Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1885)
- Article
- Bemerkungen zu den Verhandlungen und Beschlüssen der Rabbinerversammlung zu Berlin
- Date
- 1885-07-30
- Page
- 484 (sequence 2)
- Language
- German
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sichten seiner Führer — daß kläglichste Schauspiel,! genossen eines so hohen Ansehens, \m\ man an der welches gedacht werden kann.! Aufrichtigkeit ihrer Lehren^ und Aussprüche nicht Herr Dr. Vogelstein spricht ferner von der ״seeli zweifelte, weit sie in Wirklichkeit ״Diener Gottes und sorgerischen Hülse", welche die Rabbiner nicht nur im i Kreise ihrer Gemeinden, sondern auch über deren Grenzen hinaus, an Orten, wo kein Rabbiner ist, spenden sollen. Er spricht von einer ״inncrn Mission des JudcnthnmS", welche die Rabbiner übernehmen wollen und meint, die Verhältnisse aus dem Lande seien so überaus traurig, ״daß man ohne tiefes Herzeleid gar nicht davon zu sprechen vermag." Da sollen nun die Rabbiner sich ungernfcn in die ihrer Aufsicht gar nicht unterstehenden Gemeinden eindrängsn, Schulen inspiziren k. Man würde allerdings, wie er andeutet, den Ungerufcnen einfach Hinausweisen, aber ״wenn eS heißt: in ganz Deutschland sind die Rabbiner in diese Bewegung eingetrcten, überall inspiziren sie rc., dann wächst auch dem Einzelnen der Muth." ״Es ist einmal unerläßlich nothwendig, daß der Rabbiner auch das Landvolk hebe," die Rabbiner ״wollen nicht vornehme Herren sein, die nur einer an sie ergangenen Ein-!adnng entsprechen, sondern Diener Gottes und seiner heiligen Sache!" Eine sehr schöne Perspektive eröffnet sich demgemäß. ES scheint, als ob die Herren Rabbiner ganz einfach nach einer Hierarchie streben, die ״bei dem Landvolk" leichter zu erreichen ist, als in den großen Städten, wo man fein vorsichtig Rücksicht auf hochmögcndc Vorstände und Repräsentanten zu nehmen weiß; das ״Land- Volk" aber wird sich die ungerufene Einmischung der Rabbiner gefallen lassen, ihm imponirt der geistliche Talar und der volltönende Name ״der Rabbiner- Versammlung, welche durch ihre Zustimmung diese Forderung sanktiomrt!" Nein, geehrte Herren, schauen Sie sich gefälligst erst in Ihren eigenen Gemeinden um und prüfen Sie vor Allem erst einmal sich selber, ob Sie denn als ״Diener Gottes und seiner heiligen Sache" bestehen können. Beobachten Sie die Gebote der jüdischen Religion, geben Sie Ihren Gemeinden das Beispiel eines unwandelbaren Gehorsams gegen die Satzungen und geheiligten Gepflogenheiten? Ist Ihnen denn in Wahrheit die Thora mit der mündlichen Tradition Gottes Worh? Ist Ihnen daS Prophetcnwort wirklich Gotteswort? Haben Sie keine zwiefache Auffassung zur Hand, die eine als Männer der Wissenschaft, die andere als Rabbiner? Erkennt der Mann der Wissenschaft nicht eine andere Wahrheit als der Mann auf der Kanzel? O, meine Herren, fangen Sie doch zunächst bei sich an und erheben Sic sich zu der hohen Stufe, welche diejenigen, als deren Nachfolger im Amte sie gelten wollen, einnahmen. Sehen Sie, die alten Rabbiner lebten meistens in wenig glanzvollen Verhältnissen, aber sie des Gesetzes" waren und ihnen rcnt Opftr zu!chwcr war in der Erfüllung des Gesetzes, weil \k in ihrem Streife das vollendetste Muster einer unbedingten Unterwerfnng des ganzen Lebens in allen seinen Momenten unter das Gesetz gewährten. In ihrer Brus! wogte kein Zweifel, ihr ganzes Wesen war ein einheitliches. Ihnen war das Iudcnthnm, wie cs in Bibel und Talmud gelehrt und, um es präzise zn fassen, in dem Schulchan- Arnch kodisizirt ist, ein unantastbares Heilrgthum, zu dessen Hüter und Lehrer durch eigenes Beispiel, Rede und Schrift sie sich bestellt erachteten, und darum konnten sie ״die innere Mission des IudenthumS" vollbringen, Darum gelang es ihnen, den Geist heiliger Scheu vor einer jeden Verletzung des Gesetzes in die Herzen dcS ganzen Volkes zu tragen, daß in jedem Kinde ein Wächter und Kämpe für das heilige Vätererbe hcranwuchs. Fangen Sie bei sich an, geehrte Herren! Zeigen Sie in Wahrheit die Demnth, welche Ihnen als ״Diener Gottes" so wohl anstehen würde, die Begeisterung, welche für ״Seine heilige Sache" Sie erfüllen müßte. Legen Sie ab den Wahn einer falschen Wissenschüft, werden Sie fromme, gesetzestreue, überzeugungstreue Lehrer des Jndenthums und gewähren Sie mit Ihrem Hause das Vorbild eines frommen, gesetzcStrenen Wandels — bann haben Sie für die Hebung des religiösen Sinns und Lebens unendlich Großes geleistet und den unvergänglichen Ruhm erworben, Ihre Zeit zur alten glorreichen Fahne des einzigen Indenthums zurückgeführt zu haben. Dann werden Sie nicht ängstlich besorgt am Hellen Mittag gleich Blinden zu Lappen haben, um die Mittel zur Heilung der Zeitschäden ausfindig zu machen. Brechen Sie offen und ernst mit einer falschen jüdischen Reform. Reformiren Sie sich nach dem Ideale dcS jüdischen Gesetzes, dann gelingt Ihnen auch die einzig gottgefällige gleiche Reform des Volks. Dann stehen Sie an der Spitze des geeinigten, gottdienenden Israel, als dessen begeisterte Lehrer und Führer, in Wahrheit verehrt von Ihren Gemeinden. Dann haben Sic nicht uöthig. wie Ihr Herr Präsident Dr. Bamberger im Anschlüsse an die Vogeisrcm'sche Rede bemerkt, sich einer ״weisen Sclbstbcschränkung" zn befleißigen, dann bedarf es keiner Kautelcn und Verwahrungen, daß man sich nicht ״an Programme" binden wolle, dann können Sie frei und rückhaltlos vor aller Welt dem gegenwärtigen Israel kund-thun, was Ihres Herzens innerste Regung ist, was Sie für gut und heilsam erachten zur Stärkung der Ucbcrzcugung, zur Befestigung der Treue, Zur Anbahnung eines acht jüdischen Wandels in Haus, Gemeinde UNd Schule. (Fortsetzung folgt.)