Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1885)
- Article
- Frankreich : Paris [Nachricht]
- Date
- 1885-07-30
- Page
- 494 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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494 wären, so wollen wir bei dieser Gelegenheit die Festigkeit erwähnen, mit der Rabbi David Sinzheim und das von ihn! präsidirte Sanhcdrin vor 78 Jahren dem gewaltigen Machthaber Napoleon 1., der gern alles möglichst uniformirt hätte, ihre jüdischen Ordonnanzen cinrcichtcn. Im Vorworte bemerken sie gleich Fol׳ gendcS: ״Unsere Dogmen vertragen sich mit dem Zivilgcsctz, unter dem wir leben, und trennen uns nicht von der menschlichen Gesellschaft. Die religiösen Verordnungen sind absolut und unabhängig von Zeit und Verhältnissen. Unsere jüdischen Autoritäten haben es uns aber andererseits auch zur religiösen Pflicht gemacht, unsere Mitbürger zu schützen und ihnen bcizustehen, sic zu lieben und sie in allen gesellschaftlichen und moralischen Beziehungen ebenso wie unsere Glaubensgenossen zu behandeln. Wir hatten dieselbe Verpflichtung übrigens bereits gegen Fremde, als das jüdische Staatswesen noch bestand. Auch in der spätbiblischen Zeit hatte z. B. Daniel erklärt Kapitel 8, V. 25, er sei aus der Löwcngrube errettet, weit er seinem Gott und seinem Könige treu gewesen wäre, ebenso Jeremias 5 und 40, 9 wird uns befohlen, dem fremden Lande, das uns ausgenommen hat, treu und aufopfernd zu dienen. England. i §§ London, 24. Juli. Ucber den Gcsuudheits-! zustaud Montesiorc' s sind einander widersprechende! Nachrichten im Umlauf. Er fühlte sich längere Zeit | sehr schwach, soll sich aber jetzt doch wieder etwas kräftiger wissen. Die Prinzessin Bea trice erhielt von ihm dieser Tage eine prächtige Hochzeitsgabe, ein schweres Thcc- und Kaffeeservice ans Silber. Das dazu gehörige Tablett enthält eine sinnreiche Widmung in hebräischer Sprache. Rumänien. .Bukarest, 23. Juli. Man wirft den Juden so gern aber fälschlich vor, daß sie sich der nationalen rumänischen Bildung nicht anschließcn. Wie unberechtigt dieser Vvrwurs ist, crgiebt ein kleines Ereigniß dcö Tages. Die Anforderungen an die Schuticistungcn sind jetzt erhöht worden, so zwar, daß cs des Nachweises einer größeren Kcnntniß bedarf, um in eine höhere Klasse versetzt zu werden. Die Mädchen- Sekundärschule zählt in 'diesem Jahre in ihrer vierten Klasse nur 53 Schülerinnen, unter welchen 8 Jüdinnen. Zur Versitzung in die höhere Klasse wurden aber nur 3 christliche und 6 jüdische Mädchen reif befunden. ~ Nomsn, 18. Juli. In österreichischen Blättern sindet sich folgendes Schreiben eines Herrn Isaak Schönseid, welches einen bcachtcnswcrthen Beitrag zur Kenn- Zeichnung ntmanischer Zustande liefert. Dasselbe lautet: ״Ich bin in Berdienstangclegcnheit mit einem mir von der löbl. k. k. Bezirkshauptmanschaft Kolomea erthcilten Reisepaß nach Rumänien gekommen, und zwar nach Jassy, mn mir eine Anstellung zu suchen, begab mich gcsctzmäßig in Jassy zum k k. Genera!-Konsulat, erlegte daselbst meinen grltigcn Reisepaß, über welchen mir vom obigen k. k. General-Konsulate gemäß der zwischen Oesterreich-Ungarn und Rumänien bestehenden Konvention ein Matrikelschcin mit dem Bemerken ausgejolgt wurde, daß ich auf Grund desselben im Sprengel dieses Konsulats ‘mir einen Dienst suchen kann und ich von keiner Behörde attaquirt werden würde. Auf Grund dessen wurde ich in dicscnl Sprenge! in einer .Herrschaftspachtung bcdicnstct, und zwar seit dem!..Mai!. I. Im Laufe des Monats Juni wurde ich von dem Vorsteher dieser Herrschafts-Gemeinde (Primär) vorgeladen, auf einen Wagen unter Bewachung mit ansgepflanztem Bajonett wie ein Verbrecher sammt meinem Matrikelschcin ausgcladen und zur Präfektur nach Roman abgcscndet; daselbst angclangt warf mau mich in einen Kerker, wie einen der schwersten Verbrcchcr, ohne mit mir zu verhandeln oder ein Protokoll anfznnehmcn, und ich schmachtete in diesem Kerker 21 volle Tage, ohne daß man Jemanden zu mir ließ, und wenn ich mit Jemandem sprechen wollte, wurde ich mißhandelt. Heute, nach Verlauf von 21 Tagen, ließ mich der hiesige Polizei-Direktor vorführen, und ohne mir den Matrikelschcin ansznsolgen, entließ er mich. Türkei. * Nnmclien. Dem Zentralkomitee der All. isr nniv. wird aus Tatar-Bazardjik das Folgende berichtet׳. Am Dienstag, den 9. Juni, erschien bei einem jüdischen Kaufmanne, Namens Samuel Scmo, ein Polizcibeamter in Begleitung einer bulgarischen Frau und eines Mädchens. Das junge Mädchen erklärte, daß ein Mann, den sie au seinem rothen Bart und weiten Hosen für einen Juden erkannt habe, sic beim Arm gcsaßt, um sie in ein Hans zu stoßen. Ihren Aenßeru!1gcn nach wäre dies vor dem Hanse Scmo's geschehen, jedoch Angesichts desselben gab sie zu, daß er nicht der Mann sei, der sic fcstgchallcu. Einige Stunden später wurde Scmo ans die Polizei bestellt. Er fand dort den Sandalenhändlcr Elia Aladjcm, welchen das junge Mädchen als denjenigen bezcichncte, welcher den Mordversuch an ihr verübt hätte. Nach einer langen Sitzung wurde Scmo frcigelasscn und Aladjem gleichfalls nach zweistündiger Haft. Tic Freilassung der beiden Angeklagten zeigte znr Evidenz, daß die Sache ohne alle Wichtigkeit sei. Aber die Bulgaren verbreiteren das Gerücht, daß die Juden cs versucht hätten, sich des jungen Mädchens zu bemächtigen, um cs zu tobten, daß die Stadt Tatar-Bazardjik durch das Loos als diejenige bezeichnet worden wäre, welche das erforderliche Blut zu beschaffen hätte zur Zubereitung der ungc-