende Vermögen soll zu einer Wohlthätigkeusstfftuug erhoben und für diese die Allerhöchste landesherrliche Bestätigung' erstrebt werden" übernommen, denselben begründet und warm empfohlen. Die beiden Herren Hofrath Or. Berlin, Rechtsanwalt und Du. Wittelshöser, NcchtSauwalt, welche die Versammlung mit ihrer Gegenwart beehrten, hatten die Güte,׳ den Antrag von! juridischen Standpunkte aus zu beleuchten, wofür der Vorsitzende im Namen der Versammlung den herzlichsten Dank aussprach. Der Antrag wurde nach reiflicher Erwägung einstimmig angenommen. Hierauf legte der Kassier, 1)1׳. Vranuschweiger Würzkim g, ausführlicheu Rechenschaftsbericht über die Eiuuahmen und Ausgaben des Vereins seit seinem Bestehen vom Jahre 1830 ab, aus dem besonders zu ersehen ist, daß der Wohlthätigkeitssiun und die Opfcrwilligkcit ' unserer Glaubensgenossen, sowie im Allgemeinen, auch insbesondere zu jeder Zeit sich bethätigtc. Der Verein besitzt ein Gcsammtvermögen nahe an 11000 Mark, wozu Gelueindcn, freiwillige Spenden und Geschenke und außerordentliche Mitglieder allein über die Hälfte besteuerten, בן ירבה. Gewiß eilt gutes Omen. Möge hiermit öffentlich den edlen Spendern der tiefiuuigst gefüllte Dank wiederholt ausgesprochen werden. Es sei gleich hier erwähnt, daß in diesem Jahre zum erstenmal Unterstützungen nahe an 400 Mark au Waisen und Wittwcu vertheilt werden. Der auf der TageSord-

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