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Jeschurun · 1885-07-02 · Heft 27 (2.7.1885) · p. 421

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 27 (2.7.1885)
Article
Judenthum und Antisemitismus [Rezension]
Date
1885-07-02
Page
421 (sequence 2)
Language
German
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421 Judenthums und der Juden, ein Jeglicher mit einer anderen Waffe, um das Bcruichtungswer! zu vollbringen. Auch die ״Preußischen Jahrbücher" des Herrn v.Treitschke dürfen nicht zurückstehen, wo Alles im heiligen Eifer eilt, ein Brcnnscheit zu dem großen Autodafe herbeizuschleppen, welches auf dem großen Nichtplatze zwischen dem Schwarzen Meer und der Nordsee zur größeren Ehre der Zivilisation des seinem Ende zuncigcnden neunzehnten Jahrhunderts veranstaltet wird. Und wären die Himmclskreise Pcrgaincntflächen, alle Meere Tinte, alle Halme Federn und alles Gethicr Schreiber, so könnte dennoch nicht der '׳Nachwelt alles überliefert werden, was an Juden- und Judenthnmfcindlichkeit in der Gegenwart gedacht, gesprochen, gedruckt und gehandelt wird. Die Kraft eines Sterblichen reicht darum auch nicht aus für die Registrirnng der Vorurtheilc, Thorhciten, Irrthümcr und Bosheiten, welche in der sogenannten ״Judenfrage" zu Tage treten. So ließen sich zur Beleuchtung des uns vorliegenden Aufsatzes Bibliotheken füllen als traurige Denkniäter der Verirrung des menschlichen Geistes. Wir müssen uns aber auf einen winzigen Raum beschränken, um diesem buchstäblich verworrenen OpuS eine kurze Betrachtung zu widmen. Der Verfasscr konstruirt sich ein ganz konfuses System, welches ihm ״jüdische Weltanschauung" zu benamsen beliebt, dagegen richtet er dann seine Angriffe, um zu erweisen, daß den Inden und dem Judenthum schon ganz recht geschehe, wenn sie der Vernichtung preiSgcgeben werden. Als einzige Rettung für sie kennt er keinen anderen Ausweg als die Selbstentlcibuna, und er nennt cS räthselhaft, daß die Juden und das Judenthum nicht dieses so natürliche und einfache Mittel ergreifen. Dem philosophischen und historischen Auge jedoch gicbt es keine Räthsel, und der Verfasser, welcher natürlich ein solches besitzt, weist unwiderlegbar nach, daß dieses Räthsel im Grunde genommen gar kein Räthsel ist, sondern eine ganz natürliche Nothwendigkeit. Die Juden sind eben von Natur aus dumm und blind, und gar nicht im Stande, die durchaus gerechten und billigen antisemitischen Forderungen zu verstehen, also verfallen sie ihrem Schicksal. Die MauS vermag auch nicht die Nothwendigkeit ihres Verspeistwcrdcns zu begreifen und ist viel zu unklug und blind, um sich zu dem Wesen der Katze zu erheben und Katze zu werden. Es widerfährt ihr also nur das ihr gebührende Recht, wenn sie den Krallen der Katze zur Beute fällt. Sie ergiebt sich darum auch ihrem unvermeidlichen Geschick und hadert gar nicht mit der Katze, macht auch gar keine Anstrengung, der Katze zu Gefallen ihre Mäuscnatur zu ändern. Der Katze muß das passive Verhalten der MauS ebenso räthselhaft erscheinen, wie nach der Behauptung des Herrn Lehnhardt dem Deutschen ״das passive Verhalten des JudcnthumS in der Judenfrage von vornherein räthselhaft ist". Was will also der Verfasser? Er beweist uns ja aus den! Grunde seiner utopischen Eharaktcristik des jüdischen Wesens, daß wir gar nicht anders zu machen sind, als wir sind, daß wir gar nicht die Fordernugen zu verstehen vermögen, die der vernünftige und gerechte Antisemitismus an uns richtet. DaS ist in der Thar ein großes Räthsel. Und ein ferneres Räthsel bleibt cö auch, was eigentlich die gerechten Forderungen sind, die an den Juden gestellt werden. Mau kann die Abhandlung wiederholt aufmerksam studireu und findet auch nicht einmal die leiseste Andeutung der Dinge, die man von uns cigent-!ich verlangt. Die antisemitische Literatur hat bereits eine Legion mehr oder minder gehässiger, unbegründeter, nichtsnutziger Werke hervorgcbracht, unseres Wissens aber kein einziges, welches sich an Seichtheit, Verworrenheit, Unwissenschaftlichkeit und Selbstdünkel mit dem vorliegenden uressen kann. X. Die ttettbearbeiiete hebräisch-chakdäische Bibek-Konkordauz von Vi. S. Mandelkern wird von hervorragenden Antoritäten, wie Delitzsch, Fleischer, Schtottmann, Gosche u. A. m. auf Grund der denselben vorgelcgten Vorarbeiten und Proben des Verfassers außerordentlich günstig benrtheilt. Die vielen Mängel, welche der Buxtorfschen Konkordanz auch in der Fnrst'schcn Bearbeitung anhasten, sind bekannt. Diese werden durch die Mandclkcrn'sche Bearbeitung durchaus beseitigt, welche sich auch dadurch auSzeichnet, daß sie die auf eigcnthümlichcn Hypothesen beruhende Wurzcltheorie Fürst's, wclche in seiner Konkordanz in höchst störender Weise zur Geltung gelangt, nicht adoptirt. Außerdem sind hier sämmtliche Eigennamen und die wichtigsten Partikel mit ausgenommen, so daß die Mandelkern'sche Bearbeitung eine Konkordanz bietet, wclche ihre Vorgänger durch Vollständigkeit und Genanigkeil weit hinter sich läßt. Es ist dem Verfasser gelungen, für dieses Riesenwerk einen Verleger zu finden, welcher jedoch für die enormen Herstellungskosten durch den garantirtcn Absatz einer entsprechenden Anzahl Exemplare gesichert sein will, bevor er cs wagen darf, mit dem Satze zu beginnen. Nachdem bereits der größere Theil der Universitätsbibliotheken sich zur Anschaffung des Werks bereit erklärt hat, wäre es dringend zu wünschen, daß namentlich in jüdischen Kreisen sich auch Privatpersonen veranlaßt fühlen, durch Subskription die Herausgabe dieser Konkordanz im Interesse der Wissenschaft zu fördern. —e.

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