Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1885)
- Article
- England : London [Nachricht]
- Date
- 1885-06-18
- Page
- 397 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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397 daß die Ansiedelung den fremden europäischen Mächten einen Vorwand geben lönntcn, in die innere Verwaltung cinzngrcifen. Ich wies den Gouverneur daraus hin, daß die Juden zu allen Zeiten sich als loyale Unterthanen erwiesen hätten, und Seine Exzellenz versprachen endlich seine Verwendung bei der Hohen Pforte wegen Erlaubniß zum Weiterbau. Ich habe guten Grund zu der Annahme, daß die Kolonisten keine weiteren Schwierigfeiten in dieser Hinsicht begegnen werden. Ich beriet!) hierauf mit Herrn Wissotzki über die geeignetsten Wege, den Kolonisten zu helfcn. Ich hatte einige Briese, u. A. von Rabbi Samuel Mohilcvcr, dem Oberrabbiner von Gyalistok und von Herrn Simmel auö Berlin erhalten, welche die vollständige Vertrauenswürdigkeit dieses Herrn bezeugten. Ich hatte auch vollauf Gelegenhcit, mich von seinem Eifer und Geschick zu überzeugen. Wir setzten einen allgemeinen Plan fest, nach welchem Verhältnisse Ihre Spende von 500 Pfund unter den russisch-jüdischen Kolonisten zu vertheilen wäre, um die vorhin erwähnten nothwcndigen Anschaffungen zu bestreiten. Er versprach mir, bei der Bcrtheilung der Gelder selbst zugegen zu sein und mir die einzelnen Empfangsbestätigungen zu übersenden. Diese sind mir jedoch noch nicht zugckonunen. — Ich kann noch hinzufügen, daß alle Ansiedler, einschließlich der Frauen und Kinder, anscheinend sich wohl und munter befinden. In ״Pclhach Tikwah" ist eine kleine Synagoge. Die Kinder erhalten Unterricht im Hebräischen und in Religion von Herrn Frumkin, welcher sich der Unterstützung der Herren Di׳. Hildesheimer in Berlin und bachmann in Hamburg erfreut. — Die von Ihnen ansgcsctzle Summe steht offenbar in gar keinem Verhältnisse zu den Bedürfniffen der Kolonisten. Herr Wissotzki versprach, dieselbe durch Beisteuer von seinem Komitee zu erganzen, und ich hatte während meines Aufenthalts in Paris Gelegenheit, diese Ansiedelung auch dein Schutze eines wohlbekannten Menschenfreundes zu empfehlen, welcher auch seinen großmüthigen Beistand den anderen Kolonien im heiligen Lande gewährt hat. — In Betreff der zukünftigen Aussichten der Kolonie habe ich zu bemerken, daß noch viele Schwierigkeiten zu überwinden sind. Eine der größten ist, daß Vit Mehrzahl der Ansiedler aus Handwerkern besteht, welche in der Landwirthschast keine Erfahrung besitzt. Nur sehr Wenige haben hierin praktische Kenntnisse; einer von ihnen ist ein früherer Zögling der Ackerbanschule in Jaffa. Diese sind glücklicher Weise jederzeit gern bereit, ihren Nachbaren mit ihrem Rathe und ihren Erfahrungen beizustehen. Herr Wissotzki hat veranlaßt, daß Herr Strawotski aus Nosinoc bei Gyalistok, ein erfahrener Landwirth, als Leiter der Kolonie ״Pethach Tikwah" seitens der ״Chowawe-Zion-Gesellschaft" hierher gesandt wird. Wenn bk Ansiedler sich feiner Leitung unterwerfen werden, wenn ihnen eventuell in genügender Weise geholfen wird, so daß sic im Stande sind, die gegenwärtigen Schwierigkeiten zu überwinden, andererscitS aber auch nicht verwöhnt werden, so daß bei ihnen Hang zur Trägheit und Unselbstständigkeit nicht genährt wird, so kann man unter göttlichen Beistand aus endlichen Erfolg rechnen. — Meine Aufgabe, bedürftigen und würdigen Auswanderern zu helfen, wurde mir durch den Beistand der Herren M. PicncS und Nissim Bühar sehr erleichtert. Diese Herren hatten eine eingehende Untersuchung hinsichtlich eines jeden einzelnen Falles angestcllt. Außerdem sah ich selbst jeden Bittsteller in einer am Freitag, den 1. Mai, von 7 Uhr Morgens bis 4 Uhr Nachmittags währenden Sitzung. (Es folgt nunmehr ein Bcrzcichniß der bewilligten Unterstützungen im Betrage von!82 Pfund.) Es giebt noch mehrere russische Familien in Jerusalem, welche wegen der Verfolgungen in ihrem Vaterlande anSgewandcrt waren. Die Herren Bi'har und PicncS versprachen, Erkundigungen über diese einzuziehen und mir Näheres mitzutheilen. — Genehmigen Sie u. s. w. H. Adler." Rußland. ...y. Warschau. Interessante Aufschlüsse gewährt das statistische.Material, welches jetzt mit vieler Mühe und Arbeit gesammelt wird. Für den mit den einschlägigen Verhältnissen Vertrauten reden die Zahlen eine sehr verständliche Sprache. Für das Gouvernement Lublin sind die folgenden Ziffern bedeutungsvoll. Lublin zählt!8496 Inden unter 38816 Seelen, HrubieSzow 5144 unter 8444, Bjelgorai 461! unter 6435, Ehetm 5083 unter 7796, Samost 5022 unter 7725, KraSnostaw 876 unter 5638, Tamaschow 3027 unter 5!37, Sebersin 2381 unter 5126, Krasnik 2751 unter 5025, Ljnbartow 2681 unter 4869, Dubenka 2446 unter 4677, Lentschna 2250 unter 3625 —. Joseph Nabinowiz verlegt das Feld seiner Thätigkeit auf die kleineren Ortschaften PodolienS und Bcssarabiens. — In Charkow errichtet ein Jude eine große Bäckerei und verkauft um den fünften Theil billigern Preis als die anderen Bäcker. Dadurch werden diese gcnöthigt, ebenfalls die Vrodpreise herabzusctzen ״und das nennt man eine Ausbeutung der Christen durch die Juden!" ruft der ״WoSchod" auS. Türkei. * Wir haben in Nr.!9 über die Exzesse in einem Vorort Konstantinopels ausführlich berichtet und auch der Energie der Behörde, sowie der Intervention des Patriarchen gedacht. Der ״All. israel. Univ." wird die Proklamation dcS ökumenischen Patriarchen an die griechische Gemeinde in dieser Angelegenheit mitgetheilt. Dieselbe lautet: An das fromme Publikum dieser Stadt!