Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1885)
- Article
- Die Förderung des Gartenbau- und Handfertigkeitsunterreichts in der jüdischen Volksschule
- Date
- 1885-07-16
- Page
- 454 (sequence 2)
- Language
- German
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454 in Beziehung ganz speziell zu den eine jüdische Volksschule besuchenden Kindern ins Auge zu fassen. Wir 11>crt>cu hierzu durch die vor zwei Monaten im Kreise der hiesigen Gemeinde vollzogenen Gründung des ״Vereins zur Förderung des Gartenbau׳, und Handsertiglcitsuntcrrichts in der jüdischen Bollsschule" vcranlaßt. Derselbe ist aus der Erkcnntniß der Verpslichtnng hcrvorgegangcn, daß die Vegütcncrcu die Gewährung ״einer zweckmäßigen, auf sittlicher und religiöser Grundlage beruhenden Erziehung der Kinder auö denjenigen ärmeren Klassen, welche im elterlichen Hause eine solche entbehren," in die Hand zu nehmen und zu fördern haben. Man glaubt demnach, in diesen Uutcrrichtszwcigen ein geeignetes Mittel zur Förderung der sittlichen und religiösen Erziehung armer jüdischer Knaben, denen eine solche aus irgend welchem Grunde sonst mangeln würde, zu erblicken. Nun dürfte allerdings nicht geradezu behauptet werden können, und sicherlich sollte auch nicht behauptet werden, daß gerade iu dem Gartenbau- und Haudsertigkeitsuntcrricht an und für sich ein ganz besonders die Sittlichkeit und Ncligiosität der Jugend unmittelbar förderndes Mittel in crhöhtercm Grade als iu irgend einer anderen Disziplin zu erblicken wäre. Diese Förderung glaubt man aber indirekt durch die Gewährung eines solchen Unterrichts zu erzielen, und zwar nach zwei Nichtungen. Die Kinder der ärmeren Klassen müssen in vielen Füllen der elterlichen und überhaupt jeglicher Aussicht nach beendigter Schulzeit entbehren. Der Vater und die Mutter müssen außerhalb der Wohnung dem karglichcn Erwerb nachaehen; die Kinder bleiben sich selbst überlassen und müssen in einem Grade verwahrlosen, daß der Einfluß der Schule mit ihrer nur geringen erziehlichen Kraft völlig ohne Wirkung ist. Die erwähnten Unterrichtszwcigc sollen nun nicht in die gcwohnliche eigentliche Schulzeit fallen, sondern außerhalb derselben und den Schülern als eine anregende, der Gesnndheit zuträgliche und nützliche Erholungsbcschäftigung dienen. Es würden die Kinder demgemäß während des ganzen TagcS unter entsprechender Lchrcrbcaussichtigung und gedeihlicher Erzichungscinwirkung stehen und also der Verwahrlosung entrissen sein. Mau würde natürlich eventuell auch für angemessene Beköstigung derselben zu sorgen haben. Sodann aber weckt die angenehme Beschäftigung im Garten den Sinn der Kinder für die Natur und' wirkt im Verein mit dein Handsertigkeitsunterricht zur Entwickelung der manuellen Geschicklichkeit, so daß die Schüler für Handwerk und Gartenbau befähigt und die Lust in ihnen hierfür angeregt wird. Es eröffnet sich damit den Kindern der ärmeren Klasse ein weiteres Gebiet einer ehr- und achtbaren Erwcrbslhüttakctt. die allerdings dem nieder» Handel vorzuziehen ist. Und da hier ausdrücklich auch die Förderung der religiösen Erziehung angcstrebt wird, so läßt sich gewiß nicht verkennen, daß der junge Verein ein edles Werk mit den rechten Mitteln anstrcbt. Und deshalb erscheint cS auch als ein recht glücklicher Gedanke, daß mau zugleich die jüdischen VolkSschuilchrcr für den Unterricht auf diesen Gebieten ausbildcn will. An der hiesigen Bildungsanstalt für jüdische Lehrer sott die Unterweisung in Gartenbau, Obstbanmzncht und HandfcrtigkcitSübungen in den Lehrplan ansgrnommcn werden, und cs zählt mit zu den Aufgaben, welche der Verein sich gestellt, die durch diese Erweiterung des Lehrplans crsordcrlich werdenden Grundstücke, Baulichkeiten und Lehrmittel zu beschaffen. Wenn cS der Bcreinslcitung durch unermüdliche Thätigkcit gelingt, die Zwecke dcS Vereins zu verwirklichen, so wird hier eine Anregung und ein Beispiel gegeben, welches der Nachahmung im hohen Grade werth ist. Wir wünschen dem Verein das lebhafteste Wohlwollen weiter Kreise und das beste Gedeihen. Ein jüdisches Charakterbild von Samuel Betthold No Sn er. ... ״ (Nachdruck verboten. Nebersetzunge-recht Vorbehalten. (Fortsetzung.) ״Seht Ihr, Kinder," wandte er sich zu den Andern, ״ich hab's Euch innner gesagt, daß wir es mit unfern abendlichen Zusammenkünften noch aus einen grünen Zweig bringen werden. Da haben, wir einen Jünger der Musen, einen Schriftgelchrtcn von Fach, in unsere Mitte bekommen — wenn ich auch fürchte, daß er bald wieder ausblcibcn wird, was thut'S? — Er ist doch da gewesen — und ich sage Euch, morgen ist dieses Stübchen ein Sammelplatz der größten Männer unseres Jahrhunderts." Er rieb sich vergnügt die Hände, kicherte schelmisch, und seine kleinen Angen blitzten in Heller Freude. Ein schäumendes Anfsicden des Wassers benachrichtigte ihn jetzt, daß der entscheidende Moment nicht mehr fern, wo das Wasser fähig wäre, den russischen Thce in Empfang zu nehmen. In Folge dessen wandte er seine Aufmerksamkeit dem Schncttsieder zu. Ich benutzte jetzt einen Moment dazu, um das Zimmer, in welchem wir uns befanden, genauer zu besichtigen. Mein erster Blick wurde auf die Wände gelenkt, welche rundherum mit größeren und kleineren Gemälden bedeckt waren. Es waren zum größten Theil Genrebilder aus dem jüdischen Leben, unter denen die gelungenen Kopien der gemüthvollm Oppcnheim'schen Originale die Bedeutendsten waren. Es war auch ein uraltes Originalgemälde da, welches ich, wenn ich ein Kunstkritiker gewesen wäre, keinem andern als Rembrandt