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Jeschurun · 1885-08-06 · Heft 32 (6.8.1885) · p. 502

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 32 (6.8.1885)
Article
Moses Montefiore
Date
1885-08-06
Page
502 (sequence 2)
Language
German
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502 An der Seite seiner edlen ihm lange vorangegangenen Gemahlin ist er zur irdischen Ruhestatt gebettet worden; sein Andenken aber wird leben zu allen Zeiten, bei allen Nationen. ת׳ג׳צ׳ב׳ה. Web Mansche. Isin jüdisches Charakterbild von Samuel Bcrthold No Sn er. , . . . (Nachdruck verboten. Uebcr|e$untv:>rccf)t Vorbehalten. (Fortsetzung.) Die vielgepriesenen Schätze aber bestanden in einem großen, durch groben Bindfaden zu einem Ballen zusammengehaltenen Papierhanfen, den der Vater des Knaben, welcher den zweiten Spczereiladcn im Dorfe besaß, wohl als Makulatur ans der Stadt heinigebracht hatte. Aus diesem Papierhanfen guckten mir dünne Hefte in den verschiedenartigst gcsärbtcn Uinschlägen entgegen, blau, grün, gelb, roth. grau. Es waren das zum größten Theil Preislisten von Spezcrciartikeln, wie sic die Kaltflentc, bei denen der Vater meines Freundes einzukaufen pflegte, von den großen Handlnughänsern zugeschickt bekommen und seit Jahren gesammelt hatten. Es befanden sich aber unter ihnen auch alte lateinische Bücher ohne Tafeln, auf grobes Papier gedruckt mit einem rot Heu Anfangsbuchstaben auf jeder Seite und ganze Stöße vergilbter lateinischer Akten. Das war die Bibliothek. Die Bildergallcrie jedoch stellte sich ans einer Anzahl beschmutzter, zerrissener Blätter zllsamnien, ans welchen man Fabriksansichten mit vielen hochbepackten Lastwagen und ein Heer von iiiit ihnen beschäftigten Arbeitern sehen konnte. Auch diese Blätter schienen mehr kommerziellen als artistischen Zwecken gedient zu haben. Unter dcn Heften war eines, welches meine besondere Aufmerksamkeit durch ein Bildchen, das sein Titelblatt zierte oder vcrnnzictte, auf sich lenkte. Mit Hülfe meiner bis dahin erlangten schwachen Kenntnisse von der Kunst des Lesens entzifferte ich auf dem Titelblatt mit einiger Mühe, daß dies die höchst mcrkivürdtge Lebensgeschichte von dem und dem Ritter ist mit allen Abenteuern, die er zu Wasser und zu Land mit Wasscrwcibchen. Sceschlangen, Zauberern. Löwen, Bären rc. zu bestehen gehabt. Das wird etwas für mich sein, dachte ich mir, und drang so lange in meinen Kameraden, bis er mir erlaubte, das Heft mit nach Hanse nehmen zu dürfen. Meine Phantasie fand in diesem zweifelhaften Produkte einer fragwürdigen Literatur reichlichen Nahrnngsstoff, wurden mir doch in demselben meine erträumten überseeischen Länder, Städte und Menschen auf ziemlich faßbare Weise näher gebracht. Ich trug meine Lektüre immer bei mir in der Tasche und wenn ich dann wieder einmal das Glück hatte, daß mein Onkel mente Existenz vergaß, dann holte ich das Heft unter dem Tisch hervor und las darin. Als ich mit dem Hefte zu Ende war. dnrchstöbcrte ich den Papierhanfen aufs Nene und ent« deckte noch eine ganze Serie ähnlicher Schriften, die ich der Reihe nach dnrchlaS. Wie ich aber an Jahren znnahm, genügten mir meine Löschpapierhefte immer weniger, ich ahnte instinktiv, daß cs ein noch schöneres und edleres Geistesgebiet geben müsse. Da wollte es der Zufall, daß ich eines Tages am Dachboden, zwischen den daselbst befindlichen invaliden Gegenständen herumstöberte. In den! Fache einer zerbrochenen Schublade fand ich einen Pack alter, dick bestäubter Bücher. Ich löste den Faden, der sie zusammenhiclt und als ich meinen Fund eingehender untersuchte, sah ich zu meiner unbeschreiblichen Freude, daß ich eine ״Weltchronik", ein Rechenbuch eine Sammlung von Biographien großer Dichter und Staatsmänner und ein Bändchen Schiller'scher Gedichte gefunden hatte. Das Rechenbuch intcrcssirte mich weniger, um so mehr aber die Weltgeschichte und die Biographien; die Gedanken Schillers lagen mir damals noch zu hoch. Jene zwei mit wahrhaft klassischer Einfachheit geschriebenen Bücher begeisterten mich mächtig für die ethischen Ziele, die durch ähnliche Bücher erstrebt werden sollen: daS ersterc gewährte mir einen Einblick in den Zusammenhang der großen Weltbegebcnhcitcn, während das zweite mich zur Be- Wanderung edler und großer Eharaktcre hinriß. Diese zwei Bücher, meine Freunde, ersetzte mir eine ganze Bibliothek und reiften in mir Resultate, welche sonst kaum ein langes Erziehnngssystem. zn erreichen pflegt. Sic erhoben meinen Sinn aus der Atmosphäre der Kindheit und gaben meinem Streben eine bestimmtere Form und Richtung. Da ich cinsah, daß die Verhältnisse meines gegenwärtigen Wohnortes cS mir unmöglich machen würden, nieinen strahlenden Vorbildern nachzustrcben, zog cS. mich mit unwiederstchlicher Macht in die um bekannte, große Welt hinaus. Dort, bildete ich mir ein, seien alle Wege geebnet und der Lauf zur idealen Höhe sei ein ununterbrochener Triumphzug, der über blumengeschmückte Bahnen und durch stolze Ehicnpfortcn führt. Da aber der einzige Vorwand, unter welchem ich hoffen durfte, in die.Fremde zu gelangen, der Besuch einer ״Jcschiba" war, und da ich seiner Ernst genug besaß, um mir zu gestehen, daß ich mit meinen gegenwärtigen Talmudkenntnissen in einer Talmndschule nur Fiasko machen würde, so warf ich mich mit eisernem Flciße aufs Studium, und in einem Jahre hatte ich das Vcrsäumniß der Vergangenheit eingcholt. Meine Fortschritte waren so bedeutend, daß mir auch itieiu ernster und strenger Onkel unumwunden seine Anerkennnng zollte. Nach Verlauf dieses Jahres — ich war eben sechszchn Jahre alt geworden — fühlte ich

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