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Jeschurun · 1885-06-25 · Heft 26 (25.6.1885) · p. 413

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 26 (25.6.1885)
Article
Deutschland : Berlin [Nachricht]
Date
1885-06-25
Page
413 (sequence 2)
Language
German
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des königlich preußischen Landgerichts zu Berlin. Nicht ״Juden und Judengenossen" sind eS, die dieses Bild gezeichnet; die Richter, Landgerichtsdirektor Lüth und LandgerichtSrüthe Markstein, Oppcrt, von Makomaski und Graf Strachwitz wird die ״N. Pr. (Kreuz-) Ztg." nicht als solche kennzeichnen wollen, die diesen Prozeß, in welchem Herr Stöcker als Ankläger und Zeuge (der Präsident des Gerichtshofs sprach wiederholt irriger Weise als ״Angeklagter") austrat, ״den mit talmudischcm Haßgefühl ansgestalteten Vertreter des Scmitcnthnms" zuschiebt. Man täusche sich darum nicht über die Wirkung dieses Erkenntnisses. Der Antisemitismus wird darum um keinen Halbgramm leichter auf uns lasten. Auch Herr Stöcker wird nach wie vor ״der Führer und Vorkämpfer der christlich-sozialen Sache in Deutschland bleiben;" als solchem huldigt ihm das Hauptorgan der mächtigen Partei in seinem gestrigen Leitartikel, als solchen versicherte ihn eine Deputation hervorragender Konservativen ״der beständigen und unveränderten Anerkennung, Achtung, Liebe und Bcrehrung," als solcher empfing er bereits zwei Ständchen vor seiner Abreise. — Der Gefeierte aber sprach, als ihm bei dieser Gelegenheit ein Rosenstrauß überreicht wurde, die bedeutsamen Worte: ״Das ist ja, als wenn man aus dem Bade kommt! Na, ein Bad war cs auch, wenn auch kein schönes." Darin stimmen wir vollkommen mit dem Herrn Hofprediger überein und beneiden ihn nicht wegen seiner Verehrer und diese nicht wegen ihres Führers. -a- Berlin, 21. Juni. Im Gegensatz zu der ״Krcuzzeitung" schreibt das gleichgesinnte ״Deutsche Tageblatt": ״Es war, wir gestehen cs ganz offen, eine gewisse Scheu, dem Herrn Hofprcdigcr Stöcker, mit dem wir uns in Bezug auf seine Propaganda in vielen Punkten eins wissen, etwas zu sagen, was ihm vielleicht gerade in diesem Augenblick, in dem sich auch viele von Lenen, die bisher zu ihm gehalten, nicht verhalten konnten, daß die Sache mit dem Prozeß doch sehr trübe sei, doppelt zu verletzen angethan war." Und ferner: ״Wir geben zu, daß sich Herr Stöcker zun! Hofprediger nicht weiter eignet, aber als Agitator hat er sich, und wenn ihr noch so viel Verläuiudungen auf ihn zusammenhäuft, nicht' unmöglich gemacht!" Der Deutsche Antisemiten-Bund hingegen veranstaltete Freitag Abend eine etwa fünftausend Thcilnchmer zählende Versammlung Stöcker zu Ehren in der Bockbraucrci auf dem Tempel Hofer Berg. Der Hauptredner war der Stadtverordnete Pickeubach, welcher Nlit einen! minutenlangen, jubelnden Hoch auf Stöcker einlcitetc und die Juden warnte, nicht zu frohlocken, die bisher gegen sie gewaltete Milde könne leicht ins Gegentheil verkehrt werden, so daß cs heißen werde mit Rehabcam: früher seid ihr mit Peitschen, nun! sollt ihr mit Skorpionen gezüchtigt werden! UebrigenS! sei für den Deutschen Antisemiten-Bund die Judenfrage! eine Nassenfrage. Die Ziele seien aufrecht zu halten,; verkündet ein anderer Redner, W. Schmidt: daß; Inden niemals Richter, niemals Advokaten, niemals Offiziere werden dürften; die einzig gute Parole sei: Die Juden müssen heraus aus Deutschland! Ein rauschender Beifallssturm begleitete diese Proklamation. Der Rechtsanwalt Stein nennt den Ber-- theidigcr Sachs einen Juden und den Vcrtheidiger Munkcl einen Judcnknecht, und der rasch berühnlt gewordene jüdische Antisemit Simon May, welcher als Spezialität den Kol-Nidrc pflegt, wünscht die Abschaffung resp. Prüfung des Kol-Nidre und der daraus sich ergebenden Folgen bei dem nächsten Reichstag zu beantragen, wofür er den Beifall der Bundesgenossen erntete, welcher auf Antrag des Rechtsanwalts Stein eine Ergebenheits-Depesche an Herrn Stöcker und den Ausdruck der Verachtung für die Rechtsanwälte Munckel und Sachs beschloß und mit wiederholtem Hochrufen auf Stöcker, als den wackern und selblosen Streiter in: Kampf wider das Judenthnm, sich trennte. 0. Berlin, 2! .Juni. Welche absonderliche Blüthen fanatische Verblendung treibt, davon legt die gestrige Ausgabe der ״N. Pr. Ztg." ein Pröbchen ab. Das hochkonservative, christlich-soziale Organ läßt sich ans Wien über die Brünn er Arbeitcrunruhen schreiben und stellt die Exzesse in einem Lichte dar, als ob solche sich gegen die Inden wenden, weil viele jüdische Fabrikfirmen in Brünn cxistiren. In höchst bezeichncndcr Weise schließt die Korrespondenz wörtlich: ״Die Exzesse hatten sich fast ausschließlich gegen die Baulichkeilen jüdischer Tcxtilsirmen gerichtet, gegen welche sich in Folge ihrer bisherigen argen Ausbeutung der Arbeiter, 16 bis 18, zeitweise auch zwanzigstündiger Arbcitszeit bei unglaublich niedrigen Löhnen, sehr schlechter Behandlung des ArbeitspersonalS, heftige Abneigung angcsammelt hatte." Daß diese horrende Anführung dem wirklichen Sachverhalt total widerstrebt, weiß Jeder, der die Berichte über die Brunner Strike gclesen. Vergißt aber die ״Krcuzzcitung", daß durch eine derartige Darstellung der sozialdemokratischen Bewcgnng Vorschub geleistet wird?? * Hamburg, 16. Juni. Von dem kürzlich in Hamburg gegründeten Vereine אהבת ציון wird uns das Programm desselben übermittelt. Wenn wir uns diesem auch nicht in allen Punkten anzuschließen vermögen, so freuen wir uns doch namentlich, in ihm dem Gedanken Ansdruck verliehen zu sehen, daß unser Heil nur ״durch entschiedene und selbstbewußte Rückkehr zum unverfälschten und unverlengnetcn Judenthnm" zu finden ist. Wir wollen cs freudig begrüßen, wenn diese Vereinigung auch in diesem Sinne zunächst in

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