Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1885)
- Article
- Deutschland : Hannover [Nachricht]
- Date
- 1885-06-18
- Page
- 394 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Kollegium hierfür dcsignirt werden wird.-Das rcvidirte Statut des WohlthätigkeitSvereins 'kl של ist nach erfolgter hoher Bestätigung in Kraft getreten und auf Grund desselben von der VercinSvcrsammlnng am 11. d. M. der VerwaltungSkörper neu gewählt worden. Derselbe besteht nunmehr aus den Herren Kommerzicnrath Adolf Molling, Bernhard Lörvcnstcin und Jsaac Hirsch als Vorsteher, Landrabbincr vr. Gronemann, Julius Kauffmann, Isaak Goldschmidt, Israel Oppenheimer, Isidor Leon und Jakob Berliner als Beisitzer. — In später Abendstunde ist gestern die durch Wohlthätigkcit und Menschenfreundlichkeit ausgezeichnete, hochbetagtc Frau Amalie Cohen ihrem edlen Gatten, dem wegen seines humanen Wirkens unserer Gemeinde unvergeßlichen Herrn Alexander Cohen, in die Ewigkeit gefolgt. .ת׳נ׳צ׳ב׳ה׳ C. Berlin, 7. Juni. Wie die ״VolkSzeitung" schreibt, beging die Gesellschaft zur Beförderung des Christenthums unter den-Juden am Donnerstag Nachmittag in der dichtgcfülltcn DrcisaltigkeitSkirche ihr JahreSsest. Missionsprediger Da ab berichtet über die Thätigkeit der Gesellschaft im verflossenen Jahre. DaS Werk der Judenmission sei äußerst mühevoll, es sei jedoch aber ganz besonders bei diesem Werke erforderlich, nicht müde zu werden. Er habe im vergangenen Jahre 61 Missionspredigten in Berlin und 48 in der Provinz gehalten. Im vergangenen Jahre wurden gegen 3000 Missionsschriften vertheilt. Den Juden sei im vergangenen Jahre hauptsächlich durch persönliche Unterredung und Verthcilung von Traktaten näher getreten worden. Vielfach seien die Juden durch die Antisemitenagitation aufgeregt und haben die Missionare anläßlich dessen ohne Weiteres abgewiesen. Die Juden scheu die Mission zumeist nicht als ein Werk der Liebe, sondern als ein Werk des Klassenhasses an. Wiederholt sei es vorgckommen, daß Juden die ihnen überreichten Schriften vor den Augen der Missionare zerrissen und mit Füßen getreten haben. Im Jahre 1884 habe er (Daab) 14 Juden unterrichtet und 12 hiesigen Pastoren überwiesen. Getauft habe er im vergangenen Jahre zwei Jüdinnen. Gegenwärtig unterrichte er 12 Juden. Eine Anzahl wandernder Juden meldete sich im vergangenen Jahre zur Taufe; als sie aber hörten, daß sie keine Bezahlung dafür erhielten, zogen sie wieder ab. Um so mehr erfreulich sei es, daß alle die bisher von der Gesellschaft zum Christenthum bekehrten Juden durchaus anständige, ansässige Leute seien. Diejenigen Christen, die die Judenmission tadeln, kennen den Segen der Judenmission nicht. Der Prediger theilte zum Schluß mit, daß König Friedrich Wilhelm IV. bei Gründung der Gesellschaft derselben einen jährlichen Beitrag von 900 zugesagt habe und daß diese Summe noch alljährlich aus der königlichen Chatulle gezahlt werde. -a- Berlin, l 5. Juni. DaS Ereigniß des TageS sind die Verhandlungen, welche vor den Schranken des hiesigen Landgerichts in der Strafsache gegen den Redakteur der ״Freien Zeitung" Bäcker wegen Beleidigung des HofpredigerS Stöcker geführt werden. Dieselben nehmen in der That ein erhöhtes allgemeines Interesse in Anspruch. Sie bilden einen ebenso instruktiven wie betrübenden Beitrag zu der. Geschickte der Gegenwart, und wenn in derselben dem Antisemitismus ein unbestreitbarer Platz gebührt, so ist ein Einblick in die Methode eines der vornehmlichsten Träger dieser Bewegung und der Handlanger an dem Werke der antisemitischen Propaganda gewiß nicht ohne Nutzen und Belehrung. Die Aussagen der Zeugen Stöcker, Morgenstern, Lahre, Grüneberg, Masche, ebensowohl wie diejenigen der Zeugen Braasch, Witte, Tutzauer und Goerki entrollen uns ein Bild von dem geheimnißvollen inneren Getriebe der sich vor unseren Augen unter unserer Mitleidenschaft vollziehenden Ereignisse, wie es sonst noch niemals geboten wurde, und es bedarf nicht erst der genialen drastischen Erläuterung der beiden Herren Vertheidiger Sachs und Munkel, um eS für Jedermann verständlich zu machen. Wahrlich, wir freuen uns nicht dieser Enthüllungen; wir weiden uns nicht an den Nachtseiten der mcnschlichm Natur. Wir sehen auch in unseren Gegnern lieber fleckenlose Karakterc. Noch ist das Urthcil des Gerichtshofes über den Angeklagten Herrn Bäcker nicht gesprochen, aber ich glaube, die öffentliche Meinung hat ihr Verdikt, nicht über die Redaktion der ,,Freien Zeitung", bereits gefällt. 8. Karlsruhe, 14. Juni. Dem großherzoglichen Oberrath der Israeliten sind, wie der ״Landesbote" berichtet, von einem edlen Wolthäter 200 Pfund zugesandt worden, welche dazu dienen sollen, den israelitischen Seminaristen andere Kost zu beschaffen, als ihnen der Wandertisch bietet. Der Spender, welcher s. Z. in Karlsruhe mit der Wanderkost fürlieb nehmen mußte, verspricht weitere 300 Pfund zu schicken, wenn nur sein Wunsch auch verwirklicht werde. Die beiden Summen werfen aber leider nicht genug Zinsen ab und es müßten schon noch Andere sich dem gegegebenen Beispiele anschließen, um das Vorhaben ausführen zu können. Oesterreich-Ungarn. f. Pest, 12. Juni. Herr von Tisza hatte seinerzeit die Absicht kundgeaeben, auch jedenfalls Juden für das Oberhaus zu nominiren. Auf der der könig׳ lichen Sanktionirung unterbreiteten Liste befinden sich deshalb auch zwei Juden, die Herren Di*, med. Ignaz Hirschler und Großgrundbesitzer Karl Svab. Welche Verdienste diese beiden Herren auch unbestreitbar um