Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1885)
- Article
- Deutschland : Hannover [Nachricht]
- Date
- 1885-07-23
- Page
- 476 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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meifter und den Spitzen der Behörden, auch die evan-; gelische und katholische Geistlichkeit eingeladen. Die : letztere hatte ihr Nichterscheinen wegen einer auf denselben! Tag anberaumten Konferenz von vornherein ablehncn müssen. Der Superintendent der Diözese Krcuzburg,! Herr Dr. Solling, schrieb aber an den Vorstand unterm 31. Mai: ״Es wird mir eine Auszeichnung und eine Freude sein, der mich ehrenden Einladung Folge zu!eisten." Als dieser Herr ans dem Festplatze erschien, richtete der Vorstand an ihn die Frage, welche von ihm bejaht wurde: ober geneigt wäre, die üblichen Hammerschläge ebenfalls zu vollziehen. Nach der von Herrn Rabbiner Dr. Münz aus Gleiwitz gehaltenen Rede erfolgten durch diesen die ersten Hammerschläge. Sodann gab Herr Superintendent Dr*. Kölling die zweiten, indem, er in hebräischer Sprache anhnb: ויקה שמואל אבן אהה וישס בין המצפה ובין השן ויקרא את שמה אבן •העזר ויאמר עד הנה עזרנו ד׳ und den Segcnsspruch in deutscher Sprache endigend. Daraus folgten die Herren Pastoren Kindler und Müller, Herr Bürgermeister Müller, Herr Oberst von Lukowitz, die drei Vorsteher der Synagogengemeinde, der Vorsitzende des Nepräscntanten-KollcgiumS, Herr Kreisbaumcister Friedrich und Herr Maurer- und Zimmermeifter Milde, ein jeder mit einem geeigneten Spruch. Auch der Männcrgesangverein nebst mehreren Lehrern evangelischer und katholischer Konfession unterstützten die Feier. An der Festtafel nahmen sammrliche Eingeladene Theil. (Dies auch zur Beantwortung der in der Krenzzeitung aufgeworfenen ״offenen" Frage.) B. Berlin, 17. Juli. In dem dieser Tage verhandelten Prozeß Schmidt wider Stöcker wurden seitens deS Gerichtshofs zum ersten Male die Konsequenzen jenes Prozesses Stöcker contra ״Freie Zeitung" gezogen, und zwar mit Bezug auf die Ehre des Widerklägers Herrn Stöcker. ״Bei der Strafabmessung," so lauteten die Worte des Vorsitzenden, ״war auch hier zunächst zu prüfen, welches Maß von Ehre dem Beleidigten innewohnt. Da ist nun allerdings in dem bekannten Vorprozcß sestgestellt, daß der Angeklagte häufig in sehr leichtfertiger Weise von der Wahrheit abgewichen ist. AuS diesem Grunde war der Vorwurf der Doppelzüngigkeit nicht allzu scharf zu ahnden." Weiter führte der Vorsitzende aus, daß der Vorwurf, Stöcker gehe darauf aus, Haß und Zwietracht zu säen, als keine Beleidigung zu betrachten sei, da die reformatorische Thätigkeit des Herrn Hosprediger seinem Gegner sehr wohl als ein solches Aufhetzen von Bürgern gegen Bürger erscheinen könne. Endlich ist noch der MilderungSgrnnd bemerkenöwcrth, welchen der Vorsitzende für Stöcker ins Feld führte. ״Dadurch," so führte derselbe ans. ״daß Herr Stöcker seit Jahren Beleidigungen von ähnlicher Schärfe gegen die Gegner geschleudert habe, ohne daß diese es für angemessen erachteten, ihn dafür verantwortlich zumachen, dadurch habe sein Bewußtsein von der Rechts- Widrigkeit seines Handelns abgcschwächt werden müssen. AuS allen diesen Gründen kam der Gerichtshof zum Beschlüsse, Herrn Stöcker zu 150 Ja und drei Viertel der Kosten, Herrn Schmidt als Widerbeklagten zu 50 <Mx und ein Viertel der Kosten zu verurtheilen. M. Frankfurt a. M., 19. Juli. Ich habe Ihnen mit aufrichtigem Schmerze den Heimgang deS Herrn Dr. Speyer דל zu melden. Dr. Speyer war Lehrer an der Realschule der israelitischen Ncligionsgesellschaft und bekleidete nebenbei noch das Amt eines Waisenvaters in der jüdischen Knaben-Waisenanstalt. In beiden Stellnngen hat sich Herr Dr. Speyer durch liebenswürdiges und freundliches Wesen, sowie durch seinen frommen geraden Charakter die Liebe seiner Schüler und Pflegekinder in hohem Grabe erworben. ,Wer es sich vergegenwärtigt, welche zartfühlende Liebe dazu gehört, um armen Waisenkindern den thenren Vater oder die sorgende Mutter zu ersetzen, wer es sich klar macht, welche Treue und Güte den kleinen elternlosen Kindern entgegenzubringen ist, auf daß sie doch ihre Jugendjahre rosig nennen dürfen, der findet Herrn Dr. Speyer in seiner vollsten BerufSthätigkeit. Er sowie seine Gattin haben den Kindern eine liebevolle Erziehung angedeihen lassen, die rührend zu neunen ist. Er hat es besonders verstanden, was es heißt, ונפש נענה תשביע das Gemüth des Gedrückten zu beleben. Leider wurde er durch schweres Leiden seiner Thätigkeit sowohl in Schule als in Haus entrissen — und nun ereilte ihn auswärts, wo er Heilung suchte, der Tod. Am Freitag, den 17., wurde er unter großer Betheiliguug zu Grabe getragen. Herr Dr. Hirsch sprach Namens der Schule zu Herzen gehende Worte und Herr Dr. Werner hob in warmen Worten das Wirken deS Verstorbenen an der Waiscnanstalt hervor. Alle, die Herrn Dr. Speyer gekannt, werden ihm ein treues Gedächtniß bewahren und Gott bitten, daß er den Hinterbliebenen Trost spenden möge. — Ferner starb am Freitag leider Rabbi Tewele Bondi דל im Alter von 89 Jahren und wurde heute beerdigt. Er war ein gelehrter, biederer, frommer und wohlthätiger Mann, der nur Freunde, keinen einzigen Widersacher hinterläßt. Sein Angedenken bleibt allezeit ein Segen. .תינ׳צ׳ב׳ה -d. Breslau, 19. Juli. Herr Dr. Gottstein hat unö verlassen, um sein neues Amt als StifSgelehrter und Unterrabbincr in Celle zu übernehmen. Der Fortgang dieses Mannes, der voll und ganz auf dem Boden der Uebcrlicfcrung steht und durch sein bisheriges Wirken den Beweis geliefert hat, daß er sehr wohl תורה עם דרך ארץ zu vereinigen versteht, wird hier um so mehr schmerzlich empfunden, als