Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1885)
- Article
- Deutschland : Berlin [Nachricht]
- Date
- 1885-06-04
- Page
- 363 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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363 1) Ein Buch: ״Die hundert Gesetze des Judcn-KatcchiSmuS von Dr. Jakob Ecker" habe ich auch nicht heraus׳- gegeben. 2) Von der Existenz eines solchen Buches hatte ich bis zum 15. Mai d. I., als ich, von einer Reise zurückgekchrt, die betreffende Nummer der ״Jüdischcn Presse" vorfand, gar keine Ahnung, weshalb mir auch früher die jüdische Neuigkeit, ich sei wegen dcS Buches in Disziplinaruntersuchung gezogen, absolut unverständlich blieb. Wenn es wahr ist, wie Herr Di׳. Hirsch Hildesheimer der Redaktion der ״Germania" schreibt, daß ״daS Büchlein bereits vor einem Jahre erschienen und in Tausenden von Exemplaren im Münsterlande verbreitet worden", so zeigt das wieder so recht drastisch, wie wenig ich mich um antiseniitischc TageSschriftcn kümmere. 3) Heute, den 28. Mai 1885, hatte ich zum ersten Male das große Glück, die angcblich von mir hcrrührcnde ..grauenhaft perfide Leistung" mit eigenen Augen zu sehen. Sie besteht in einem Heftchen von zehn Blättern mit dem Titel: ״Die hundert Gesetze des Judenkatechismus von Dr. Jakob Ecker. Verlag des Neformvcrcins zu Steele. Druck von B. Berthold Steele." Ob es nicht noch einen anderen ״Dr. Jakob Ecker" giebt, muß sich herausstellen; sollte mit meinem Namen Mißbrauch getrieben sein, so werde ich ״!nein neuestes Werk" so bald als möglich aus der Welt schassen." — — Der Kultusminister hat angcordnct, daß Erhebungen darüber angestellt werden, in welchem Maße in den öffentlichen Schulen für die religiösen, bezw. konfessionellen Minoritäten der Religionsunterricht crtheilt wird, oder auch in Zukunft wird crtheilt werden können. Zu diesem Zweck ist (nach der ״Germania") den Lehrern an den eiuklassigen Schulen und den Hauptlehrern und Rektoren an den mehrklassigcn aufgcgebcn worden, daß dieselben sofort die an sie in dieser Beziehung gestellten Anfragen beantworten. Nächst der Bezeichnung des Ortes, wo sich die betreffende Schule befindet, soll der konstssionelle Karaktcr derselben, die Zahl der Lehrer und ihre Konfession, die Zahl der Schulkinder und ihre Konfession, angegeben, so wie Auskunft crtheilt werden, in welcher Weise für den Religionsunterricht der Minoritäten gesorgt ist; in letzterer Bcziehuug soll angegeben werden, ob der Unterricht von Lehrern der Schule selber oder von anderen Personen, und in wie viel Stunden wöchentlich crtheilt wird, so wie, ob Kinder verschiedener Klassen oder Schulen eines OrteS oder mehrerer Ortschaften in einer Abthcilung vereint werden. Ferner soll darauf geachtet werden, ob in einer konfessionellen Schule die Kinder, welche nicht der Konfession der Schule angchören, nicht vielleicht die Majorität bilden. Schließlich soll gesagt werden, welche Remunerationen für die besondere Erthcilung des Religionsunterrichts bezahlt und aus welchem Fonds dieselben entnommen werden. D. Köln, 29. Mai. Herr Hofprcdiger Stöcker sprach am 26. Mai zweimal im hiesigen christlichen VolkSbildungSvercin. Es ist dies das erste Mal, daß Stöcker in der rheinischen Metropole auftritt und deshalb ist daS Urthcil, welches die ״Kölnische Zeitung" über ihn fällt, von Interesse. DaS Blatt nennt ihn den ״volksvergistcndcn Nassenhetzer", Stöcker sei rin sehr gewandter Volksrcdncr, der, wo die Gründe fehlen, daS rhetorisch-heuchlerische PathcS sehr geschickt anznwenden weiß. (Allerdings ein gewaltiges Lob) Inhallichen Werth hätten diese Neben, nach den hier gehörten zu urtheilen, ebensowenig wie seine sattsam bekannten ParlamentSrcdcn, denen wegen des kurzen Gedächtnisses des Herrn HofprcdigerS bedenklich oft die objektive Wahrheit fehlte. (!!) Die ״Köln. Ztg." schreibt wörtlich: ״Wir können aber selbst nach Anhörung seiner hiesigen Leistungen nur bedauern, daß der Verein für christliche Volksbildung in Rheinland und Westsaleu seine Aufgabe mit derjenigen gleich erachtet, die sich Herr Stöcker gesetzt hat, den wir, mag er auch Hof- und Domprediger sein, worauf gepocht zu werden scheint, für einen Bolksvcrderber halten, der in den Versammlungen wahrlich kein Christenthum predigt." Das schreibt ein Blatt, das in letzterer Zeit eine ziemliche Schwenkung nach rechts zu machen scheint. — Herr Stöcker, Herr Stöcker, die ungarische Antisemiten- Sippe will Nachfolger haben. Aus dem LLmeburgischen, I.Juni. Auf der im vorigen Jahre zu Hannover stattgefundenen Versammlung der israelitischen Lehrer hiesiger Provinz wurde beschlossen, in diesem Sommer zu Hameln wieder zusammen zu kommen. Zum allgemeinen Erstaunen und Bedauern ist aber diese Konferenz abgesagt worden. Wahrlich, es ist nicht wohlgethan, das immerhin noch der Festigung bedürfende Band, welches die Lehrer zu einem einheitlichen Körper verknüpfen soll, zu lockern, und der Ausfall einer festgesetzten Jahresversammlung trägt gewiß nicht dazu bei, den Lehrcrverband zu stärken. Der Lehrer empfindet das Bedürfniß, mit seinen Berufsgcnossen mindestens alljährlich einmal von Mund zu Mund zu sprechen. Aus dcu! gegcuscitigen Austausch der Ansichten und Erfahrungen nimmt ein Jeder neue Anregung und belebende Erhebung für seinen Beruf mit heim. Und gerade die vergangene Konferenz hatte Saiten angeschlagen, welche in jedem Lehrerherzcn noch lange nachklangen. DaS begonnene Werk weiter fortznführen, die gegebenen Anregungen zur That reifen zu lassen in dem gemeinsamen Verkehr, das wäre gerade in diesem Jahre höchst nothwendig gewesen. Der Wunsch ist gewiß nicht unberechtigt und wird bestimmt vielfach getheilt, daß die projektirte Versammlung in diesem Jahre nicht in Wegfall ko!nme, sondern daß sich im Laufe des Sommers doch Gelegenheit finden lasten möge, an einem geeigneten Or!e sich zu treffen.