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Jeschurun · 1885-06-18 · Heft 25 (18.6.1885) · p. 387

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 25 (18.6.1885)
Article
Bemerkungen zu den Verhandlungen und Beschlüssen der Rabbinerversammlung zu Berlin
Date
1885-06-18
Page
387 (sequence 3)
Language
German
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Herren ein weit größeres Kompliment, da er in der Begrüßungsrede es aussprach: ״daß alle die Beschlüsse, welche von uns als dem Gemeinwohl ersprießlich erachret werden, zur Ausführung die kräftigste Unterstützung finden werden/׳ als jene zwanzig Amtsbrüder, welche dieselben unbesehen als die ihrigen akzeptirtcn, bevor sie noch gefaßt waren. Herr Herz beobachtete jedoch nicht nur diese durchaus korrekte uud vorsichtige Haltung den Beschlüssen der hochverehrten und hochwürdigen Herren gegenüber, sondern er vindizirte dem Vorstände auch die gleiche wissenschaftliche und geistige Befähigung für die zu behandelnden Gegenstände der Versammlung. Er bedauerte cs lebhaft, daß der Vorstand so spät Kcnntniß von deren Einberufung empfangen habe, um sich damit eingehend beschäftigen zu können. Würde dieses nicht der Fall sein, so hätte Herr Herz den Herren gleich zu Beginn den Stand- Punkt klar machen können. Es klingt dieses ״lebhafte Bedauern" wie eine ernste Rüge an die Adresse der Herren Berliner Rabbiner, welche dieselbe nicht nur in schuldiger Demuth Hinnahmen, sondern implicire dafür noch dankten. Sollte unter den achtundsechzig Herren nicht Einer oder der Andere gewesen sein, welcher verwundert aufgehorcht und sich gefragt hätte: aber, um deS Himmels willen, was ist doch dieser Berliner Vorstand für ein gestrenger Herr und Meistert Durften denn die Berliner RabbinatSasscssoren nicht ihre Kollegen zu einer Besprechung einladen ohne dm hochmögcnden Vorstand davon in Kcnntniß zu setzen, so daß ihnen jetzt vor der versammelten Korona wegen ungehörigen Benehmens ein scharfer Verweis erthcilt wird? Sind denn die Berliner Kollegen so sehr die gehorsamen Diener ihres GcmcindevorstandcS, daß sic keinen Schritt selbständig thun dürfen, ohne dafür gcbührcud abgekanzclt zu werden? Der Vertreter des Vorstands sah sich aber auch gcnöthigt, seinen ״Hochverehrten" seine ״Privatansicht" nicht vorzuenthalten, und hat sich also ohne Zweifel selbst mit den zur Sprache gestellten Gegenständen eingehend beschäftigt. Nach seinen: ״besten Wissen und nach reiflicher Prüfung" rüth er deshalb dringend, ״von jeder öffentlichen Erklärung" (Nr. 1 der Tagesordnung) .,Abstand zu nehmen" und gicbt den versammelten Rabbinern auch für Nr. 2 der Tagesordnung eine sehr bezeichnende Direktive. Er bittet sie. ״dahin zu trachten," daß die Beschlüsse hierüber ״sich mit den bürgerlichen Verbal;- nisten, in denen wir leben und in denen wir existlren rnüsseu. vereinigen lassen." Wenn wir diese ״Andeutungen und Nathschlägc" nicht mißverstehen, so desagen sie nichts Anderes als: Ihr Rabbiner, die ihr über die Mittel zur Hebung des religiösen Sinnes und zur Förderung des Religionsunterrichts Rath pflegen wollt, hütet euch, daß ihr nicht mit Len Lcbcn-sgewohnheiten der die Gebote des Judenthums Mißachtenden in Konflikt gelangt. Hebung des religiösen Sinnes ist gewiß sehr löblich, nur darf dieser religiöse Sinn nicht derartig gehoben werden, daß wir Gewissensskrupcl empfinden könnten, wenn - wir am Sabbath unseren Geschäften nachgehen, wenn wir uns an vom jüdischen Neligionsgcsetz verbotenen Taselgenüssen ergötzen u. dergl. m. Nachdem Herr Geheimer Kommcrzienrath Herz dergestalt seinen Tadel ausgesprochen, seine Verwahrung gegen die unbedingte Annahme der zu fassenden Beschlüsse eingelegt, seine Rathschläge ertheilt und damit die Versammlung wohl inftruirt hatte, schloß er seine Rede und empfing für Alles den ehrerbietigen Dank der Versammlung, die nunmehr die Herren Doktoren Joel, Ungerleider und Bamberg er zu Präsidenten erwählte. Die darauf folgende Rede des Herrn Di־. Joel sucht die Nothwendigkeii der Versammlung und deren Programms zu erhärten und nachzuweisen, daß die Bedenken gegen die Ausführbarkeit der Hauptbcdingung: ״Jeder religiöse Differenzpunkt ist von der Diskussion ausgeschlossen," völlig ungerechtfertigt seien. Er behanptet, daß ״manches wie eine prinzipielle Differenz aussähe, aber doch keine ist." Der Erweis für diesen Satz ist aber sehr schwach- Ücher Natur uud wahrlich eines Mannes wenig würdig, welcher in den Kreisen seiner Parteigenossen als ein scharfer Denker gelten soll. Er spricht: ״Nehmen wir z. B. die Differenz in der Frage des Religionsunterrichts. Wir sind der Ansicht, mau solle unterrichten: systematische Religionslehre, biblische Geschichte, Neligionsgeschichte und so viel Hebräisch, um für den Kultus vorzubereiten und um eine wenn auch schmale Brücke zu der Neligionsquelle zu legen. Die Anderen sind der Ansicht, wir sollten auch auf Mischna, Gemara, Schnlchan-Aruch 1t. s. w. eingehen. Giebt es nun Einen in dieser Versammlung, der meint: ״Nein, das sollen die Leute nicht lernen! Es taugt nicht, daß alle Leute diese Dinge kennen!" Gewiß nicht! Wir Alle mären froh, wenn sie das auch wüßten; wir sagen nur, es ist das bei den gegenwärtigen Verhältnissen nicht er« reichbar. Eine Frage der Methode aber ist keine prinzipielle Frage. Ich meine also, wir unterscheiden uns auch in diesem Punkte nicht prinzipiell." — Liegen aber also die Dinge in Wahrheit? Handelte es sich in der That lediglich darum, ob man den Umfang des Re- UgionSunterrichtS enger oder weiter fassen soll, dann wäre doch ״kein religiöser Dffferenzpunkt" vorhanden und es wäre durchaus unbegreiflich, was die Urheber der Versammlung veranlaßt haben könnte, in gesperrter Schrift als magna earta derselben Len Ausschluß von religiösen Disserenzpunkten zu proklamiren. Wen glaubt

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