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Jeschurun · 1885-07-02 · Heft 27 (2.7.1885) · p. 431

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 27 (2.7.1885)
Article
Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
Date
1885-07-02
Page
431 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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*||* Pest, 29. Juni. Wie erwartet, befinden sich unter den nunmehr von dem Kaiser auf Vorschlag des Ministers ernannten neuen Pairs zwei Juden, Di׳. Hirschler und Gutsbesitzer Sv ab. Es ist also die bekannte Erklärung des Herrn von Tisza im Reichstage, daß in das Oberhaus jedenfalls auch Bekenner der jüdischen Religion berufen werden würden, um dadurch die völlige Gleichberechtigung der Glaubensbckemrtnisse zu dokumentiren, verwirklicht worden. Lemberg, 24. Juni. Es verlautet, daß demnächst sich von hier eine Deputation nach Wien bcgiebt, um beim Kaiser, dem Minister Präsidenten und dem Justizminister sich über die systematische Präterirung jüdischer Gcrichtspraktikanten bei Avancemcnts in Ostgalizien zu beschweren. Frankreich. *** Paris, 29. Juni. Der Vizesekrctär des Pariser Konsistoriums, M. Leon Kahn, giebt in seinem jüngst bei Herrn A. Durlacher erschienenen Schriftchen ״Geschichte der Pariser Gemeinde, Handwerker und Fürderungsanstaltcn" die israelitische Bevölkerung von Paris vor 76 Jahren als aus über 2900 Seelen bestehend an. Mit dem Kleinhandel beschäftigten sich damals 42! Personen, dem Großhandel und der Bank gehörten 43 Personen an. Es gab einen Advokaten, 5 Musiklehrer, 7 Sprachlehrer, 4 Polytechniker, 4 Aerzte und 230 Handwerker. Ein Staatsbeamter wird erwähnt, der Postdirektor Alkan. — Wir finden in dem Auszuge der ״Archives Jsraelites" keine Erwähnung der darstellenden Kunst, während in der Kunstausstellung dieses Jahres, die wie alljährlich von Mitte bis Ende Frühling im Jndustriepalast veranstaltet wird, sich nahezu an hundert jüdische Namen finden, von denen ein Theil allerdings Ausländer sind. — In vierzehn Tagen wird die französische Nation gewissermaßen eine Jahresfeier der Emanzipation der Israeliten veranstalten. Es wird nämlich zwei Tage vor dem Nationalfeste des 14. Juli in Lüneville die Statue des Abt Gregor enthüllt, zu welchem Akte der Präsident der Republik und die Präsidenten der beiden Kammern eingeladen sind. Der Abt Gregor hat bekanntlich als Mitglied der Konvention die völlige Gleichstellung der Israeliten veranlaßt. Rußland. -.2. Warschau, 25. Juni. Das furchtbare Brandunglück zu Grodno hat auch ganz besonders die dortige zahlreiche jüdische Gemeinde heimgesucht Hunderte von jüdischen Familien sind obdach- und besitzloS geworden. Es gilt, von allen Seiten Hülfe zu bringen. Hier sind bereits 10000 Rubel für dixsen Zweck gesammelt worden. Mögen auch unsere aus׳ ländischen Brüder sich der Unglücklichen erbarmen. Rumänien. ...z. Bukarest, 25. Juni. Die unerhörte Miß- Handlung der Juden in dem Bezirke Dorohoi, bezw. in dem Hauptorte Dorobani, — doch nein, nicht diese selbst, sondern der darüber in auswärtigen Zeitungen gegebene Bericht — veranlaßte den Senator Gergoly, den Minister in der Kammer zu interpelliren. Herr Minister Campineanu zuckte die Achsel, sprach von Ungenäuigkeiten, Uebertretungen u. dergl. m., unt die Ehre des rumänischen Namens im Auslande zu retten. Es gelang ihm dieses nicht. Viel ist allerdings darannicht mehr einzubüßen, und bei Lichte besehen, hat Herr Campineanu die Berichte der bösen Zeitungen, welche das arme Rumänien im Auslande so schändlich anschwärzen — bestätigt. Doch auch waS inländische Zeitungen erzählen, dringt nach Außen. Der ״Curierul Totoschanitor" weiß ein neues Stückchen rumänischer Beamtenwillkür und Barbarei zum Besten zu geben. Der würdige Primär von Dragaschani hat einen Juden vor sich bringen lassen. Derselbe konnte nicht so schnell, wie der Herr Primär es verlangte, aus dem HeimathSorte sich entfernen, aus welchem er ausgewiesen worden, weil er des großen Verbrechens, ein Jude zu sein, überführt und geständig war. Er wurde auf die Prügelbank gespannt und so unmenschlich gepeitscht, daß ihn seine Sinne verließen. DaS sek nur arglistige Verstellung, meinte der Primär und be״ fahl, die Dosis zu verdoppeln, bis der Unglückliche eine Leiche war. Um diesen Akt der Justiz zu verdecken, gab er. den Beseht, den Gemordeten in einen Brunnen zu werfen, und ließ auSsprengen, der Jude habe sich aus Verzweiflung über seine Ausweisung selbst in den Brunnen gestürzt. Es ist nicht anzunehmendaß dem Primär ein Haar gekrümmt wird, meint die Redaktion, weil es ja nur ein elender Jude sei. — Sollten solche Gräuel nicht die göttliche Vergeltung herausfordern?? Von Menschen erwarten wir keine Hülfe mehr. — — Afrika. * Algier, 26. Juni. In Folge des Verbots der Ausführung einer Operette in der Sabirsprache herrscht hier seit zwei Tagen eine leichte Erregung. Fünfzig junge Leute durchzogen gestern Abend lärmend die Straßen unter dem Rufe: ״Nieder mit den Juden!" Sieben Verhaftungen wurden vorgenommen; dcrZwischen« fall hat keinerlei Bedeutung.

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