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Jeschurun · 1885-06-18 · Heft 25 (18.6.1885) · p. 398

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 25 (18.6.1885)
Article
Türkei [Nachricht]
Date
1885-06-18
Page
398 (sequence 2)
Language
German
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398 Die große kirchliche Mutterkirche Hai mit gerechtem Erstaunen von der öffentlichen Beschimpfung gehört, welche vor einigen Tagen in Kadikcuy der christlichen Religion von einigen sittenlosen Individuen zu Theil wurde. Diese verbrecherische Handlung hat sie tief betrübt, aber nicht weniger die unverzeihliche und ge< wattige Art, mit welcher einige der orthodoxen Christen sich beeilt haben, die beleidigte Ehre unserer Religion zu vcrthcidigcn. Sic hätten bedenken müssen, daß über ihnen eine Gerechtigkeit waltet, diejenige der Gesetze dieses mächtigen Reiches, Beschützer der Völker und aller Glaubensbekenntnisse, welche sich pflichtgemäß beeilt hat, die Schuldigen dieses beklagenSwerthcn Dramas zu bestrafen. Daher kann die Kirche nur — wenngleich sie nicht gleichmüthig auf die Beschimpfungen blickt, welche, sei eS von Inden oder Anderen, der Heiligkeit ihrer Religion zugefügt werden — diese Art, sich selbst Gerechtigkeit zu verschaffen, energisch und öffentlich tadeln und alle orthodoxen Christen dieser Stadt ermahnen zum Vertrauen in den Schutz der Gesetze unserer kaiserlichen Negierung; sie mögen sich auch in den Geist unseres orthodoxen Glaubens fügen, der niemals Beschimpfungen und Verfolgungen durch Repressalien oder Blutvergießen vergolten hat, sondern durch Sanftmuth und Geduld. Sie mögen sich also in Zukunft jeder Gemaltthat enthalten, welche sie vor den Gesetzen des Staates und der Kirche zu verantworten und zu büßen haben müßten. Den 12. April im Patriarchat. Auf Befehl Sr. Heiligkeit: der Ober- Vikar Gabriel. — Wir, Joachim von Gottes Gnaden Erzbischof zu Konstantinopel, dem neuen Nom, und ökumenischer Patriarch. Sehr geehrte Geistliche der großen Christuskirche, fromme Priester und ehrwürdige Brüder, die ihr in den geheiligten Kirchen der Stadt singet, sowie auch in Galata und am Bosporus, und Ihr alle, gesegnete Christen, treue Söhne in JcfuS Christus, die Gnade und der Friede Gottes seien mit Euch. Mit großem Schmerze haben wir in Erfahrung gebracht, daß trotz der von der kaiserlichen Negierung eingeleiteten pflichtschuldigen Untersuchung zur Entdeckung und Strafe der Schuldigen an den Unruhen in Kadikeuy, Einige unter Euch nicht aufhören, in gewaltsamer und gesetzwidriger Weise zu verfahren, indem sie die Juden, denen sie auf der Straße begegnen, mißha.'deln und sich zu -Handlungen Hinreißen lassen, welche die religiösen Leidenschaften und den Haß zwischen Völkerschäften reizen, die dasselbe Land bewohnen, Unterthancn derselben Regierung sind und in Eintracht und Liebe mit einander verkehren sollten. Diejenigen, welche so handeln, wissen wahrscheinlich nicht, daß sie damit der christlichen Bevölkerung keine Ehre einbringen; dieselbe hat sich stets durch ihre Milde und christliche Nächstenliebe ausgezeichnet, wie cL die orientalisch-orthodoxe Kirche, welche ausdrücklich den unzeitgemäßen Eifer und den Haß gegen Andersgläubige verurtheilt, vorschreibt. Auch lenken sic den Zorn und die Mißbilligung der kaiserlichen Regierung auf sich, welche über alle Völkerschäften, ihre Unterthancn, wacht, den öffentlichen Frieden und Ruhe aufrecht erhält und stets bereit gewesen ist, die wirklich überwiesenen Schuldigen nach Gebühr zu bestrafen. Daher empfehlen wir väterlich, daß man sich von gesetzwidrigen, unchristlichen Handlungen enthalte und sich nicht selbst Gerechtigkeit verschaffe den Landesgesetzen zuwider und dieser Art denjenigen, welche die orthodoxe, friedliche und die Gesetze achtende Nation herabwürdigeu wollen, indem sie ihr Fanatismus und NeligionShaß vorwerfen, geeignete Vorwände liefern. Künftighin möge Niemand den Juden Schimpf oder Unrecht anthun, sei cs in Worten oder strafwürdigen Handlungen, sondern sich überzeugt halten, daß die kaiserliche Regierung einerseits den Gesetzen gemäß diejenigcn strafen wird, welche thatsächlich an der Schmach ihren Anthcil gehabt, andererseits aber denjenigen, welche durch Gewaltthätigkciten die Ordnung und Ruhe stören werden, nicht freie Hand lassen wird. Ihnen dies sagend und ancmpfehlend, rechnen wir auf Eure christliche Ergebenheit und Folgsamkeit gegenüber unfern väterlichen Nathschlägen, und möge GottcS Gnade und ewige Barmherzigkeit mit Euch sein. April 1885. Palästina. AI Ueber das Gedeihen der jungen Kolonien gelangen verschiedene sich oft wiedersprechende Berichte zur Kenntniß. ES scheint zu sein, als ob die Ansiedclnugen Nosch-Pina, Samaria. Rischon Lezion und Ektron ziemlich prosperiren. Wenn durchaus fachkundige und unparteiische Urtheile dieses bestätigen würden und Aussicht auf eine ersprießliche weitere Ausdehnungen dieser jüdischen Ackerbaulotonicn vorhanden sein sollte, so dürfte eS an der Zeit sein, wenn mit allen zu Gebote stehenden Mitteln die Erweiterung derselben angcstrcbt würde, und man dorthin mehr als seither unsere unglücklichen herunlirrenden Brüder dirigirte. Marokko. * DaS Zentralkomitee der ״All. israel. univ." hat folgende Mitthcilungen aus Fez erhalten: Wir haben neuerdings an Israeliten.von Fez begangene Mordthaten zu verzeichnen. Gegen den;8. März wurden in der Nähe von Marokko Rüben Azerral und Mimou Trojmau umgcbracht. Die Beraubung war der Anlaß zu dicjem Verbrechen. Diese Israeliten waren mit einer Summe von 30 000 Frcs. in landesüblichem Gclde, welches sie gegen Fünffrankenstücke umwechseln sollten, beladen. Man vermuthet, daß zwei Berittene, von denen sie begleitet waren, das Verbrechen begangen.

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