Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1885-06-25 · Heft 26 (25.6.1885) · p. 404

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 26 (25.6.1885)
Article
Die Mittel zur Abwehr
Date
1885-06-25
Page
404 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2932754-2933101-2933127-2961516--19052-2961563
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

bleibt aber immerhin: woher der thatsächlich vorhandene Judenhaß? Wenn derselbe in dem Gegenstand der Abneigung nicht seinen Grund finden kann, so muß dieser in den Feinden des jüdischen Volkes zu suchen sein. Welche Vermessenheit! wird man einwenden wollen. Alle Völker, alle Zeilen sollen im Unrechte sein, dem kleinen jüdischen Stamme aber darf kein Makel anhasten! Kann man stch e!ne größere Hartnäckigkeit, eine trotzigere Herausforderung der ganzen Welt vorstellen, als diese jüdische Behauptung! Mit der Vcrachtung und der Feindschaft der Jahrtausende belastet, wagt der Jude noch, gegen diese gewiß vollauf verdiente Vcrurthcilnng keck zu protestircn! Die Weltgeschichte ist das Weltgericht und der Völker Stirnme Gottes Stimme — wer darf so kühn sein, dem Verdikt dieses majestätischen Tribunals den Vorwurf der Ungercchtigkeit cntgcgenzuschlendcrn und in der Nationen einmüthigen Nus den Nuf Gottes überhören zu wollen! So erkläre denn die Einstimmigkeit der Richter, die du alle der gleichen Blindheit zu zeihen wagst, nenne den Mangel, der ihnen Allen gleichmäßig anhaften muß. Einer der bedeutendsten und tief schauendsten Männer der Gegenwart hat in einem präzisen und prägnanten Satze die räthselhafte Erscheinung des Judenhasses erklärt. Theodor Mommsen hat es ausgesprochen, cs sei schwer und gefahrvoll für den Juden, außerhalb des ChristenthumS zu bleiben und innerhalb der Nation stehen zu wollen. DaS ist die Ueberzeugung eines gelehrten Forschers auf Grund der eingehendsten Untersuchungen der Blätter der Weltgeschichte. Einer winzigen Minorität drohen Gefahren, die nur schwer zu überwinden sind, wenn sic sich mit ihrer religiösen Anschauung nicht im vollsten Einklang mit der Mehrheit befindet, wenn sie den Muth einer eigenen Ueberzeugung besitzt. Die gewaltige Mehrzahl duldet keinen Widersprnch eines Schwächeren. Sie sieht sich unendlich verletzt und in ihrer Autorität angegriffen, wenn der Geringe ihr gegenüber eine gewisse Selbständigkeit zu behaupten sich unterfängt. Du, ohnmächtiger Zwerg, willst weiser sein als ich, willst nicht blindlings den Spuren folgen, die mein Schritt dir zeigt, willst etwas Besonderes sein und haben — weißt du nicht, daß du dein elendes Dasein nur durch meine Gnade fristest? Der Ballen meines FußcS vernichtet dich in einem Augenblick und du verdankst es nur meiner Großmuth, daß ich dich am Boden kriechen lasse. Darum sei eS schwer und gefahrvoll ein Jude zu sein. Wenn dieser Ansspruch MommsenS im Hinblick auf die Gegenwart und in Bezug auf das deutsche Volk gethan werden konnte, also auf eine Zeit, welche der Erbe aller geistigen und sittlichen Vervollkommnung aller bisherigen Jahrtausende ist, und auf ein Volk, das nicht ohne Berechtigung sich zu den höchstentwickeltsten zählt, so derselbe ganz unzweifelhaft um so mehr Gültigkeit für weniger vollkommene Geschlechter und niedriger stehende Nationen haben. Denn es bedarf gewiß nicht des Nachweises, daß in weniger gebildeten Zeiten und bei weniger gebildeten Völkern eS noch weit schwieriger und gefahrvoller für den Juden gewesen sein muß, außerhalb des Religionsbekenntnisses der Mehrheit und innerhalb deren StaatcnvcrbandS als vollberechtigtes Glied stehen zu wollen. Die Schwierigkeiten und Gefahren, welche des Schwachen und Wehrlosen harren, sind ja um so niannigfaltiger und drohender, je roher dessen Umgebung ist und Achtung vor des Andern religiöser Ueberzeugung und Anschauung, Toleranz, zählt zu den Zeichen einer bereits vorangeschrittenen Bildungsstufe. Mommsen hat sicherlich nicht behaupten wollen, daß unserer Gegenwart und dem deutschen Volke ein besonders hoher Grad von Roheit zuerkannt werden muß. Uns erscheint jedenfalls dieser Mommsen'sche Satz als das Resultat der besonnensten geschichtlichen Forschung eines bedeutenden Gelehrten. (Fortsetzung folgt.) liebet Israels UoWand. (Zu הפטרת בלק.) Von Wilhelm Krauß in Szäsz-Nogcn (Siebenbürgen). Zwei Bilder werden in den ersten Haphtorah- Versen vor uns aufgerollt, beide Israels ,zukünftigen Wohlstand unter den Welt-Nationen darstellend. — 1״) Und eS wird sein der Ueberrest Jakobs in Mitte vieler Völker wie Than vom Ewigen, wie Regenguß auf Gras, nicht vom Menschen erhofft, nicht von Erdensöhnen erwartet." — 2״) Und eS wird sein der Ueberrest Jakobs unter den Nationen, in Mitte vieler Völker, gleich dem Löwen unter dem Gethier des Waldes, gleich dem jungen Leu unter Schafherden, — so er hinfährt und niedertritt und zerreißt, Niemand rettet." Welch' auffallender Kontrast zwischen den zitirten zwei Propheten-Bildern, welch' schroffe Gegensätze sind da nebeneinander hingestcllt! Während im ersten Satze die Schilderung von Israels Stellung unter den Völkern in den lieblichen Rahmen eines sanften FriedenöbildeS gefaßt wird, ..wie Than vom Ewigen re.;" während hier Israels Aufblühen und Wohlstand nur allein auf das Walten einer besondern göttlichen Vorsehung zurückgeführt wird, auSschließend jede im Wege der Gewalt, auf Kosten und zum Schaden Anderer zu erlangende Besitzerwciterung; so wird dagegen im zweiten Bilde Israel als kriegerische, beutegierige Nation dargestellt, ״über Alles hinsahrend, es niederwerfend und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.