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Jeschurun · 1885-08-06 · Heft 32 (6.8.1885) · p. 501

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 32 (6.8.1885)
Article
Dr. Max Falk über die ungarische Judenfrage
Date
1885-08-06
Page
501 (sequence 2)
Language
German
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501 überbictcn wollen. Sie reizen dadurch den Stolz der Oligarchen und machen ihnen den Verlust ihrer Vorrechte immer neuerdings fühlbar. Jahrhunderte alte Gegensätze lassen sich nicht so rasch verwischen. Die heutige Position der Inden ist die denkbar peinlichste, obwohl sie sich mit viel Geist darüber hinwegtänschen. ES verdrießt natürlich den Fürsten re., wenn ein Jtide — vielleicht der Chef einer Lumpcnsabrik — in das stolze Schloß seiner Ahnen cinzieht. Er hält es für ausgemacht, daß der spcknlante Jude ihn rninirt hat. In Wahrheit sind cS zwar die Karten, die Zigeuner und die schönen Frauen gewesen, und der Jude hat sich nur durch Ausdauer und ehrliche Arbeit empor׳ gerungen — aber man versuche cs, die Gesellschaft eines Besseren zu belehren. Diese Voreingenommenheit ließe sich durch manches humoristische Einzelbeispiel illnstriren. Nimmt z. B. eine reiche Jndcnfamilie keine Loge im neuen ungarischen Opernhause, so heißt cs — ״diese Inden! Was für schlechte Patrioten sie sind, sie unterstützen nur daß deutsche Theater!" Abonnirt die Familie, so heißt es unfehlbar: ״Diese Juden drängen sich doch überall vor. Auch das neue Opernhaus haben sie schon ganz überschwemmt." Möses Poiifefiorc נ״ע. Am 16. Aw (24. Juli) um halb fünf Uhr ist ein Mann eingesammelt worden zu seinen Vätern, welcher eine Zierde seines Volkes zu allen Zeiten bleiben wird. Sir Moses Moutefiore weilt nicht mehr hienieden, er ist eingegangen in die Gefilde der Seligen, nachdem er über ein Jahrhundert unter den Sterblichen gewandelt. Neun Monate sind kaum verflossen, da ganz Israel und mit ihm die ganze Welt aufstand, um die Vollendung seines hundertsten Lebensjahres zu feiern, und überall auf weitern Erdenkreise rangen sich Dank- und Bittgebete zum Himmel empor für die Erhaltung eines der edelsten Männer, dessen ganzes Leben eine ununterbrochene Hebung hingebcndstcr Menschenliebe und aufrichtigster Gottesfurcht gewesen. Wir hatten gehofft, daß der Abend des Lebens dieses Tugendhaften nicht sobald enden werde, daß er noch länger unter uns weilen werde als leuchtendes Vorbild eines gottgefälligen Wirkens und Schaffens. Es hat nicht sein sotten. Seit Monaten erfüllte bange Sorge um das Leben die Gemüther אראלים ומצוקים אחזו באדון הקודש *) Die himmlischen Schaaren sehnten sich ebenso wie die Erdensöhne ihn zu besitzen, die Ersteren blieben Sieger ונשבה ארון הקודש und der Mann, welcher *) siehe כתובות ק׳ד. das GotteShciligthum treu bewahrt hatte während seines langen ErdenwallenS, er ist uns entrissen worden, und aus HimmelShöhcn dringt der ihn begrüßende Ruf der Engelschörc: בא כשלום, kehre zu uns ein zum ewigen Frieden, הולך נכהו, dessen ganzer Wandel auf Erden kein anderes Ziel hatte, als diesen Frieden, dessen ganzes Leben in שלום, in harmonischer Vereinigung seines Thuns mit dem Willen Gottes sich vollzog, der, ein Engel des שלום auf Erden gewaltet, als Stifter des שלום von allen seinen Genossen geliebt und verehrt, keinen einzigen Feind jemals besessen. Moses Moutefiore hat keine Kinder hinterlassen; aber ganz Israel umsteht in wehmüthiger Trauer seine Bahre, und im ganzen Abend- und Morgenland widmen Hunderttausende ohne Unterschied des Stammes und Bekenntnisses seinem Hinscheiden die Thräne des Schmerzes ob des Verlustes, den die Menschheit in Moses Montesiore's Tod beklagt. Denn in keiner irdischen Hülle schlug jemals ein edleres, reineres Herz. Moses Montesiore's Brust war in Wahrheit ein אדון הקודש, ein heiliger Schrein, in welchem kein Platz war für eine unheilige Regung, der nur das Gottesgesetz in sich ausgenommen und eS treu bewahrt hat bis zum letzten Augenblicke. Bor der stillen Größe Montesiore's neigte eine ganze Welt bewundernd und verehrend das Haupt; vor der Hoheit seines Seclcnadels verstummte jeder Ausbruch der Leidenschaft; der Zauber seiner Persönlichkeit überwand selbst Haß und Vorurthcil. Es giebt in der Gegenwart keinen zweiten Mann, dem wie ihm eine ganze Zeitgcnosseuschast unbegrenzte Ehrfurcht und Liebe entgegeugcbracht, aber auch keinen zweiten, der in so hervorragender Weise sich ausschließlich der Hebung werkthätiger Menschenliebe geweiht. Vor Allem aber tragen wir, seine nächsten Brüder, um ihn Trauer. Seine innigste Liebe wendete er alle» Söhnen seines Stammes zu. Jedes Leid, das einen von ihnen traf, ward von ihm mit empfunden, und nim.mer zauderte er, für sie hinzutreten vor die Throne der Mächtigen, um Gerechtigkeit und Milde für seine Glaubensbrüder zu fordern, zu erflehen. . Ganz besonders aber gehörte fein Herz dem heiligen Boden des in Trümmer liegenden und seiner Auserstehung harrenden ZionStempels. גזע ישישים עלה מבבל.*) Als ein echter Sprößling vom alten Stamm kam er zur Vätcrheimath ans der Fremde, ועמו ספד מלחמות und das Buch der alten Kämpfe für Gott und Israel führte er mit sich; wiederholt zog cS ihn zum heiligen Lande hin und unermüdlich kämpfte er für seine unterdrückten und elenden Brüder, für das Hciligthunl Gottes. *) siehe מועד קטן כ״ה.

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