Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 21 (19.5.1885)
- Article
- Hinter den Kulissen des Antisemitismus
- Date
- 1885-05-19
- Page
- 325 (sequence 2)
- Language
- German
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325> pflichte mich, zu sorgen, daß Sie ein guter Doetor Ueckieinae werden sollen, auch wenn Sie dieses Eine Semester verlieren. Ich bitte also, nicht abzureisen, sondern hier zu bleiben oder aber sich in Würzburg bloö einschreiben zu Lassen und dann gleich wieder hierherzukommen. Ihr treuer Freund! Unterzeichnet mit hebräischen Buchstaben: Noäa. (Der Bekannte Notus.)" Dieses Schreiben bedarf wol keines Kommemars. Wenn Professor Rohling den Beweis der Wahrheit für feine Behauptung, daß die von ihm gebrachten Zitate echt seien, für unmöglich hält, falls BrimannuS ihm nicht zur Seite steht, dann muß der Letztere wohl eine wichtige Person für die gelehrte Forschung Rohling'S sein, und die in dem Briefe des BrimannuS gemachten Mittheilungen gewinnen dadurch einen hohen Grad von Glaubwürdigkeit. In diesem Herrn BrimannuS dürfte überhaupt das Geheimnik der Talmud-Gelehrsamkeit, mit welcher die Mehrzahl der antisemitischen Schriftsteller prunkt, gelegen sein, und in dem Kreise derjenigen Gelehrten, welche die Wissenschaft um ihrer selbst und nicht um der Tendenz willen betreiben, ist dies auch nicht unbekannt. Dr. Elbogcn, der sich die Mühe gegeben hat, den Spuren dieser pseudowisseuschaftlichen Forschuugen, die er durch Zufall entdeckt hatte, weiter nachzugehen, hatte auch Gelegenheit, mit Professor Bikell in Insbruck über BrimannuS und dessen schriftstellerische Thätigkeit zu sprechen. Auch Professor Bikell zeigte sich darüber unterrichtet, daß ״Justus", der Vcrfasser des ״Judenspiegel", und BrimannuS identisch seiet!. Aber noch mehr. Im Laufe des Gesprächs nahm Professor Bikell aus seiner Bibliothek einen Band, den schon erwähnten ״Iudenspiel im Lichte' der Wahrheit" von Professor Ecker, aber auf dem Titelblatte war das Wort Ecker durchstrichcn und an dessen Stelle gesetzt: BrimannuS. Professor Bikell zeigte dieses Buch dem Dr. Elbogcn mit den Worten: ״Denken Sie, wenn die Juden wüßte», daß Ecker und Rohling kein Wort vom Talmud verstehen, wie wurden sie das für ihre Zwecke ausbeutcu!" Professor Bikell machte diese Aeußerung nicht blos vor Dr. Elbogen, sondern auch in Gegenwart einer zweiten Person, des Herrn Ernst Schinidt, und dieselbe ist daher leicht erwcisbar. Daß aber auch Professor Rohling von anderen antisemitischen Gelehrten weiß, wo Barte! den Most holt, auch darüber liegt ein interessantes Dokument vor. Außer den erwähnten Briefen befindet sich nämliich in Elbogenö Besitz das folgende von Rohling eigenhändig an BriniannuS gerichtete Schreiben: Korrespondenz-5^arte Poststempel Prag, 11. März 1884. ״Sr. Hochwohlgeboren Hr. Dr. Aug. Brimann, / Krcuzstraße 4 in Münster, Westfalen. Oarissime! Ich habe die beiden letzten werthen Schreiben erhalten, war aber Leider kürzlich recht leidend und kam daher nicht zum Schreiben. Da Sie, schon am 15. nach D. machen, was sehr gut ist, so׳ will ich dorthin ausführlich schreiben, sobald Sie an-- gelangt sein werden und Ihre Adresse in meinen Händen״ sein wird. Enthält Dr. E's ״Beleuchtung des Lpeeulum" ' auch die Stelle aus halguthim? (Es wäre das sehr , gut, natürlich, wenn er in sensu nostro spricht (was ׳ wohl der Fall sein wird). Sie haben wohl zu dieser ״Beleuchtung" mitgewirkt! Gut, recht gut. Näherespäter. Von R. erwarte ich noch täglich die betreffende Nachricht; ich glaube daran, daß sic in meinem Sinne׳ ausfallt. Herzlichen Gruß. Prag, 12. März. A. Rg." ״Es wäre das sehr gut, natürlich, wenn er in sensu nostro spricht!" Die Bemerkung sagt mehr׳ als Bände, die sich über dieses System, auf angeblich wissenschaftlicher Grundlage zu agitiren, schreiben ließen. Und wenn er nun nicht in 86! su nostro spräche-... Doch wir glauben, daß die hier mitgetheilten - Thatsachen und Beweisstücke, die sich noch vermehren: ließen, genügen, um ein Urtheil über die moderne, zuweilen mit gelehrten Namen geschmückte Talmud- Literatur zu gewinnen. Wenn die Masse, unzufrieden mit ihrer Lage, durch Erziehung, Tradition, ja — so traurig der Widerspruch ist, der im Worte selbst liegt — aus Religion zum Nasscuhasse geneigt und leicht׳ zu Aenßcrungen desselben zu entflammen ist, so ist dies zu beklagen, aber der Jrrthum mag es entschuldigen. Wenn aber Diejenigen, die ihr die geistige Nahrung spenden, mit solcher — wir wollen nur sagen — Leichtfertigkeit, unbekümmert um den unseligen Brand, den sie damit entzünden können, Vorgehen, dann ist kein Wort strenge genug, um solches Gebühren zu verurthcilcn. Vielleicht lernen wenigstens die annoch Unbefangenen ans diesen erbaulichen Thatsachen Vorsicht selbst bei Werken anwcndcn, welche mit gelehrten Namen geziert sind und nicht unbesehen auf die Worte׳ des Lehrers schwören. Was dabei an Respektvor der ־ gelehrten Autorität verloren geht, das werden die Menschlichkeit und die sittliche Freiheit gewinnen. Der Gsttesruf m Israel. Von Jedidjah. Auf, ans, mein Volk, aus deinem Sktaveuschsummer,׳ Horch! die Posaune ruft: erwacht, erwacht!. ׳ Streif ab die Fesseln finsterer Gewalten, Zur Freiheit tönt der GotteSruf mit Macht!: ׳