Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1885)
- Article
- Die Verbreitung der Juden im deutschen Reiche
- Date
- 1885-07-30
- Page
- 486 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2932754-2933101-2933132-2961900--19327-2961945- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
486 in dieser Beziehung nur 163 Namen aufgcsührt sind.! Noch ist allerdings hierbei zu bemerken, daß diese ' Idiosynkrasie der Juden gegen das Landleben weit stärker in jenen Gegenden Norddcntschlands, wo ״rein j germanische" Landwirthe leben, als in Gegenden mir l polnischen Bauern und in Süddcutschland ist. Aber noch eine drille sehr interessante Bemerkung! läßt sich in dieser Statistik machen. Allgemein galt nämlich bisher Posen als die ״verjudetste" Gegend Deutschlands, um mit den Herren Aniiscmilen zu reden, und cS wurde wohl oft ״das Eldorado des Indenthums" genannt. Nun aber beweisen die Zahlen des -Herrn Bosse, daß — Hamburg mit 3,54 Prozent der Provinz Posen mit ihren 3.32 Prozent bei weitem überlegen sei. Diesen Vorzug genießt übrigens Hamburg unter den Hansastädten allein; Lübeck mit 0,89 und Bremen gar mit 0,49 Prozentbleiben weit zurück. Noch wollen wir hier die wichtigsten Staaten und darauf die größten Städte Deutschlands mit ihren Prozentsätzen folgen lassen: Hessen (Großherzogthum) 2 86; Waldcck 1,51; Elsaß Lothringen 2,51; Baden 1,74; Preußen 1,33 (Provinz Posen 3,32, Hessen- Nassau 2,66, Schleswig-Holstein 0,31, am wenigsten Provinz Sachsen 0,29); Bayern 1,01 (Provinz Unter-׳ franken 2,43 absteigend bis Nicdcrbaycrn 0,02); Wnrt c m berg 0,6 7; Sachsen 0.22. Die übrigen 15 schwanken zwischen 0,86 (Lippe) und 0,02 (Sachsen- Altenburg), welche Gegend wir hiermit ^unfern Antisemiren zur Sommerfrische bestens enipschlcn. Bon Städten nimmt die erste Stelle, wie zu erwarten, Posen mit 10,75 Prozent der Stadtbcvölkcrnng ein. Dann folgen Fürth mit 10,72, Frankfurt a. M. 10,12; Mannheim 7,56; Breslau 7,24; Berlin 4,81; Würzburg 4,45; Karlsruhe 3,38; Köln 3,12; Nürnberg 3.13. Damit habe» wir ans der Menge des Lehrreichen und Interessanten, welche das Buch enthalt, Einiges hervorgehobcn und hassen, daß das Buch weit über die Kreise von Fachgelehrten und Vcrusspolitikeru hinaus Leser und Freunde sich erwerben wird. Ob cö an der Stelle, an welche es zunächst gerichtet ist, Eindruck machen wird, müssen wir füglich bezweifeln — jene Herren haben schon zu oft bewiesen, daß sic die Wahrheit nicht hören oder nicht anerkennen wollen. Jedenfalls aber wird cs jenen Nimbus wissenschaftlichcr Arbeit, in den jene Herren sich so gerne hüllen, zerstören; jede wahrhaft wissenschaftliche Statistik wird zu dem Resultate kommen, zu dem Hossmann gelangte: ״In der Statistik ist ein ausgezcichnct rühmlichcS Zcugniß für die Sittlichkeit der Inden enthalten." . b. AeS Mansche. (sin jüdisches Charakterbild von Samuel Bcrthold RoSner. (Nachdruck verboten. " Ncbersehungsrccht Vorbehalten. (Fortsetzung.) Es war an einem der letzten Abende des bnrgerlichcn Jahrs, draußen rieselten die Schneeflocken dicht und lautlos zur Erde, die finstere Nacht mit geister- Haftern Schneelicht erfüllend. Wir waren vollzählig in dem srcnndlich warmen und Hellen Zimmer unseres alten Freundes versammelt und freuten uns mehr denn je des gcmüthlichen Beisammenseins. Ist es ja nie behaglicher in den Menschcnwohnungen, als wenn es draußen, in Gottes großer Natur, am wüstesten und ödesten ist und wieder umgekehrt; nie sind die vier Wände kahler und frostiger, als wenn es draußen blüht, duslet und goldig leuchtet und schimmert. Der unfehlbare Thee — ich will damit keineswegs unser Getränk ans das Niveau des PapstthumS erheben, sondern ich will mit diesem Epitheton blos ausgedrückt haben, daß der Thee zwischen uns unter keinen Umständen fehlen durfte — also der Thee war bereits anSgetrnnken und der FamuluS eilte, nachdem er das Geschirr weggerauntt hatte, gewohntcrmaßen zum Bücherkästen, um die nöthigcn Bücher zu holen, als ihm Neb Mansche zuricf: ״Was wollen Sie? — Sie werden doch nicht etwa Nitl *)-Nacht ״lernen" wollen." Wir blickten uns überrascht an, wahrlich, daran hatte Keiner von uns gedacht. Der Mensch bleibt in mancher Beziehung ewig ein Kind, und wenn auch noch so lange Beine für seine stolze Mannbarkeit zeugen. Wir waren doch schon allcsammt hochaufgeschossene Bursche, und cs mochte kann! Einer unter uns sein, dessen Kinn und Oberlippe nicht beflaumt, oder gar ׳ schon von den energischen Anfängen eines echten, wirklichen BarteS bedeckt gewesen wäre, und doch blitzten alle Augen fröhlich ans in Folge der Bemcrknng Neb Mausche's. Wir fühlten uns wieder von derselben Lust durchprickelt wie einst, als wir noch in den Schulbänken saßen, wenn uns der Herr Lehrer die Eröffnung machte, daß es heute keine Schule gebe. Wir lachten, rieben uns die Hände und nickten einander vergnügt zu. Jetzt mußte aber die Frage entschieden werden, womit denn der heutige Abend auSgefüllt werden soll? Die verschiedensten Ansichten wurden laut. ״Wißt Ihr, Iungens," rief einer, ״wir lassen den ganzen Borrath der F....schen Bierhalle herbringen und fangen ein solches Gelage an, daß der ganze Stadttheil rebellisch werden soll!" ■) Bon: natalis.