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Jeschurun · 1885-07-30 · Heft 31 (30.7.1885) · p. 493

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 31 (30.7.1885)
Article
Österreich-Ungarn : Ungarisch-Hradisch [Nachricht]
Date
1885-07-30
Page
493 (sequence 2)
Language
German
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493 amtlicher Auskunft darüber, mit welchen Stcuerbeträgen die von der Staatsanwaltschaft geführten Zeugen, welche bei der Landtagswahl ihre Stimmen abgegeben haben sollen, in den Stcucrvorschrcibungen angeführt erscheinen, und ersucht schließlich um die Requisition der Strafakten, denen gemäß einzelne Belastungszeugen in den letzten Jahren wegen Diebstahls bestraft waren, daher ihr Wahlrecht nicht auSübcn konnten. (N. Fr. Pr) Belgien. -s- Brüssel, 26. Juli. Am 17. d. M. wurde hier die alljährliche Prozession zu Ehren der ״Wunder des heiligen Sakraments״ abgehalten; welches Gescheheniß durch diese geistliche Handlung den katholischen Gläubigen stets aufs Neue ins Gedächtniß gerufen werden soll, möge der folgende Bericht lehren. Im Jahre 1369 soll, so erzählen die Chroniken, ein reicher Jude, Jonathan aus Cnghien, den zum Christcnthume übergetretenen Jan van Leuvcn verleitet haben, ihm für sechzig Goldgulden eine Anzahl geweihter Hostien zu besorgen; dadurch würde ihm auch zugleich Vergebung für seinen Ncligionswcchsel werden. In einer Oktobernacht drang Jan van Leuven in die Kapelle der heiligen Katharina, entwendete daselbst ein Ciborium mit einer großen und fünfzehn kleinen -Hostien und brachte Alles dem Jonathan. Als dieser etwa 14 Tage später mit seinen Söhnen in seinem Garten spazieren ging, traten einige Männer ein, welche, ohne ein Wort zu sprechen, über ihn hcrfielen und ihn ermordeten. Seine Wittwe überlegte nun mit ihren Söhnen, was sie mit den Hostien beginnen sollten, und sie beschlossen, dieselben in die Synagoge zu schaffen, was auch am 4. April 1370 geschah. Dort wollte man gelegentlich dcS Passahfestes die Heiligkeit der -Hostien untersuchen und legte die sechzehn Oblaten auf den Tisch, um sie zu zerschneiden; aber, o Schrecken, bei jedem Schnitte floß Blut. Die Juden waren nun sehr in Angst, was sie mit dem Ciborium beginnen sollten, es zu behalten, war nicht weniger gefährlich als cS zurückzugeben, und so wurde denn beschlossen, eS durch eine vertraute Persönlichkeit an die Glaubensgenossen in Köln bringen zu lassen. Die getaufte Jüdin Katharina erklärte sich für zwanzig Goldstücke dazu bereit; doch kaum hatte sie die Hostien empfangen, als sie sie ihrem Beichtvater Van der Eende brachte. Die Juden wurden gefangen gesetzt, gefoltert und zum Tode verurtheilt. Am 22. Mai wurden sie auf einem Karren durch die Stadt gefahren, auf dem großen Markte vor der Katharinenkirche wurde ihnen mit glühenden Zangen das Fleisch vom Leibe gcrisien, und anf dem WollendricSplatzc wurden sie lebendig verbrannt. (Die Hostien wurden zwischen die St. Gudula- und Katharinenkirche vcrtheilt; obwohl sorgfältig bewacht, sind von den sechzehn nur noch drei Stück übrig. Die ganze Geschichte ist auf den Fenstern der Kirche abgebildet.) Zugleich wurden alle Juden für ewig aus dem Laude vertrieben und ihr Vermögen mit Beschlag belegt. Daß diese Verbannung nicht allzu lange gedauert habe, beweist die Thatsache, daß im Jahre!449 mehr als fünfhundert Juden unter der Beschuldigung, die Brunnen vergiftet zu haben, hingerichtct wurden. Von diesem Zeitpunkte an wurde der Tag der Tödtung der Juden regelmäßig gefeiert, bis im Jahre 1529 eine aus England eingeschleppte Krankheit, die Schwcißplage. Tausende von Menschen dahinrasfte. Nachdemdie Plage 1530 gewichen, verordnete Margarethe von Oesterreich anS Dankbarkeit gegen die Vorsehung für das rasche Aufhörcn der Seuche, daß jährlich am Sonntage nach ihrem Namensfeste eine Prozession zu Ehren der ״Wunder dcS heiligen Sakraments״ abgehaltcn werden solle; ein Bischof solle dabei anwesend sein. Obgleich nun bereits im Jahre 1580 eine Proklamation dcS Magistrats von Brüssel erschien, ״daß eS sich auf das Entschiedenste ergeben habe, daß die angcbctcten Stücke der Hostien nie geblutet hätten, daß sie nicht durchstochen, ja nicht einmal durch Eisen berührt worden seien, daß deshalb die ihnen zugeschriebcncn Wunder nicht geschehen seien," hielt doch die Geistlichkeit den Glauben an die Wunder- Hostien und dadurch auch den Haß gegen die Juden bis auf den heutigen Tag lebendig. Im Jahre 1820 wurde der vicrhundertfünfzigste Jahrestag feierlich degangen und 1870 das fünfhundcrtjährigc Jubiläum pomphaft gefeiert. In dem ״N. R. C.", dem ich diese Darstclümg zum großen Thcile entnommen, wird darauf aufmerksam gemacht, daß der Erzbischof von Mecheln, Msgr. GoossenS, der diesjährigen Prozession zur Verhcrrlichung eines der Gräuel des Mittelalters in großem Ornat beigcwohnt und dabei eine Meffe cclcbrirt, daß dieser Kirchensürst aber zwei Tage später bei dem 1*6 Deum zur Feier der fünfundzwanzigjährigcn Regierung unseres Königs durch Abwesenheit geglänzt habe. Frankreich. %* Paris, 24. Juli. Der ״Figaro" vom 5. Juli will behaupten, daß die ministerielle Religion (statt StaatSrcligion) Frankreichs die jüdische sei. weil die Durchschnittsbesoldung der jüdischen Geistlichen, 2522 Franken, mehr als doppelt so groß sei, als die der katholischen. Der ״UniverS Jsraclite" macht dagegen geltend, daß, selbst wenn diese statistischen Angaben richtig seien, die Rabbiner eine Familie zu ernähren hätten, während die katholischen Geistlichen ehcloS seien und außerdem noch Sporteln erhielten. — Wenn wir stets aufs Neue dem Himmel danken müssen, daß die fast ein Jahrhundert währende Gleichstellung mit den übrigen Staatsbürgern nicht auf Kosten der jüdischen Religion erkauft zu werden braucht, eine Transaktion, zu welcher wir nicht im Geringsten berechtigt gewesen

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