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Jeschurun · 1885-05-14 · Heft 20 (14.5.1885) · p. 317

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 20 (14.5.1885)
Article
Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
Date
1885-05-14
Page
317 (sequence 2)
Language
German
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317 erlitten und die Drohung der Gläubiger, sich an die Partei zu halten. Wien, 11. Mai. Gestern fand die Jahres- Prüfung der Zöglinge des Allgemeinen Ocstcrreichischcn Israelitischen Taubstummcn-Jnstitutes im Hause der Anstalt, Landstraße, NudolphSgassc Nr. 22, statt. Derselben wohnten an: Unterricht-minister Baron Conrad sammr Gemahlin, Landcs-Schulinspcktor Vinccnz Adam, Bezirks-Schuliuspektor Raimund Hosbauer, von den Vorstandsmitgliedern die Herren Hildburghäußcr und Max Schiss, ferner die Damen Baronin KönigSwarter, Edle v. Pfeiffer, Edle von HosmannSthal, Minna Gomperz und Annica Benvcnisti, der Instituts-Direktor kaiserlicher Rath Joel Deutsch, sowie ein zahlreiches Publikum. Daß die Anstalt, in welcher sich 91 Zoglinge (56 Kuabend und 35 Mädchen) befinden, wirklich eine ErziehungS- und Bildungsstätte für die Verwaisten der Natur bildet, davon konnte sich heute jeder Besucher der Prüfung überzeugen. Die Resultate derselben waren geradezu überraschende, und es war eine Freude, zu sehen, wie die Schüler und Schülerinnen alle an sie auS den verschiedenen Disziplinen der Volksschule gestellten Fragen mühsam zwar, aber doch mit großer Präzision und Deutlichkeit beantworteten. Die Jahrcsprüfung legte von der vorzüglichen Lehrmethode des Institutes neuerlich Zeugniß ab und bewies, daß der weitverbreitete Ruf, dessen sich dasselbe zu erfreuen hat, ein vollkommen begründeter ist. Zum Schlüsse Prüfung sprach Baron Conrad dem Instituts-Direktor, kaiserlichen Rathe Deutsch, sowie dem Lehrkörper, die besondere Anerkennung für die ausgezeichneten Unterrichtserfolge aus. M. Pest, 7. Mai. Es dürfte als eine erfreuliche Bekräftigung der Thatsachc, daß die ungarischen Juden sich der Industrie in hervorragender Weise widmen, die außerordentlich zahlreiche Vetheiligung jüdischer Gewerbtreibender an der großen Landesausstellung dienen. Bei der Besichtigung derselben durch den Kaiser befanden sich unter den Ausstellern, welche wegen ihrer besonders vorzüglichen Erzeugnisse der hohen Auszeichnung gewürdigt wurden, Seiner Majestät vorgestellt und von ihm mit huldvoller Anspräche beehrt zu werden, nicht weniger als funsundzwanzig Israeliten. W. Prag, 11. Mai. Dr. Rohling leugnet in der ..Politik" die Bekanntschaft mit Ehren-Brimaun- Justus im Jahre 1884; er habe nicht bei diesem Menschen Talmud gelernt. ״Eine mündliche oder schriftliche Aeußerung," schreibt er, ״wie sie BrimanuS mir in den Mund legt, habe ich nie gemacht, bin aber jederzeit bereit, die oft ausgesprochene Ucberzeugung von dem auf die Vernichtung der Christen, des ChristenthumS. und der christlichen Interessen gerichteten Bestreben des JndcnthumS eidlich nicht bloS zu bethenern, sondern auch mit Gut und Blut als wahr zu ver» theidigen. Die Erde möge sich öffnen und nuch verschlingen, oder Feuer vom Himmel fallen und mich tobten für Zeit und Ewigkeit, wenn es anders ist mit dem Judenthum als ich sage. Ich benütze übrigens diesen Anlaß, zu erklären, daß die hohe k. k. Regierung mich mit Hinweisung auf die aufgeregten Zeiten zur Einstellung der literarischen Fehde verpflichtet hat; ich werde daher auch die neuesten aus Leipzig kommenden Angriffe gegen mich iguorircn und mich bis auf Weiteres beschränken, meinen Einspruch dagegen hiermit konstatirt zu haben. Indem ich Sie ergebenst bitte, diese Zeiten Ihren geehrten Lesern knndzugeben, zeichne ich hochachtungsvoll Professor Dr. A. Rohling." — Hätte der Herr Professor sich früher bedacht, so. würde er sich seine Expektoration und der schuldlosen Erde einen sauren Bissen erspart haben. UebrigenS kann er nur dann den Wiener Häftling Lügen strafen und der Welt von der Wahrheit seiner so feierlich ausgesprochenen Uebcrzeugung einen eklatanten Beweis liefern, wenn er Feuerregen und Hölle ungcfd)0rcu läßt und vor einem Gelehrten-Kollegium nachweist, daß er den Talmud im Urtext lesen könne. ~ Bohorodezany (Galizien). Ucbev ein furchtbares Brandunglück, von welchem dieser Ort heimgesucht ist, wird der ״N. Fr. Pr." geschrieben: Schon am Sonntag, den 26. April, Vormittags, brannten hier drei Häuser nieder, und dieser Brand bildete gleichsam die Einleitung zu der Katastrophe, welche am 29. April über diese Stadt hereinbrach, an welchem Tage hier ein Jahrmarkt abgehalten wurde. An diesem Tage brannten um 2 Uhr Nachmittags auf dem Viehmarktsplatze zwei Häuser ab, und gegen 7 Uhr Abends kam in der inneren Stadt ein zweites Feuer zum Ausbruche, das eine solche Ausdehnung gewann daß um 11 Uhr Nachts vier jüdische Synagogen und 105 Häuser in lichter Lohe standen, deren Besitzer heute auf den Trümmern ihrer Habe stehen und mit ihren Familien ohne Obdach sind. Oie meisten Abbrändler sind arme Juden. Fast alle Häuser bestanden aus Holz und brannten bis in den Boden hinein, so daß es schien, als brenne selbst die Erde. p. Oecsöd (Ungarn). Der ״Egyertös" nicldet, daß der Advokat Kisch den Schächter bei dem zuständi'gcn Gerichte denunzirt habe, derselbe habe in Gemeinschaft mit einem Christen und einem andern Juden versucht, feinen Kutscher kurz vor Peßach zu schlachten! Die eingeleitcte Untersuchung blieb natürlich erfolglos. Dergleichen fortgesetzte, hier und dort anftanchende An« schuldigungen dienen aber dazu, das Volt aufzuhetzen und zeugen von den nichtsnutzigen Bestrebungen unserer Feinde.

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