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Jeschurun · 1885-06-11 · Heft 24 (11.6.1885) · p. 383

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 24 (11.6.1885)
Article
Amerika : New York [Nachricht]
Date
1885-06-11
Page
383 (sequence 2)
Language
German
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388 dem Ableben ihres Geistlichen, Herrn Dr. H übsch, den Rabbiner Herrn Dr. Kohut aus Großwardein in Ungarn engagirt. Wie sie gerade auf diesen verfiel, weiß ich nicht. Monatelang wurde in den jüdischen Zeitschriften der Ruhm des neuen Reverend verkündet; man stellte ihn als den bedeutendsten oder einen der bedeutendsten der europäischen Rabbiner dem leichtgläubigen amerikanischen Publikum vor. Verwundert fragten sich viele mit den europäischen Verhältnissen Vertraute einander: ״Hast Du schon jemals etwas von diesem angeblich so bedeutenden Rabbi gehört?" Die Antwort war immer eine verneinende. Auch ich muß gestehen, daß mir von diesem Manne nicht einmal der Name bekannt war, obgleich ich aus Oesterreich stamme und mit der Heimath in ziemlich lebhaftem Verkehr stehe. Nun ist dieser Herr endlich angelangt und hat sich Amerika vorgcstellt. Ich habe der ersten Rede nicht angcwohnt. Die Neugierde führte mich aber zur zweiten Predigt und was ich hier hörte, ist eitel Humbug. Ich will nicht auf den flachen Inhalt derselben eingehen. Es werden ja viele Plattitüden von der Kanzel herab gewagt. Aber eines möchte ich doch erwähnen, weil man sich bemüht, den neuen Rabbi als gesinnungSstark, konsequent und von einer profucnden Gelehrsamkeit erfüllt, als eine Autorität ersten Ranges noch immer auSzurufcn. Dr. Kohut legte das Geständniß ab, daß er der Sühne bedürftig sei, daß ihm ein Sünderbild umschwebe, nämlich der Zwiespalt zwischen seiner konservativen Gesinnung und der Reform. Diese konservative Anschauung stelle sich als Scheidewand zwischen ihm und dem Altäre, an dem er zu opfern habe, d. i. die Kanzel, von welcher er predigte. Er suchte acht Tage lang nach einen Ausgleich und Heureka! er hat ihn gefunden. Worin? Es ist das Ei des Kolumbus. Er hat den schlauen Ausweg entdeckt, seinen Konservatismus zu Hause zu lassen und im Tempel die Reform zu vertreten, wie es seine liebe Gemeinde will! Und für solche Erbärmlichkeit hat man in vielen Kreisen gar keine Empfindung und findet diesen ״Ausspruch" sehr verständig und fromm. Der enragirtcste Reform- Held der Ahawath-Chescd-Gemcinde selbst hätte sich mit Verachtung von einer Gesinnung abwenden müssen, welche in dieser Weise sonder Scheu und Scham den Träger prostituirt; er hätte ausstehen müssen und dem Reverend zurusen: wir danken für deine Vertretung, wir sind im Sinne des alten Judenthums arge Sünder; aber die Sünde der Heuchelei wollen wir bei uns nicht glorisiziren! — Aber so sprach Niemand und die gedanken losen Zeitungen fahren fort, Herrn Dr. Kohut als eine Säule dcS Judenthums zu verherrlichen. O der Schande!__׳ Eine streng religiöse und verschämte Familie in einer kleinen jüdischen Gemeinde ist durch verschiedene unverschuldete NnglückSfälle und harte Schicksalsschläge in die tiefste Ar.muth gcrathen. Jahrelang hat dieselbe, im Vertrauen auf השם יתברך mit der größten Geduld ertragen und keinem Menschen ihre Noth geklagt. Seit zwei Jahren kränkelt auch die Frau, und ist es dem Familienvater nicht mehr möglich, diese und seine acht, größtentheils noch kleinen Kinder zu ernähren. Theure Glaubensgenossen! רחמנים בני רחמנים, ich bitte Euch recht herzlich und dringend, diesen traurigen Fall beherzigen und Eure Opferwilligkeit auss Neue bethätigen zu wollen, um die Noth der unglücklichen Familie in etwas zu lindern. Herzlichen Dank den edlen Spendern schon im Voraus. Der Unterzeichnete, so wie die Expedition dieser Blätter sind gern bereit, Spenden in Empfang zu nehmen, weiter zu befördern und darüber öffentlich zu quitiren M. Rosenwal-, emer. Lehrer in Iserlohn. Druckfchlerberitli tigttttg in Nr. 22. In Hi ״Scheidtgruß an die Hannoverschen Brüder" S. 350 7. Z. von unten lies ״letze" statt ״lechze". Inserate werden die 3spaltige Petitzeile oder deren Raum mit 25 Psg. berechnet. Für den Inhalt derselben übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung. Insertion«, und Abonnements.Annahme für Frankfurt a. M. auch bei Herrn I. Kausfmann daselbst, ohne Preiserhöhung Gemeinden welche einen Elementarlehrer oder Neligionslehrer zu engagiren wünschen, sind ersucht, sich an den Unterzeichneten zu wenden. Köln. Rabbiner Dr. Plato. Seminardirektor. Israelitische Pension Edelweiss. St. Moritz-Bad (Engadin). Herrliche Lage. Streng rituelle Küche. Beste Referenzen. 15». Juni. Zeitige Anmeldungen erwünscht. Eröffnung כשר WM nöliiöUöI l), UUü כשר Komfortable Einrichtung. 40 Zimmer. Aussicht auf das Meer. Feinste Weine und streng rituelle Küche. Außer der Hoch.Saison Preisermäßigung.

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