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Jeschurun · 1885-06-11 · Heft 24 (11.6.1885) · p. 380

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 24 (11.6.1885)
Article
Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
Date
1885-06-11
Page
380 (sequence 2)
Language
German
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380 betrifft, daß der Vorsitzende ihn angeschrieen, so könnten,! auch wenn derselbe wirklich mir erhobener Stimme zu j ihm gesprochen haben sollte, noch nicht die in den: : Briese gezogene Schlüsse daraus gefolgert werden. ־ Der Gerichtshof habe jedoch die von dem Richter erster! Instanz angeführten Erschwerungsmomente nicht akreptiren können. Der Richter nahm die vorhergcgangenen zwei Abstrafungen als erschwerend an. Welcher Art waren aber diese beiden Abstrafungen? Es waren Geldbußen wegen Uebertretungen gegen das Preßgesetz. Auch faßte der Richter als erschwerend auf, daß die Ehrenbeleidigung gegen einen Richter begangen wurde. Das war ja eben der Grund der Anklage, es kann also nicht nochmals als erschwerend betrachtet werden. Ferner mußte der Appellsenat als mildernd den in der heutigen Verhandlung erst bekannt gewordenen Umstand anschen, daß der Angeklagte ein krankes Weib und ein Kind erhält, insbesondere da er sich in sehr ungünstigen Erwerbsverhältnissen befindet (R.Fr.Pr.) I*. Wien, 9. 3uni. Die hiesigen Wahlen zum Reichsrath nehmen die Gemnther durchaus gefangen; man spricht von nichts Anderem. Beachtenswert!) sind die folgenden Bemerkungen zweier angesehenen Preßorgane des Auslandes über dieselben. Das Pariser ״Journal des Debats" schreibt: ״Wie unwahrscheinlich die Sache auch sei, so muß doch fouftatirt werden, daß in Wien, dieser intelligenten, künstlerischen und heiteren Stadt, eine Antisemitenpartei existirt und daß diese Partei stark genug ist, den Liberalen den Sitz in der Leopoldstadt zu bestreiten und in Mariahilf einen Sieg zu erringen. Es handelte sich nicht allein um Wahlgezänke, es wurden auch Hiebe ansgetheilt und die Läden geschlossen. Wir haben in unserem republikanischen Frankreich genug Ursachen zu Unordnung, aber wenigstens keine so dumme wie diese da." Die Berliner ״Reue Preußische Kreuz-Zeitung" schließ ihre Betrachtung über die Wiener Wahlen mit den Worten: ״Ich detrachte den gestrigen (Wahl-)Tag alö einen wichtigen für die Emanzipation des christlichen Volkes aus der judcntibcralen Herrschaft." Sollte man in der That nicht meinen, es handle sich bei den Welthändeln nur um das Häuflein Juden? *jj* Pc st, 2. Juni Die Antisemitenpartei erlebt immer schlimmere Tage. Der Klub der Antisemiten scheint in die Brüche gehen zu wollen; nur sieben Abgeordnete sind ihm noch treu. — Für das Ober- Hans werden zwei Inden präsemirt werden. .1\ R?akm;, 6. Juni. 3m Prozesse Ritter hat der Untersuchungsrichter die Akten bereits dem Staatsanwalte znr Abfassiutg einer neuen Anklage übergeben. .1. Tesche«, (Oesterreich Schlesien) 5. Juni. Daß die jndenfeindliche Strömung in dem gerechten und weisen Geist unserer Regierung einen festen Damm findet, den sic vergebens zu durchbrechen sich bemüht, das bezeugt wiederum ein Vorfall in unserer Haupt- [iabt 'Truppau. Der ZeitnngSvcrschleiß des Eugen Bube nick daselbst hatte sich eine ziemliche Anzahl ausreizender Pamphlete kommen lassen, um solche unter das Publikum zu zerstreuen. Die Polizeibehörde erhielt hiervor! Keuntniß und beeilte sich, diese antisemitische Kontrebandc mit Beschlag zu belege!! und wegen Versuchs der Aufreizung und Friedensstörung das strafrechtliche Verfahren vorzubereiten. R u m ä n i c u. ...z. Bukarest, 6. Juni. Jeder Tag bringt neues Leid für die ״Fremden", d. h. aus rumänisch für die Inden. Auf bem flachen Lande treibt die Willkür noch zügelloser ihr unheimliches Wesen als in den Städten. Jüdische Handwerker und Waarenhändler, welche im Lande geboren sind wie ihre Ellern, werden ans den ihnen eigenthümlichen Häusern einfach hinausgeworfen, und das fahrende Gut folgt ihnen nach, weil sie ״Fremde" sind und kein Recht zum Wohnen haben. Die Aermsten raffen von ihrem Vermögen zusammen, was sie in den! Augenblick zu erfassen vermögen; das Uebrige wird als herrenloses Gut dehandelt. — Man hat auch hin und wieder eine alte frühere Gepflogenheit eingesnhrt. An großen Stationen anlangende Juden führt man nämlich auf das Polizeibüreau und entsendet sie alsdann wieder zur Hcimath zurück. Es trifft dieses geachtete, unbescholtene Männer. England. §§ Toudou, 7. Juni. Es hat sich jetzt ein Komitee gebildet, um den armen jüdischen Flüchtlingen wirksarnere Hülse zu bereiten. Man will eine Koscher- Speiscanstalt ins Leben rufen, in welcher für 2 Pence reichliche Mahlzeiten ausgegeben werden. Gänzlich Mittellose sollen zwei Mal täglich unentgeltlich daselbst gespeist werden. Ferner will man eine Herberge für Arme und gänzlich Mittellose einrichten, in welcher für größte Sauberkeit und Bäder in erster Linie gesorgt ist. Damit soll ein Lesesaal verbunden werden, welcher zum allgemeinen Aufenthalt an den Abenden, den Sabbath- und Festtagen dient. Die Fremden sollen in dieser Anstatt nur für eine begrenzte Zeit Ausnahme finden, während welcher sie selbst und das Komitee sich bemüht, ihnen eine geeignete Erwerbsgelegenheit zu verschaffen. Wir wünschen diesem ebenso frommen wie verständigen Vorhaben den besten Erfolg —אשרי, י משפיל אל דל! H Lsudsu, Juni. In dm Kreisen der hier ansässigen deutschen Inden wird daS Gebühren der Antisernitcn in Deutschland und Oesterreich mit vieler Theilnahme beachtet und mau :heilt iur vollsten Um-

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