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Jeschurun · 1885-05-28 · Heft 22 (28.5.1885) · p. 351

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 22 (28.5.1885)
Article
Scheidegruß an unsere Hannoverschen Brüder
Date
1885-05-28
Page
351 (sequence 2)
Language
German
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351 die weite Welt hinaus! — Ihr fragt wohin? Ja, wohin uns unsere Fuße tragen! Ewiges Wandern ist unser Loos, unstät und flüchtig sind wir, bis sich Gott unserer erbarmt und uns zu sich ruft in sein Eden. -Trockne die Thräne, Weib! Es muß sein! Unsere Voreltern sind gehetzt und gejagt worden, wir sind die Erben ihres Geschickes.-Laßt uns beten: Schaue Du, o Gott, unser Elend, den Gram unseres Herzens, unsere Angst und unsere Sorge! — Schütze uns vor Verzweiflung! — Führe uns gnädig und erbarme Dich über uns! — Lasse uns endlich finden die Ruhe und den Frieden.-Segne unsere Brüder in der Stadt, der wir den Nucken kehren. Vergilt ihnen, was sie Gutes an uns geübt. — Segne und behüte sie. — Segne und behüte auch die Stadt, ihre Obrigkeit und ihre Bürger, die uns Schutz gewährten bis zn dieser Stunde! — — Weint nicht, Weib und Kinder! Gott verläßt uns nicht. — Sein Auge wacht, Sein Ohr vernimmt den Seufzer der Unglücklichen und Elenden. — הנה לא ינוס ולא יישן שומר ישראל. Ein Ausgewiesener. Warschau. Das Judenthnm der Vergangenheit. Von Fabius Mieses (Leipzig), aus der Zeitschrift ״Auf der Höhe" Nr. 16,!685. Der Herr Verfasser Leitet diese kleine Abhandlung ein mit der. nicht sehr glücklichen Gegenüberstellung des Heine'schen: ״Was ist Judenthum?" ״Es ist ein Unglück", zu seinem Satze: ״Das Judenthnm hat das Unglück" weder von Freund noch Feind, weder von Heiden noch Christen u. s. w. gekannt, erkannt und gewürdigt zu werden. Seine Arbeit könnte als eine Bestätigung dieses Satzes dienen. Wir ziehen eS aber vor, aus derselben zu konstatircn, daß der Herr Verfass er das Unglück hat, das Judenthum nicht zu begreifen, weil es nach unserer Meinung für das Judenthum ein weit geringeres Unglück ist, von Herrn Mieses nicht verstanden zu werden, als für ihn, über einen Gegenstand zu schreiben, desien Wesen zu erfassen ihn: ebenfalls nicht gelingen wollte. Wohl hat er Recht, wenn er es beklagt, daß rnan als Judenthnm die verschiedenartigsten philosophischen Systeme auszngcben, oder diese in die Form des JudenthumS hineinzuzwängen sich bemühte. Aber er macht es nicht anders. Auch er giebt sich nicht die Mühe, das Judenthnm ans sich selbst heraus zu verstehen, sondern er bringt gleichfalls ein fertiges System mit, das nun auf jeden Fall als Judenthum gelten muß. Die Erkenntnißquellen dcS Judenthums sind Bibel und Talmud. WaS lehrt Bibel und Talmud, waö offenbaren sie über das Wesen des JudenthumS, wie wollen sie aufgefaßt werden? das hätte man sich klar zn machen. Bibel und Talmud sind aber keineswegs gewillt, die Berichte der Bibel als urgeschichtliche Sagen in naiver Darstellung behandelt zu wissen und sind gewiß nicht mit der Behauptung des Herrn Verfassers einverstanden, daß das Bewußtsein von der Einheit Gottes sich erst in der babylonischen Zeit zu seiner Reinheit entwickelte und ausbildete und ״nicht das Primäre, sondern das Sekundäre der Einhcitsidee des JudenthumS überhaupt sei." Wir glauben, daß jede Zeile der Bibel von Anfang bis zum Ende dieser durch nichts unterstützten Hypothese widerspricht. Doch nein, Herr MieseS will diese Behauptung allerdings uachgewiesen haben, allerdings auf etwas sehr eigcnthümliche Art. Er schreibt: ״Karakteristisch ist die Erzählung des MoseS (2. Buch Moses, Kap. 34*, V. 16), der von Gott verlangte, ihn dessen Wege wissen zu lassen, bamit er darnach das Volk Israel führe, und dieses mit den Worten motivirt: ״Wenn Du (einziger Gott) mit uns gehst, werden wir, ich und Dein Volk, unterschieden (= ausgezeichnet) werden von allem Volk, das aus dem Erdboden ist." — Also wurde die Nothwendigkeit der Einheit Gottes als Postulat der Einheit des Volkes und des Staates hier aufgestellt. Es wäre kraß, aber wahr, die Behauptung nämlich, daß die göttliche Einheitsidee mehr eine Akkomodation an die einheitliche Staatsidee des Mosaismus war." Das nennt man aber doch nicht ein objektives Erfassen dcS zu behandelnden Gegenstandes, und eö bedarf kaum mehr als eines flüchtigen Einblicks in die Quelle, um das Gewaltsame und durchaus Unmotivirte der Mieses'schen Behauptung zu erkennen. Die Stelle besagt im Zusammenhange das Folgende: Wenn in dem Geschicke Israels nicht die unmittelbare Gotteölcnkung hervortreten sollte, wodurch würde denn sonst die Göttlichkeit der besonderen Aufgabe Israels inmitten der Welt zur Erkenntniß gelangen. Gott hatte Israel zum Träger seiner Lehre im Kreise der Menschheit bestellt, und nur in dem Geschicke dieses Trägers sich offenbarende unmittelbare göttliche Wattung bekräftige die ebenso unmittelbare Göttlichkeit der Lehre. ״Wodurch sonst wird denn erkannt werden, daß ich in Deinen Augen GewähruugS- Würdigkeit erlangt habe, ich und Dein Volk, ist cs nicht indem Du mit uns wandelst? Daun würden wir, ich und Dein Volk, wunderbar von jedem Volke ausgezeichnet sein, das auf der Oberfläche des Erdboocns ist," — lautet demgemäß der VerS 16 des 33. Kapitels. WaS der Herr Verfasser daraus herauslesen oder hineinlegen will, ist eitel Hirngespiunst. X. *) richtig 33.

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