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Jeschurun · 1885-05-19 · Heft 21 (19.5.1885) · p. 333

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 21 (19.5.1885)
Article
Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
Date
1885-05-19
Page
333 (sequence 2)
Language
German
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KonfiSzirung dieses geradezu zum Rasicnkampfe herausfordernden Aufrufs, vorgestern vor den Schranken dcS Gerichtshofs wegen der Anschuldigung des Vergehens gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung zu verant- Worten. Dr. Pattai erklärte als Zeuge, daß der Aufruf fälschlich seine Unterschrift trüge; er habe solche ausdrücklich verweigert. Vetter behauptet, den Artikel gar nicht gelesen zu haben. Der Staatsanwalt hielt die Anklage aufrecht, da die Aufreizung zu Feindseligkeilen in dem Aufrufe evident sei und auch der Augeklagte keinen Verbuch gemacht habe, den Inhalt des Wahlaufrufes zu rechtfertigen, was auch wohl der Vertheidiger nicht thnn werde. Daß aber der Beschuldigte den Inhalt des Aufrufes gekannt, gehe aus allen Umständen hervor und werde nicht durch die von ihm vorgeschützten Momente widerlegt. Es sei unmöglich, anzunehmen, daß er einen Wahlaufruf nicht gelesen haben solle, der in einem Komitee festgesetzt worden, dessen Mitglied er war, der ihn selbst betraf, der nur ganz kurz war, auf dem er nicht blos formell als Verleger erschien und den er selbst in die Druckerei beförderte. Der Gerichtshof verurthcilte Herrn Vetter zu einer Woche Arrest mit zweimaligem Fasten. -f- Wien, 12. Mai. In der famosen Affaire ״Rohling und Brimann" veröffentlicht die ״Bohemia" ein Schreiben des Professor Rohling, worin dieser die Behauptung Brrmann's, daß er mit Rohling die leichtesten Talmndstellen zu lesen und zu übersetzen angefangen, aber wegen Unfähigkeit des Schülers hat aufhörcn müssen, als unwahr erklärt, da Vrimanu ihm selbst seine Verwunderung über seine großen Kenntnisse ausgesprochen. Herr Professor Rohling muß wirklich sehr naiv sein, wenn er mit dieser Erklärung meint, Brimann's Behauptung Lügen zu strafen. — Brimann wird sich wohl seiner Zeit schon mindestens aus Anstands- und Klugheitsrücksichten gehütet haben, einem solch berühmten Manne Unwissenheit vorznwerfen. Jndeß, mag die Geschichte sein, wie sie will, an der ganzen Sachlage wird dadurch nichts geändert. — Interessant ist der zweite Theil der Nohling'schen Erklärung, woraus hervorgeht, daß er den ״Iudenspiegel" und ähnliche Schriften nur als Eselsbrücke — ähnlich wie Schüler die deutschcn Ucbersctzungen römischer und griechischer Klassiker — benutzt — natürlich muß er sich erst von der Wahrheit überzeugt haben. — Unverständlich ist uns dann der Schluß, wo Rohling auf einmal erklärt, ״wie früher, so auch weiterhin ohne Brimann das Judenthum schon nach der Wahrheit zu bekämpfen im Stande zu sein." — Wie verträgt sich diese Behauptung mit der kurz vorher gethanen Aeußcrnng, daß er der Schriften Justus und Konsorten dennoch bedürfe? t. Wien, 17. Mai. Am 14. d. M. fand die Jahresprüfung der Zöglinge im israelitischen Blinden- Institute auf der Hohen Warte statt. Nach einer von dem gewesenen Zöglinge S. Storch komponirten, sehr wirkungsvoll vorgctragcnen Introduktion prüfte der Direktor der Anstalt, Herr S. Heller, aus Religion, Rechnen, Naturkunde, deutscher Sprache, Geographie und Geschichte. Den Schluß bildeten Musik- und GcsangSvorträge. Die Zöglinge legten überraschende Proben ihrer Ausbildung ab. Unter den zahlreich versammelten Freunden und Freundinnen der Blindenbildung wohnten der Prüfung der Polizeipräsident Ritter Krticzka von Jaden und LandeS-Schulinspektor Adam bei, welche sowohl den ausgestellten Arbeiten als auch den geistigen Leistungen der Zöglinge reichen Beifall spendeten. *||* Pest, 17. Mai. In der Affaire Onody- Szeifsert, welche noch vom TiSza-CSztarer Prozesse herstammt, entschied die Kurie konform der königlichen Tafel, daß die Angelegenheit als bloßes Vergehen zu betrachten sei, daher vor das Bezirksgericht gehöre. — In der heutigen Reichstagösitzung erklärte der Minister- Präsident Tisza in Antwort aus eine Interpellation wegen der Einwanderung von Juden aus Rußland, von einer Masseneinwandcrung von Juden sei ihm nichts bekannt, es seien daher auch keine außerordent« lichcn Maßnahmen nöthig; er werde gegen diejenigen, die nach Ungarn kommen wollten, nur deshalb, weil dieselben einer gewissen Konfession oder Rasse angehörten, keinerlei Kordon ziehen lassen. M. Krakarr, 14. Mai. Auf Requisition des hiesigen Gerichts wurde, wie der ״CzaS" miltheilt, Rachel Stieglitz dieser Tage vom Breslauer Gerichte einveruommen, wo sie angeblich ausgesagt hat, daß Pater Eberhard ihr von der Taufe abgerathen und das elterliche Haus zu verlassen verboten habe, daß sie aber trotzdem die Eltern verlassen und dann in einigen galizischen Klöstern Unterkunft gefunden. Hierauf sei sic in Breslau in Dienst getreten; zu ihren Eltern wolle sie nicht znrückkehren, und sämmtliche im ״Czas" veröffentlichten Briefe habe sie wirklich geschrieben. Die Eltern der Rachel nehmen an, daß deren Aussage keine freiwillige war, und nachdem das Ansuchen der Mutter Rachel'S um eine Zusammenkunft mit ihrer Tochter bis nun erfolglos geblieben ist, begiebt sich dieselbe nach Wien, um in dieser Angelegenheit Audienz beim Kaiser zu nehmen. Holland. ש Amsterdam, 15. Mai. Die Herren Rabbiner Van Loen, I. Scqneira, I. Teixcira d'Andrade und A. van I. Palache haben sich zu einem Komitee konstituirt und erlassen einen Aufruf an die Mitglieder der. beiden hiesigen israelitischen Gerneinden, um dem jüngst ver-

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