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Jeschurun · 1885-06-18 · Heft 25 (18.6.1885) · p. 389

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 25 (18.6.1885)
Article
Nihilismus und Judenthum
Date
1885-06-18
Page
389 (sequence 2)
Language
German
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388 ist, Schüler der oberen Klasse, die also schon viele Jahre Unterricht erhielten, soweit zu bringen, daß sie; mit den wesentlichsten Pflichten des Judcnthnms vertraut wurden, eine gewisse Fertigkeit im Pentateuch erlangten und überhaupt befähigt wurden, mit Wärme und wahrer Begeisterung für das Judcnthum cinzutrctcn. — Dessenungeachtet muß nachdrücklichst betont werden, daß der in der angedcutcten Weise gegebene Rcligionsunterricht nicht genügen kann. Die zarte Pflanze bedarf einer sorgsameren Pflege, um den Stürmen Trotz bieten zu können. Und kommt noch hinzu, daß die Staatsschule aus den verschiedensten Elementen zusammengesctzt und ganz verschieden ist von den Schulen, die ausschließlich von israelitischen Schülern besucht werden, so müssen wir entschieden behaupten, daß zwei wöchentliche NeligionSstnnden durchaus nicht genügen. Was ist aber zu thun, diesem Ucbcl zu steuern, welche Hebel müssen in Bewegung gesetzt werden, um eine größere Anzahl von Stunden zu gewinnen? Unserer unmaßgeblichen Ansicht nach ist cS zunächst Pflicht der Nabbincr, eventuell aber der ReligionSlchrcr selbst, ein wohl begründetes Gesuch bei der zuständigen Behörde einzurcichcn. Wir sind fest überzeugt, daß dieselbe bei ihrer löblichen Gesinnung den Wünschen bereitwilligst entgcgenkommen wird. Soviel uns bekannt, crtheilt der Rabbiner in NegcnSburg jetzt schon mehr als zwei Stunden wöchentlich Religionsunterricht, und wird auch dem entsprechend honorirt. Das Gesuch könnte gewiß auf die besten Erfolge rechnen, wenn alle an bayerischen StaatSschulcn wirkenden NcligionSlehrer dasselbe unterzeichnen würden. Sollten aber nicht alle von demselben Wunsche beseelt sein, so sollten die Einzclnen, denen eS um die Sache Ernst ist, denen das Heil der Jugend am Herzen liegt, Hülse suchen. Auch selbst die von einem einzelnen Religionslehrer versuchten Schritte wären gewiß nicht vergeblich. Darum, Erzicher der Jugend, הזקז ואמצו rufe ich euch zu, seid beherzt und muthig, wählet den von uns gezeigten Weg. Die Früchte eurer mühevollen Arbeit werdet ihr daun bald genießen und reichen Lohn crndtcn für das Gute und Edle, das ihr erstrebt und vollführt. Wenn wir dann ein Schärstcin dazu bcigctragen haben sollten, so wäre der Hweck dieses Aussatzes erfüllt. Nihilismus und Judentum. Von Friedrich Nott. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Schluß.) Auch Ignaz Lcwinöki hatte den Schwager innig umarmt, er fühlte sich überglücklich in dem Glücke der Geschwister. ״Aber von was hast Du gelebt?" fragte Alexander, ״Du mußt alle Wcrthpapiere, die unser thcurer Vater Dir mitgegeben, verloren haben?' ״Woher weißt Du's?" fragte LcwinSki überrascht. Statt der Antwort zog Alexander ein Schubfach des Sekretärs aus und entnahm demselben die uns bereits bekannten Papiere. ״Wie komntcn die hierher?" rief LcwinSki staunend, ״mir wurden sic auf meiner Reise von Rußland nach Deutschland geraubt." Alexander zuckte die Achseln. ״Ich erhielt sie vor einigen Wochen von der Gräfin Brandcnsce, ehemaligem Fräulein Neizcnstcin. Sie habe dieselben vor ungefähr einem Jahre unter höchst eigcnthümlichcn Umständen gefunden und bittet zu entschuldigen, daß sic bis jetzt versäumt habe, sic uns zuzuscnden. ״Das ist mir unbegreiflich," entgegncte Lewinsk; kopfschüttelnd. ״Unbegreiflich ist mir noch gar Manches," sprach Alexander, indem er den Arm um seine Gattin schlang. ״Sage mir doch, Geliebte, wer war wohl jenes Kind, das die Sabbathfrau für das unsere gehalten und mir übergeben hat?" Tolza zuckte die Achseln. ״Mit Bestimmtheit wüßte ich das nicht zu sagen, doch vcrmuthiich wird cS jener Frau gehört haben, die am Morgen jenes TageS mit ihrem Söhnchcn zu uns geflüchtet, weil in ihrem Dorf bereits geplündert worden war." ״Arme Frau," sagte - Alexander seufzend, ״wer weiß, wo sic ihr Kind jetzt sucht. — Und ein liebes, herziges Kindchen ist cs gewesen — seit cs nicht mehr da war, wie ist mir da Alles so leer, so öde vorgekommen — war mir's doch, als gäbe eS keinen Menschen mehr ans Gottes weiter Erde. Und in meiner Vereinsamung, in meinem Schmerz habe ich gelobt, in unser Hcimathland zu ziehen, nach Erez JiSracl. — Doch wenn cs Dir nicht recht sein sollte, Tolza —״ ״Wie sollte es mir nicht recht sein," entgegncte sie, den Kopf an seine Schulter lehnend. ״Was Du gelobt hast in Kummer und Schmerz, wir wollen cs mit Gottes Hülfe vollsühren mit unserem theuern Kinde in Gesundheit und Freuden." ״Das walte Gott! — Und unser theurcr Bruder wird mit uns ziehen?" Fragend blickte er zu ihm hinüber und bot ihm die Rechte. Innig drückte sie der junge Mann, doch schüttelte er verneinend das Haupt. ״Wohl möchte ich mit Euch ziehen in das gelobte Land, mich nie von Euch trennen. Doch Ihr kennt meine Vergangenheit." ״Du hast bereut/' fiel Tolza ein, ״sie ist gesühnt." Er aber schüttelte abermals das Haupt. ״Ich weiß dafür nur eine Sühne und mit Gottes Beistand

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