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Jeschurun · 1885-07-23 · Heft 30 (23.7.1885) · p. 479

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 30 (23.7.1885)
Article
Frankreich : Paris [Nachricht]
Date
1885-07-23
Page
479 (sequence 2)
Language
German
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479 ihm dem religiösen Bedürfnis; aller Bekenntnisse nicht minder Rechnung tragen als der Sorge für Wissenschüft und Kunst. Herr Franck war zur Zeit der Wahl eines GroßrabbinerS von Frankreich vor achtzehn Jahren einer der Leiter des Zcntralkonsistoriums und hatte damals die Bedeutung des Rabbi Salomon Klein s A. als Talmudist, universeller Gelehrter und bedeutende Autorität vor allen hervorgehobcu. Die ächte Ncligiösilat und die charaktervolle Unbestechlichkeit des Rabbi Salomon Klein, die mit keiner Veruntreuung an unserem Heiligthume transigiren konnte, veranlaßte Herrn Franck, dennoch einen anderen Kandidaten, dessen Wahl leichter durchzusetzen schien, zu protegiren. Als damals Cremieux beim Wahlkampfe sich gegen Herrn Franck'S Schützling erklärte, weil derselbe in seiner Eingabe eine Unkorrektheit in der französischen Ausdrucksweise, une Laute de ^rair^aiL, sich habe zu Schulden kommen lassen, erwiderte ihm Franck: ״Ich könnte deren zehn in der eben gehaltenen Rede meines Opponenten, des berühmtesten Advokaten Frankreichs, Nachweisen." — Die Kammern haben das Budget des jüdischen Kultus wie im laufenden Jahre auch für das künftige adoptirt. 158 900 Franken für die Dcamtenbesoldung, 22 000 Franken für das Rabbinerseminar, für Bau- resp. Gebäudeerhaltungskosten für Juden und Protestanten zusammen 40 000 Franken. — Die Einwanderung der Schaaren russischer Juden, denen der Aufenthalt in Deutschland jetzt untersagt ist, machen es hier zu einer gebieterischen Pflicht, aus Mittel und Wege zu sinnen, um diesen unseren Brüdern es zu ermöglichen, ihren Lebensunterhalt zn verdienen. Möchten doch die hiesigen Großen das so oft angeregte Projekt endlich realisiren, Arbciterkolonien in der Provinz in der Nähe von Paris zu gründen mit Ateliers für die verschiedenen Handwerke, in denen tüchtige Werksührer auch diejenigen Arbeiter ausbilden könnten, welche noch keinerlei Handwerk erlernt hätten. Ein großes Verkaufsetablissement in Paris könnte dann den Vertrieb dieser Fabrikate bewirken. Besonders müßte auch die Sorge der Gründer dahin gehen, die Feier des Sabbath und der Festtage und die Beobachtung aller Religisnsgesctze zu gewähren. Die Stimmführer der hiesigen jüdischen Kreise haben vielfach den Wunsch geäußert, daß in Rücksicht auf die geringe Zahl der Juden Frankreichs wohl die Neichen anderer Länder zu derartigen Gründungen hierorts beitragen dürften, um so mehr, als durch den Wcgzng der auswärtigen Armen dort die Wohlthätigkeit etwas entlastet wird, während hier die Aufgaben wachsen. Der ״Jeschurun" und die anderen jüdischen Blätter, deren Stimme hier und dort Autorität hüben, könnten Wohl dies große Werk zum Gelingen führen, namentlich wenn man persönlich arbeiten und dem Worte die That würde folgen lassm. I; Amerika. M Nr-wyor?, 2. Juli. Wie ich Ihnen früher berichtete, gicb! der hiesige Missionär Jakob Freshman auch ein Schnorr-Blättchen heraus, und cs ist wirk-!ich geradezu verblüffend, zn sehen, welcher ״Geschäftsmanu" in diesen!, mit Respekt zu vermelden, Reverend steckt. Daß der Mann für Geld alles Mögliche und Unmögliche Lhut, darüber sind ja alle Gelehrten einig, sonst wäre er doch auch nicht Missionär geworden; aber selbst in unserem Lande, wo es doch Virtuosen in der Bearbeitung der Rcllametrommei giebt, durfte sich schwerlich ein zweiter finden, der ihn! auf dem Gebiete der marktschreierischsten GcschaflSthätigkeit gleichgestellt werden könnte. Wo nur der Mann alle die Ideen hernimmt? Sem Blättchen war mit der Zeit auch den zähesten. ,,Freunden und Freundinnen der guten Sache" langweilig geworden: immer wieder denselben Kohl aufgcwärmt zu erhalten, ist nicht JedermaunS Geschmack, noch dazu wenn es Geld kostet, — die Gelder flössen deshalb spärlicher, und das war durchaus nicht nach Jacob Frcshman's Gusto. Wollen wir den Lesern deshalb einmal etwas recht Pikantes Vorsitzen, sprach er darum, setzte sich hin und schrieb Schrcibebricfe an seine Kumpane, die, mit demselben Respekt zu iicrmelben, eben solche Neverends sind, daß sie ihn! irgend einen Beitrag zu seinem Blättchen senden sollten, und sei es auch nur, er ist wie immer bescheiden, eine Belobigung seiner Thätigkeit. Seinem Wunsche wurde natürlich willfahrt, und so konnte er die neueste Nummer seines Blättchens mit Beitragen nur von getauften Juden füllen. In dieser Apostaten- Nummer geben sich ein Nendcz-vouS: Emil Lewy, M. R. Cohen-London, A. O. Friedhcim-PariS, D. C. Joseph-London, H. Friedländer, Henry L. Meyers- Philadelphia, Nathan Block, L. Derschawski-Louisville, S. I. Berger-Chicago, Theodor I. Meyer, P. E. Gottheil-Stuttgart (ein Bruder des ״Rabbi" am hiesigen Etturnue!-Tempel), A. Benoliel-Nom, I. W. Schwartzmann und Jacob Davis hier und ״Prof." Julius Magath Oxford. Für die folgende Nummer mußten znrückblelben: A. Bernstein, Adolph Saphir- London, M. I. DcmüS-Boston und Salomon Nobitschek-Portland. Nicht wahr, das ist hoch Pikant und vielleicht noch nie dagewesen? Was wird in diesem Hexenkessel nicht Alles zusamnrengcbraut! Da ist immer Einer christlicher als der Andere, da übertrumpft immer Einer den Andern m den! Ausdrucke seiner christlichen Gefühle. Und die gläubigen Seelen freuen sich.dessen gar unbändig und — geben aufs Neue Gelb, jmo daS ist für die Entrepreneure dir Hauptsache.

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