Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1885)
- Article
- Bemerkungen zu den Verhandlungen und Beschlüssen der Rabbinerversammlung zu Berlin
- Date
- 1885-08-06
- Page
- 500 (sequence 2)
- Language
- German
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500 ana-fciinen, die Verpflichtung der auf Anordnungen unserer Weisen und religiösen UsuS beruhenden Satzungen in Abrede nehmen, die eine unheilvolle und im Indenthuru ucvpünte Untcrjdjcibimg zwischen Wissenschaft und! Religion proklamieren und eine Asterwissenschasanb-uien, für welche innerhalb deö JudenthumS lein Platz ist, eine als jüdische Wissenschaft fälschlich ansgcgcbcnc Gelehrsamkcir, die nicht von den Lehren des JndcmhumS ihren Ausgangspunkt nimmt, — und die selbst du.rch ihr eigenes Beispiel die praktischen Konsequenzen aus *dieser theoretischen Verleugnung des Judenthums bis zu einem gewissen Grade dem Volke gezeigt haben? Herr Dr. Gnttmann irrt sich ganz bestimmt, wenn er die Rabbiner ,von der Schuld am Verfall des religiösen Lebens freisprechen will. Und ebenso irrt er sich ganz bestimmt, wenn er von dem gemeinsamcn AuSspruche der in Berlin versammelten Herren: daß ״sic eS als dringliche Forderung und als heilige Aufgabe der Gemeinde erachten," die Rabbiner zu unterstützen und ״selbstthatig an dem Aufbau wahrhaft jüdischen Gemeindclebens durch höhere Weihe des Sabbathö und der Feste rc., sowie durch Förderung und Pflege des religiösen Sinnes und Lebens in Haus und Familie zu arbeiten," so bestimmt ein ״gedeihliches Resultat" erwartet. Schreibt Herr Dr. Gnttmann in der That bcm Ansspruche der achtnndscchzig Kollegen eine so bedeutende Kraft zu, daß durch denselben die Vorstände der Genreinden, ans welche er besonders hinwcist, sich bestimmt veranlaßt fühlen werden, aus 1 wirklich wirksame Weise dem religiösen Bersall zu steuern? Wir gestehen, nicht so naiv zu sein. Während Herr Dr. Gnttmann die Schuld des religiösen Verfalls von den Schultern der Rabbiner abwälzen will, bemüht sich Herr Dr. Dessauer, auch die Lehrer davon zu deliberiren. Er behauptet: ״die Lehrer leisten, was sie leisten sollen." Das arme, von seinen Nabbirrern und Lehrern vielfach arg mißleitete und um die wahre Erkenntniß des JudenthumS gebrachte Volk soll also allein unter der Schuldenlast erliegen.׳ Nein, geehrte Herren, das Volk darf sich gegen diese ihm darnach allein zufallendc Verschuldung ihnen gegenüber wohl einen bescheidenen Protest erlauben. Das Volk darf sprechen, meine Führer und Lehrer haben das Bewußtsein von der unbedingten Berpflichtung zum Gehorsam gegen das jüdische ReligionSgcsctz in mir ertödtct, indem sie mich entweder denselben gar nicht lehrten oder durch ihre eigenen Zweifel und eigenes Beispiel bei mir erschütterten. Sie haben meinen Abfall vielfach als Fortschritt gelobt und mich in demselben bestärkt und'!׳;ich als naiven Kinderglanbeu belächeln gelehrt, was den Vätern und Großvätern al§ heilig und unverbrüchlich gilt. so entbinde ich die Rabbiner und Lehrer keineswegs von ihrer Verschuldung. Es giebt keine traurigere und vollgültigere Belraftigung einer solchen Verwahrung als die Anführung des ״nLchahmnngswerthen Beispiels" seitens deS Herrn Dr. Dessauer. Was der Herr Redner und mit ihm seine Herren Kollegen, von welchen kein einziger gegen die יlochanm 1! 1!gswiirdiglcit des von ihm hcraugezogenen Beispiels der Hebung des religiösen Sinnes in der Familie Verwahrung einlegt, unter dieser Hebung, für welche sie so gewaltige Reden Hallen, cigcnllich verstehen, das empfängt durch dieses ״Beispiel", welches für würdig befunden worden, in jener glanzvollen Versammlung als hohen Lobes werth zur Nachahmung empfohlen zu werden, eine nicht mißrnverstehende Erläuterung. Dieses Beispiel besteht in nichts Ariderem als der Thatsache, ״daß ein großes jüdisches Geschäftshaus sich bereit erklärt habe, Sabbath Nachurittag seinen jüdischen jungen Leuten frei zu geben, eventuell sie alle ein bis zwei Monat den jüdischen Gottesdienst besuchen zu lassen." Es bedarf im Grunde wahrlich keines anderen Momentes, um den Geist der Halbheit und hohlen Phrascnhaftigkeit zu erkennen, welcher in dieser Versammlung waltete, als die traurige oder denkwürdige Thatsache, daß ein Rabbiner vor siebenundsechzig Rabbinern als ein hohes lobeswürdiges Beispiel religiösen Sinnes hinznstelicn wagt, daß ein jüdischer Geschäfts- : manu so fromm ist. seinen indischen Bediensteten an! Sabbath Nachurittag freigeben. und vielleicht auch sie alle ein oder zwei Monate den Sabbath-Gottcsdienst besuchen zu lassen. Und da wollen die Rabbiner keine Schuld tragen an dent religiösem Verfalle? (Fortsetzung folgt.) Df «%¥ Ifpll? Das neunte Heft der ״Deutsch?!-. Rundschau" enthält einen interessanten Artikel über ״Die ungarische Gcselllchaft", welchem wir die folgende Aeußernng dcS bekannten Abgeordneten Dr. Max Falk über die ungarische Indensrage entnehmen. Die Gleichberechtigung der Juden, sagt er, besteht, aber nur auf dem Papier. Die Gesellschaft hat sie noch nicht arzeptirt. Innerhalb ihres Rahmens sind sie eine iokririe. aber noch lange keine rczipirte Kaste, Die Juden Handel?; deshalb unklug, wenn sie Wenn der jetzt herrschende sich vorzeitig gewaltsam in die PrärsgLtwe des Adels Zustand ein Verfall des religiösen Lebens genannt wird,! emdrängen, diesem bei Wettrennen und dergleichen Sports