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Jeschurun · 1885-05-28 · Heft 22 (28.5.1885) · p. 349

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 22 (28.5.1885)
Article
Amerika : New York [Nachricht]
Date
1885-05-28
Page
349 (sequence 2)
Language
German
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349 verschließt sein Ohr auch der lautesten Rede. Ucbcr die Wege, die der sogenannte amerikanische Radikal iS- 111111? wandelt, kann nur Der sich noch täuschen, welcher nicht sehen und hören will. Das Höchste, was die mncrikanische Reform erreicht hat. ist die Gründung! der Naöbincrschutc in Cincinnati. Deren Rektor vcrkündet aber unausgesetzt die Abrogation ewiger Gesetze der Thora. ״Geht zu den Hottcntotcu mit eurem Trefa und Koscher", ״laßt uns in Ruhe mit eurer Koscher׳- und Trefe-Wissenschaft", also lauten die ständigen Apostrophirungen dieses Leiters der amerikanischen Nabbinerschnle. Und dabei hat er den Muth, vcrwundert zu fragen, waS ist denn dabei einzuwenden? Wir sagen n.nscren Schülern: nach dem rabbinischen Standpunkt ist die Meinung über die Speisegesetze so und so, nach dem anderen Standpunkt so und so; nach dieser Ansicht ist dieses Buch der Bibel zu einer bestimmten Zeit, von einem bestimmten Mann, nach jener zu einer anderen und von einem Andern n. s. w. 11. s. w. Die sanitären Vorschriften des MoscS sind gewiß sehr vortrefflich, aber wir wollen beweisen, daß Moses gar nicht Alles verboten hat, was die Talmndistcn in sein Verbot hincingetcgt haben. Man wird mit solchen Anschauungen kein rabbinischer Jude, sehr wohl, das soll auch gar nicht bestritten werden u. dcrgl. m. Und dem gegenüber sollten uns nicht die Augen aufgehen und wir erkennen, daß wir den ganzen Schwindel der Reform von uns zu weisen hätten, um ganze, ächte Juden zu sein und unsere Kinder zu solchen zu erziehen? Was soll dieses Liebäugeln und die Konfrakcrnität mit den Predigern der ganzen und halben Reform? Wollen wir Inden sein, so seien wir cs ganz, das sollten Diejenigen unsere Rcverends beherzigen, welche den extremen Standpunkt WiseS pcrhorreszircn. — Hier haben die Russen und Polen eine große Armenschule gegründet, in welcher jetzt etwa dreihundert Kinder in den nolhwcndigcn Neligionswisscnschaftcn und den allgemeinen Wissenszweigen unterrichtet werden. Das ist ein vernünftiges und gesundes Werk; nur fehlt cs leider an den nölhigcu Mitteln, cs zur ganzen Entsalmng zu bringen. Wenn der rechte Mann hier wäre, der es verstände, das Jndcnthnm in Wahrheit mit Ernst und Eifer und Vcrständuiß zu vertreten, so könnte noch Vieles geleistet werden. Aber wo ist ein solcher zu finden? M. Ncwyvrk, 14. Mai. In meiner jüngsten Korrespondenz (Nr. 17) habe ich Ihnen den Reverend Jacob Freshman in seiner vielseitigen Thätigkcit vorgeführt, ich muß mich leider noch einmal mit ihm beschäftigen, so sehr es auch schade um den Raum ist, den ich wiedcrnn! für diesen Scclcnfängcr von dem ״Jeschurun" in Anspruch nehmen muß. Jacob Freshman hat nämlich auch eine Schule eingerichtet, aber nicht unter der wahren Firma einer Missionsschule, sondern als ״Jacob Kresliman, son ot* 111« late Di*. Fivshman a Jewisli Kabbi.*• In seinem ״Thinl animal report for Üie year 1SR4״, den er als Schnorrbricf allen Äkissionsfrelindcnzuiendt't, äußer! er sich darüber folgendermaßen, wohigemcrkt er selbst: ״Unsere erste Sonntagsschule wurde in der Ostseite der City, in einem Zimmer über einer jüdischen Synagoge gehalten. Die ׳Schule wurde gut besucht, aber die Opposition von Seiten der Inden so groß, daß wir sie zu verlegen gezwungen waren. Wir bezogen eine kleine -Halle in der Nachbarschaft, aber die Juden legten uns alte möglichen Hindernisse in den Weg und wandten jedes Mittel an, um die Kinder vom Besuche zurückznhalten. Gegenwärtig haben wir die Kinder bei uns in unserem -Hause, einen Nachmittag in jeder Woche, nach der Schulzeit. Wir eröffnen die Schule mit Gebet, wir singen mit• den Kindern, wir wechseln mir den Uebungen wöchentlich; zuweilen wiederholen wir auch den Unterricht des letzten Sonntags. Erläuterungen werden gegeben den Zweifeln über Buße, Glaube, Gebet 11. s. w. Eines TageS sprach Mrs. Freshman zu den Kindern über das Beten und seng, ob sie beteten; sie antworteten: ״ja" und wiederholten die Gebete ans ihrem hebräischen Gebetbuche, ohne sie zu verstehen. Ans die Frage: ״Beantwartet Gott Eure Gebete?" erwiderten sie: ״nein", darauf erklärte ihnen Mrs. Freshman, daß, wenn ein Jude ein Gläubiger iu Jesu würde, Gott seine Gebete dann wohl beantworte. Sofort frug einer der Knaben, ob Gott ihm ein Velocipcd schenken würde, wenn er darum bitte. Jeden Sonntag Nachmittag haben wir iu unserem Missisnshause eine große Anzahl jüdischer Kinder, aber cs fehlt nnS sehr an Lehrern. Würden unter unseren christlichen Freunden nicht einige Damen und -Herren, die nicht an andere Sonntagsschuten gebunden sind, bereit sein, uns ihre -Hülfe zu leihen? Die Arbeit in dieser Sonnragsschulc ist von Hindernissen begleitet, doch beklagen wir uns nicht darüber; wir sind dankbar für vk Gelegenheit, die Saaten der Wahrheit in die jungen -Herzen säen zu können. DaS Werk ist hart, wir haben all' die Bornrtheile (!!!) der häuslichen Erziehung bei den Kindern zu bestreiten. Die größeren Kinder stellen manche eigenartige Fragen, um den Lehrer in Verlegenheit zu bringen, doch zeigen sie durch derartige Fragen, wie wenig sie ihre eigenen Schriften kennen. (?) Zuerst glaubten viele von den Kindern, daß es eine jüdische Schule sei und verließen uns. wenn sie m!S von Jesu sprechen hörten, doch andere kamen an ihre Stelle. Wir singen mit den Kindern und erzählen ihnen die wundervolle Geschichte der Liebe Jesu. Iu allen Fällen, die uns entmuthige» könnten, gedenken wir Seines Versprechens: ״Mein Wort wird nicht leer - :u mir zurückkehrcrr." Der

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