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Jeschurun · 1885-07-23 · Heft 30 (23.7.1885) · p. 467

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 30 (23.7.1885)
Article
Die Mittel zur Abwehr [Nachricht]
Date
1885-07-23
Page
467 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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467 Die Me! \m Abwehr. (Schluß aus Nr. 28.) Ehedem, als es für die Israeliten sich darum handelte, die Gleichberechtigung mit den übrigen Staatsangehörigen zu erlangen, hielt man es für angezeigt, die Gründe zu widerlegen, welche theils in redlicher Ueberzeugung, theils als Vorwand gegen die Emanzipation vorgebracht wurde. Man suchte den Regierungen und Nationen gegenüber aus den Bekenntnißschriften des Judenthums den Nachweis zu führen, daß die albernen und unwahren Behauptungen der Emanzipationsgegner in Betreff der jüdischen Sittenlehre durchaus unhaltbar waren. Man führte aus, wie der Jude, bis dahin von Ackerbau, Handwerk und Staatsdienst durch die Gesetzgebung ausgeschlossen, sich im Genüsse der gleichen Rechte sehr bald in allen Zweigen der bürgerlichen Thätigkeit und des öffent« lichen Dienstes als geschickt und tüchtig bewähren und an allgemeiner Bildung gegen seine Mitbürger nicht zurückstehen werde. Damit glaubte man, die Gegner wirksam zu bekämpfen und das angestrebte Ziel der Emanzipation zu erreichen. Und gewiß haben diese Darlegungen im Verein mit der Entwickelung des für die Gleichstellung sprechenden Rechtsstandpunkts dazu beigetragen, die Emanzipation der Juden legislatorisch zu verwirklichen. Was damals von den Vorkämpfern der Gleichstellung für die Juden behauptet worden ist, haben die vergangenen Dezennien vollständig bewahrheitet. Auf den ihnen seitdem erschlossenen Gebieten der Industrie und Wissenschaft sowohl, wie des öffentlichen Lebens haben sich die Juden durchaus bewährt. Trotzdem aber konnte das alte Vorurtheil des Judenhasses wiederum sich geltend machen und nunmehr mit der Behauptung auftreten: die Gewährung der Emanzipation sei ein unverantwortlicher Fehler gewesen, der nicht schnell genug durch Medrrauf Hebung derselben gesühnt werden könnte; Staat und Gesellschaft schwebten in der größten Gefahr, denn die Juden hätten sich in ungeahnter Weise in Wissenschaft, Bildung, Industrie, Knust und im öffentlichen Leben eine hervorragende Stellung zu erobern verstanden; die nichtjüdischen Deutschen vermöchten den Wettkampf mit den jüdischen nicht zu bestehen u. s. w. 11. s. w. Und dabei wird denn auch das alte Rüstzeug des alten Judenhasses wieder hervorgeholt das Judenthum verunglimpft und die Juden geschmäht, so daß man an die Wiederkehr mittelalterlicher Barbarei' glauben möchte. Sollte jetzt von den Mitteln, welche vormals das Vorurtheil besiegt und den Juden Nechtsgewährung verschafft hatten, ein wesentlicher Erfolg zu erwarten sein? Kann man in der That glauben, daß der Vorstand und die Wortführer der christlich.sozialen Partei, des deutschen Antisemitenbunds, des öfter- ' rcichischen Refornivereins, der ungarischen Antisemiten- Partei ihr verdammcnSwürdigeS, judenhetzenscheö Treiben cinstcllen würden, wenn die von ihnen vorgebrachten unwahren Anschuldigungen widerlegt wären? Glauben sie denn an die Wahrheit ihrer Juden und Judenthnm anschwärzenden Behauptungen? Und ferner: haben wir denn nicht jetzt erfahren und eingesehen, daß alle Bildung und aller Patriotismus, alles Wissen und redliches Strebe)?, die aufopferndste Hingebung an das öffentliche Leben das Vorurtheil nicht zu beseitigen vermögen? Glauben denn dieStöcker, Wagner, Schönerer, Jstoczi 11. s. w. das, was sie Uebles von dem Indenthüm faseln? Sie wollen ja gar nicht eines Bessern belehrt werden. Der jüdische Deutsche, Oesterreicher und Ungar spricht heute dieselbe Sprache wie. sein christlicher Mitbürger, er wendet sich denselben Bestrebungen zu und weiht dem Vaterland die gleiche Liebe und Treue; trotzdem der laute Judenhaß in widrigster, das sittliche Rechtögesühl tief verletzender Erscheinung. Dem heutigen Antisemitismus ist nur mit der völligen Vernichtung der Juden ein Genüge gethan; er bestätigt durchaus die Mommsen'sche Er^ klärung des Judenhasses. Wir halten deshalb eine Widerlegung der gegen uns und unser Heiligthnm sich wendenden Berleumdüngen nur aus dem Grunde für angezeigt, um der antisemitischen Propaganda thunlichst entgegen zu wirken. Da wir die Minderheit sind, so vermögen wir materiell nichts gegen unsere Gegner. Dennoch aber können wir ruhig der Zukunft entgegen schauen. Was den vorangegangenen Judenfeinden nicht gelingen konnte, darin erschöpfen auch die gegenwärtigen ihre Macht vergebens.! Die Juden bilden doch die unsterbliche, ewig jugendliche > Familie unter den Geschlechtern der Menschheit, sobald sie Gott, ihrer heiligen Bestimmung und sich selbst treu bleiben. Das einzig wirklich heilbringende Mittel zum Schutz und Trutz gegen den Haß, das Vorurtheil und gegen thätige Feindschaft ist die volle unbedingte Rückkehr zu Gott und zu dem unverbrüchlichen Gehorsam in der Erfüllung aller Satzungen des Judenthums, für welches unsere Vorfahren gelebt und gestorben. Dann legen! wir unfern Gang durch die Geschichte bis zu ihrem endlichen Ziele zurück, getragen von dem Adlerfittig der göttlichen Waltung, unverletzt und unbesiegt.

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