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Jeschurun · 1885-07-16 · Heft 29 (16.7.1885) · p. 462

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 29 (16.7.1885)
Article
Österreich-Ungarn : Lemberg [Nachricht]
Date
1885-07-16
Page
462 (sequence 2)
Language
German
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462 Obdachlosigkeit sehr leicht eine Epidemie verursachen könnten. Ein Unglück kommt nie allein! Es entlud sich heute Mittags ein Sturm mit Hagel, der das bis jetzt zur besten Ernte .Hoffnung gebende Getreide mehr als zur -Hälfte Iota! vernichtete. Der Bürgermeister von Horodcnka, ReichSrathS-Abgcordnetcr Baron NomaSzkan, berichtet: ״Für unsere unglückliche Stadt flössen als erste Gnadcngabe die Spende des Kaisers int Betrage von 3000 fl., ferner von der galazischen Statthaltcrei 2000 fl. und von Baron Albert Rothschild 2500 fl. ein. Das requirirte Militär hält die Ordnung aufrecht. DaS Elend ist sehr groß. Bereits sind 9 Leichcn anfgcfunden worden; täglich werden aus dem Schutte noch weitere Opfer anSgegrabcn. Gestern hat ein ein sehr heftiger Hagelschlag einen großen Thcil der Ernte vernichtet, und unser Unglück noch vernlehrt." Nikolsbnrg, im Juli. ÄnS Anlaß der Er- Nennung des Rabbiners und Predigers in Brünn, Herrn Dr. Placzck richtete auch ich ׳ein Glückwunschschreibcn an denselben, in welchem ich auch den überhand׳ nehmenden Unfug bei der Schechita-Funktion berührte. Dieser Tage ward mir hierauf eine Antwort, in welcher Herr Dr. Placzek sich diesbezüglich dahin aussprach, daß Hoffnung vorhanden sei, mit Regelung der äußern Verhältuissc der Juden auch diesem Nebel abhclsen zu können. Mos. L. Kohn, Rabbiner-Assessor. 88 Saybnsch, (Galizien.) Verschiedene Zeitungen, unter diesen auch die ״N. Fr. Presse" zu Wien, -hatten die sensationelle Nachricht gebracht, daß in der hie׳ slgen Stadt fern verheiratheter Jude wohnen dürfe. Der Bürgermeister richtete in dieser Veranlassung das folgende Schreiben an die ״N. fr. Pr." ״Die in Ihrem geschützten Blatte vom 2. Juli!. I., Nr. 7485, kolportirtc Mitteilung, als ob die Bürger der Stadt Saybusch korporativ erklärt hätten, daß sie cS nicht zulassen, ein Jude möchte sich mit seiner Familie in der Stadt niederlassen — daß ferner die Gemeindevertretung an das Ministerium eine Eingabe gemacht hätte, in der betont wird, daß sich zwar gegen die Ernennung eines jüdischen GerichtSadjnnktcn nichts einwenden lasse, daß aber die- Gemeindevertretung für die Folgen nicht einstehen wolle, beruht auf Unwahrheit, weshalb ich also diese durchaus falsche Mittheilung zu widerrufen bitte. Gemeinde-Amt Saybusch, den 7. Juli 1885. Der Bürgermeister: 9. Microwski." Frankreich. *** Hnris, 11. Juli. Von Tunis aus wurde unlängst irrthümlich gemeldet, daß bei den dortigen Tumulten die Juden nicht ganz unbethciligt gewesen wären. Diese Vcrlänmdnng wird von dem Urheber deS Gerüchtes, dem Tuneser Korrespondenten der ״Agence HavaS", selbst jetzt als Jrrthum erklärt. — Die rohen Ausbrüche deS Antisemitismus in dem noch nicht genügend zivrlisirtcn Algier sind von der französischen Regierung mit großer Strenge unterdrückt. — Lassen Sie mich bei dieser Gelegenheit ein Vcrhältniß aufklärcn, daß von vielen, namentlich den nichtfranzösischen Organen, oft falsch aufgcfaßt wurde. Bekanntlich hat Crömieux als Mitglied der Negierung der LandeSvcrtheidignng seiner Zeit die Natnralisirnng aller algerischen Israeliten dckrctirt. Man betrachtet dieses Dekret in der Regel so, wie die Verfügungen des für einen Tag seiner Zeit vom polnischen Reichstage zum König gewählten Juden, von den! viele der bekannten jüdischen Familien, u. A. die Familie Auerbach, ihren Ursprung herleiten. Dieser König hatte den einen Tag dazu benutzt, viele Gesetze zu erlassen, die für seine Glaubensgenossen, sowie für sein Land von segensreichen Folgen waren. In der That hat auch Cremieux durch jenen NatnratisationSakt seinem Lande Frankreich unendlich genützt. Von einem Nutzen, den er seinen Glaubensgenossen dabei gebracht hat, kann aber wohl nur insoweit die Rede sein, als er ihnen als Verpflichtung dasjenige auferlcgt hatte, wozu vorher schon jeder durch eine Spczialeingabe gclangen konnte, die aber oft unterlassen wurde, weil in zivilrechtlichen, namentlich in den cherechtlichen Verhältnissen, dadurch Änderungen eintraten, die in speziellen Fällen für die Bctheiligtcn mit großen Un- Zuträglichkeiten verbunden waren. Nußland. . .z. Warschau^ l0. Juli. Die Auswanderung der Inden hört nicht ans. So wird aus Berditschew gemeldet, daß in! letzten Viertel deS vergangenen Monats nicht weniger als siebenundfünszig jüdische, nicht vermögenslose Familien theils nach Amerika, theils nach Palästina auSgcwandert sind. Die nach dem heiligen Lande Wandernden, etwa dreißig Familien, nehmen ein gemeinsames Kapital von etwa zwanzigtausend Rubel mit für den Ankauf von Ländereien und Ackcrgeräthschaften. Dieselben sind größtenthcils geübte Landleute. — In Kischinew und Jelissawetarad sind für die Jndcnchristcn nach Nubinowitz- I schein Modell neue Kirchen eingerichtet worden, allerdings nur in sehr bescheidener Größe. — In Chabno ist auS nnbedentcnder Veranlassung ein Krawall gegen die Juden entstanden, welche sich kräftig zur Wehr gesetzt haben, so daß eS zu einem förmlichen Kampfe gekommen ist, welcher durch auS Kiew hcrangezogcnes Militär beendigt worden. Rumänien. -V Gotoschan, Juli. Ein acht rumänisch Stücklcin will ich Ihnen berichten, gar fein und lustig, daß der Fürst der Hölle seine herzliche Freude daran hat. Lebt da in einem Dorfe, KiSkawete geheißen,

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