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Jeschurun · 1885-05-28 · Heft 22 (28.5.1885) · p. 350

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 22 (28.5.1885)
Article
Amerika : New York [Nachricht]
Date
1885-05-28
Page
350 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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350 Unterricht in unseren beiden Schulen geschieht in englischer Sprache. In jedem Jahre veranstalten wir für die Kinder zwei Festlichkeiten, zu Ostern und Weihnachten." Soweit Jacob Freshman. Wahrlich, cs gehört ein eigenartiger Muth dazu, sich in solcher Weise vor aller Welt zu prostituiren, wie es dieser Missionär in dem ciiirten Thcile seines Berichtes thut. Kinder ihren Eltern abzulocken und zu verfuhren, gilt im Kreise anständiger Menschen zum Mindesten für ehrlos; sich seiner ehrlosen Mittel und ehrlosen Handluugcn öffentlich zu rühmen, ist Schamlosigkeit in der höchsten Potenz. Doch wir sind nicht überrascht, von dieser Sorte von Menschen ist nichts Anderes zu erwarten. Nur mögen unsere jüdischen Väter und Mütter vorsichtiger sein und nicht allein auf das Aushängcschild der Schule achten, der sie ihre Kinder anvertraucn. Marokko. * Nach den letzten Mittheilnngen, welche dem Zeniraltomitce der Alliance israclitc universelle auS Marokko zugegangen sind, hat sich die Lage der Israeliten zu Demnat bedeutend verbessert. Die Vertreter EnglandS, Frankreichs, Italiens und der Vereinigten Staaten haben sich für sie bei der Negierung verwendet. Sr. Maj. der Sultan ernannte eine UntersuchungS- Kommission, zwei oder drei marokkanische Israeliten gehörten dazu. Die Untersuchung bewies die Schwere der gegen den Kaid erhobenen Anklagen, doch ist die Anzahl Derjenigen, welche der schlechten Be- Handlung desselben erlagen, nicht so groß, als man es zuerst vermuthct; cs hat zwei Todte, nicht sechs, wie es der Märzbericht nach den ihm aus Fez zugckonrnrcnen Nachrichten erwähnte. Der Ursprung der Verfolgungen zu Demnat war die Weigerung einer Anzahl Israeliten dieser Stadt, gewisse Steuern zu zahlen, welche der Kaid ihnen ganz willkürlich aufcrlcgt hatte. Dieser Beanite wollte die Widersetzlichen ins Gcfaugniß stecken; dieselben flüchteten, wurden von den Soldaten verfolgt, mißhandelt und bei dieser Gelegenheit wären zwei Juden, ein Mann und eine Frau, getödtct worden. Die Bevölkerung benutzte den Vorgang, um den Mellah einzuäschern, die Häuser und Läden der Juden auszuplündcrn. Der Kaid hat den Dingen ihren Lauf gelassen, hat selbst mehrere israelitische Notablen ins Gefäugniß stecken lassen; ließ sic mit Stöcken schlagen und gewährte ihre Freilassung nur gegen große Summen Geldes. Die Vertreter Englands, Frankreichs und Italiens setzten es durch, daß den Familien der Geopferten und allen Mißhandelten oder Geschädigten Ersatz geleistet wurde; daß eine Kommission ernannt wurde, bestehend aus Israeliten zu Demnat, zum Zwecke der Verthcidigung der Rechte und des Besitzes ihrer Glaubensgenossen gegeuübcr dem Kaid. Diese Kommission befindet sich unter dem unmittelbaren Schutz Englands, Frankreichs und Italiens. Die Israeliten von Demnat, welche sich nach Tanger oder sonst wohin geflüchtet und es nicht wagten, nach ihrer Heimat znrückznkehren, können sich nun wieder bernhigt nach Hause begeben. Achkidtgruß au die üannoiifrfdini Müder. Gott segne Euch, ihr thcuern Brüder! Dieser aus dankerfüllter, grambcwegter Seele in bitterer Stunde gesprochene Wunsch möge in Erfüllung gehen an Euch und Euren Kindern! Gott schütze Euch, ihr thcuern Brüder, die Ihr uns brüderlich ausgenommen habt in Eure Mitte, die Ihr unseren Hunger gestillt, unsere Blöße bekleidet, uns gehegt und gepflegt habt, als wir elend und arm mit Weib imb Kind zn Euch aus der Ferne kamen. Wir haben vcrhältnißmüßig glückliche Jahre bei Euch verlebt und in allen trüben und bangen Augenblicken die gütige Hülse Eurer Bruderhand gefunden. Wir ntüssen von Euch scheiden. Man weist uns fort von hier — wir haben kein Recht zn klagen -- sind wir doch fremd im fremden Lande — sind wir doch arnl und gebeugt. Als Gnade haben wir zu preisen, daß wir so lange hier weilen durften. Das Land, das unsere und unserer Kinder Wiege trug, das die Gebeine unserer Ellern und Großeltern in seinem Schooße birgt, hatte uns nichts mehr zu bieten, als Schrecken und Elend. Unsere Hütten waren niedergebrannt, unser Habe geplündert — wir retteten das nackte Leben und irrten in die Fremde hinaus. Hier gönnte man uns Ruhe. Wir hatten geglaubt, ein dauerndes Heim gefunden zu haben — wir hatten uns geirrt — cS war nur eine kurze, wenige Jahre währende Rast — Dank für diese Rast.- Wir murren nicht.-Wohl jammern unsere Weiber und Thrämn ergießen sich über ihre bleichen Wangen — wohl bricht uns das Herz, wenn wir auf unsere Kleinen schauen, die zum Elend verurthcilt sind -wir murren nicht, wir weinen nicht. Der Quell unserer Zähren ist längst versiegt, seitdem wir das Elend gekostet in unserem Heimathlande.- Die Bündel geschnürt, den Stecken zur Hand! Was kauerst Du im Winkel, Weib? Nimm den Säugling von der Lagerstatt und lechze ihn noch einmal in der schönen Stadt, die ihn ins Leben treten sah! — Vcrgcßt nicht Eure Fibel und Schreibtafel, Jungen! — Wenn wir am Rain rasten, oder in der Herberge -weilen, könnt Ihr Eurer Wissenschaft pflegen! — WaS zauderst Du, Weib, was zögert Ihr, Kinder? ES nützt nichts, es muß sein! Fort von dieser Stätte, in

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