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Jeschurun · 1885-06-04 · Heft 23 (4.6.1885) · p. 366

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 23 (4.6.1885)
Article
Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
Date
1885-06-04
Page
366 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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ist klar. Unter solchen Umständen ist an eine Rekonstruktion der r ei chS täglichen Antisemitcnpartc! allerdings nicht zu denken. Italien. * Nach einer eben veröffentlichten Zusammenstellung der Direktion dcS statistischen Zcntralburcaus in Rom belief sich nach der Zählung vom!.Januar 1882 die Zahl der Inden in Italien auf 30 298 bei einer gcsammtcn Einwohnerzahl von 28409028. Am nieisten Juden zählt Piemont 7543, ToSkana 730(1, Provinz Nom 0210, die Emilia 5094, Vcucticn 4098, Lombardei 2819. die Marken 2205, Ligurien 503, Eampanien 300, Umbrien 103, Apulien 9. Die Abruzzen, Aasilicota, Ealabrien. Sizilien und Sardinien haben keine jüdische Bewohner. Oie großen Städte der Halbinsel besitzen fast alle eine jüdische Gemeinde. Die jüdische Gemeinde zu Nom zählt 0200 Mitglieder. H o l l a n d. ש Amsterdam, 20. Mai. Der Jahresbericht dcS ״WeldadighcidSsondS" pro 1884/85 (Ehrenpräsident Herr Obcrrabbincr Di׳. Dünner) weist wiederum die schönsten Erfolge auf. Kasse A. (Unterstütznngssond) hatte eine Einnahme von fl. 12443.57; unterstützt wurden 490 Personen mit fl. 10189.95 mit Beträgen von fl. 2.50 bis fl. 186.10. Obwohl diese Unterstützungen ohne die Bedingung der Nückerftattnng gewährt werden, wurde doch von Empfängern die ansehnliche Summe von fl. 7203 80, also stark 70 Prozent, wieder zurückbczahlt. Ehre den braven Armen!. — DaS Kapital der Kasse B. (Lcihfond) beträgt fl. 10419.20, die Summe der znrückgezahltcn Vorschüsse fl.!4332, an 244 Personen wurden Vorschüsse von fl. 15 — 300 im Gcsaulmtbctrage von fl. 14755 verliehen. — Der Esfeltenbestand beträgt fl. 10700. — Für das großartige Wirken dieser Institution sprechen die vorstehenden Zahlen wohl beredt genug; waS ihr aber in der stattlichen Reihe unserer WohlthärigkcitS Anstalten einen Ehrenplatz sichert, "ist die Art und Weise, wie sic ihre Aufgabe löst. Die Thäligkeit dcS ,,WcldadighcidSfondS" ist der praktische Kommentar zu dem משכיל אל דל, und darum ist ihm auch stetes ״Forlschreiten" אשדי auf der Bahn seiner Bestrebungen gewiß. ש Amsterdam, 28. Mai. In der kürzlich vcrsteigerten Bibliothek FerareS — weiland Chacham der portugiesischen Gemeinde im Haag — befand sich auch ein Exemplar dcS aus den Fälschungen BrimanuS- Rohling bekannten ס׳ הליקוטץ; dasselbe ist, wie der ״Israelitische Nienwsbode" schreibt, in den Besitz des Berliner Antiquars Venzian übcrgegangen. Professor Delitzsch hatte sich für seine Widerlegung Rohlings nur mit großer Mühe ein Exemplar verschaffen können. d Rotterdam, 31. Mai. Das 100jährige Bestehen unserer Haupt-Synagoge wurde gestern durch Festpredigt und Chorgcsang gefeiert. — Sir Moses Moutcfiore har der hiesigen ״Montefiore-Stiftung Hachnoßath Orchim" eine Spende von sechzig Gulden zukommen lassen. Rußland. III Warschau, 27. Mai. Die Stadt Lubranice, im Kreise Wloclawek, ist nicdergebraunt. Nur die katholische Kirche und die Synagoge sind erhalten geblieben. w. Kiew, 25. Mai. Die hiesigen Juden, welche nicht im Besitz von besonderen Erlaubnißscheineu sich befinden, sind von der Polizeibehörde ansgcfordert worden, entweder sich durch gehörige LegitimatiouSpapiere auszuweisen oder die Stadt zu verlassen. Frist ist ihnen bis Mitte Juli dafür gesetzt. Rumänien. .. z. Bukarest, 29. Mai. Wie man unter dem Aushängeschild eines guten Zweckes dessen Gegeutheil zu fördern vcrniag, ist ein oft versuchtes und gelungenes Kunststück. Es ist jetzt ein neues Schulgesetz, erlassen worden, welches gewiß auf jeden Nichteingeweihten den Eindruck macht, als ob solches lediglich der Fürsorge für einen gedeihlichen Unterricht sein Entstehen verdankt . und einen solchen auch wirklich erstrebt. Es spricht sich darin anscheinend das Interesse aus, welches der Staat, au der moralischen, geistigen und körperlichen Erziehung der Juden nimmt. Lehrer, Schullokal und Lehrplan unterliegen der strengsten Kontrolle der Behörden. WaS ist aber der nächste unanSgesprochene aber deutlich gewollte Zweck? Die Schließung der meisten jüdischen Volksschulen, deren Existenz der bekannten wohlwollenden und gerechten Gesinuung der Bcarnten von jetzt ab preiögcgeben ist. Wie leicht wird ein strenger und pflichteifriger Beamter hcranSsindcn können, daß der jüdische VolkSschullehrcr nicht die genügende Kcnntniß besitzt, daß das Schullokal den hygienischen Anforderungen nicht genügt u. dgl. 111. Die jüdischen Schüler in den allgemeinen Unterrichtsanstaltcn werden aber natürlich außerordentlich liebevoll behandelt. Hier wird mit großer Umsicht für ihre Bildung und Erziehung gesorgt. Eine interessante Illustration dafür bietet cine dieser Tage in die Oefsent׳ lichkcit gedrungene Schilderung der Schulzustände in Plojcsti. Am dortigen Gymnasium verleben die jüdischen Schüler cine höchst angenehme Schulzeit. Ihre Kameraden verhöhnen und mißhandeln sie auf Schritt und Tritt. ES ist daselbst eine sehr angemessene und

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