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Jeschurun · 1885-05-19 · Heft 21 (19.5.1885) · p. 335

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 21 (19.5.1885)
Article
Palästina [Nachricht]
Date
1885-05-19
Page
335 (sequence 2)
Language
German
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385 1 m Dicke. Zwei dieser Cysternen haben die in Palästina häufige rnnde flaschensörmige Gestalt; zwei andere sind schräg in den Felsen anSgehöhlt; der Eingang führt von der Seite her auf Fclsstnfen zu dem Boden hinab, so daß man von der Treppe aus ihr Wasser allmählich bis auf den Grund ausschöpfen konnte. Solche Cysternen giebt es auch bei Hebron und namentlich jenseits des Jordans, wo sie bisweilen so groß sind, daß die Thicre zur Tränke die Stufen herabgetrieben werden. Die fünfte Cysterne hat viereckige Form mit gleichgcformtem Mundloch, die sechste ist dreieckig und war früher überwölbt. Zwischen diesen im Halbkreise angeordnetcn Cysternen befinden sich mit Nischen ausgestattete ״Felsgemächcr" über einander. Die gewölbte Decke einer der unteren ist erhalten. Jedenfalls sind die Gemächer nicht Wohnräume, sondern Keller eines Hauses gewesen. Diese doppelte Unterkellerung ist in heißen Klimaten sehr praktisch, weil man dadurch in dem unteren Keller eine bedeutend niedrige Temperatur erzielt, als wenn man den gleichen Raum nur einfach kellerte. — In dem Fellachendorf Dschebata bei Nazareth sind Felsengräber aufgefunden worden. Asien. Afghanistan. Die Afghanen leiten ihre Abstammung von einem gewissen Ta lut ab, welcher ein israelitischer König gewesen sein soll. Aus der Aehnlichkeit der Legende, in welche die Geschichte dieses Talut gehüllt ist, mit der Geschichte des Königs (Saul, will man die Identität Tatuts und Sauls herlciten. Uebrigens sind die Afghanen sicherlich keine Juden, weil sonst nichts als diese vermeintliche Identität dafür sprechen möchte. Wohl aber leben in Afghanistan Juden, theilweise unter großem Drucke. In Kabul soll eine Gemeinde von etwa 200 Seelen vorhanden sein, deren Mitglieder in gutem Wohlstände sich befinden. Afrika. * In der Kapstadt wurde am 12. April der Grundstein zu einer neuen Synagoge gelegt. Die Zunahme der israelitischen Gemeinde hat ein größeres Lokal als das seither benutzte nothwcndig gemacht. An der Spitze der Gemeinde steht Rabbiner Orenstein. Die Stellung der Juden im Staate. Von Rabbiner Di׳. E. Pleßner. Berlin. M. Driesner. ״Vorliegende kleine Schrift soll jeden Freund der Wahrheit davon überzeugen, daß der Jude das große Wort: Mit Gott für König nnd Vaterland! zum Panier erhebt, und daß eben nur banale Phrase, von niedriger Gesinnung erzeugt, cö vermag, ihn auS der großen Volksfamilie, auS dem Staats- und Bürgerthum zu stoßen." Mit diesem Wort leitet der Herr Verfasser seine kleine Abhandlung ein, welche sich nicht die Aufgabe stellt, aus dem religiösen Schriftthum der Juden diesen Nachweis zu führen, sondern auS der thatjächliche Haltung, die die Juden, und zwar ganz speziell die Juden der Gegenwart, zum Staate einnehmen. So macht er u. A. darauf aufmerksam, daß die Juden gewiß den beiden Napoleons indirekt und direkt Vieles zu verdanken hatten, daß sie aber trotzdem sich als wackere und begeisterte Patrioten in den Freiheitskämpfen und dem neuesten deutsch-französischen Kriege gezeigt hätten. Ebenso hebt er mit Recht die Vaterlandsliebe der französischen Juden hervor. Er erinnert an Moses MendclSsohn's Bedeutung für die deutsche Sprache, welche schon Christian Garve und Immanuel Kant anerkannt und gewürdigt haben. Die kleine anspruchslose Schrift schließt mit dem Worte des Alterthumsforschers Ernst CurtiuS: ״Dogmatische Zänkereien wurden in Preußen bei tief religiöser Errcgung glücklich vergessen und engherzige Vorurtheile beseitigt; denn der schönste Segen der Tugend, welchen wir mit dem Namen der Gastfreiheit ehren, ist die geistige Freiheit, das weite Herz, der unbeschränkte Blick, die freudige Anerkeuuung jedes geistigen Fortschrittes ohne Ansehen der Person. So ist Preußen in Stand gesetzt worden, sich die Kräfte der begabtesten Nationen, die geistige Regsamkeit der Franzosen, sowie die reichen Gaben der jüdischen Bevölkerung anzueignen, ohne Gefahr zu laufen, seinen geschichtlichen Karakter einzubüßen oder sein deutsches Gepräge zu verwischen. Der Staat der Hohenzollern hat einem spröden PartikularismuS nie huldigen können." Möge dies Schriftchen dem vom Verfasser gehegten Wunsche in vollstem Maße entsprechen und dazu beitragen, dem häßlichen Antisemitismus das Feld streitig zu machen. X. DrnckfehlerberichLigung in Nr. 20♦ Seite 319. Statt ״Kowno" lies ״Nowno" (in Ha!״ hynien.)

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