Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1885)
- Article
- [Rezension] / X.
- Date
- 1885-05-14
- Page
- 315 (sequence 2)
- Language
- German
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315 Indigestion" gründlich überwunden und findet ״Gefchmack" an der von Herrn CaSpi servirten ״HauSmauuSkost". Diese setzt sich aber aus cigenthümlichen Schüsseln zusammen. — ״Wunder"; ohne Wlindcr keine Religion. DaS ״Wunder" in dem Judcnthum ist ihm die Existenz der Juden. Ein ferneres Wunder ist, daß Rothschild den Geldmarkt beherrscht, was freilich nicht wahr ist. Ein anderes ^Wunder" ist der ״Geist" der Juden — an welchen sie ״ohne ihre Schuld ebenso gekommen sind wie zun! Geld," nämlich durch die Bedrückung und Verfolgung, die sie von ihren Mitmenschen zu erdulden hatten. Und damit entschlüpft der schlaue Herr CaSpi der die Wunder im Judenthume anzweifelnden Freundin, und diese ist so naiv, diese Verschiebung nicht zu bemerken. Der Herr glaubt höchst wahrscheinlich nicht die in der heiligen Schrift berichteten Wunder, wie ihm diese überhaupt nicht Gottes ewiges Wort ist. Das Judcnthum geht ihm in Moral und Ethik auf; der ״Himmel stürzt nicht ein," wenn man die Speisegcsetze ignorirt, aber besser ist cs, daß selbst geistig so hoch Stehende wie Frau Edith und Herr Caspi den ״Nitualismus" ״mitmachen", mn ״auch Einfluß auf die nicdrigstehcn Juden zu gewinuen" und deshalb ״den Zusammenhang mit der Gesammtjudcnhcit nicht zu lösen." — Diese Gedanken sind demgemäß nichts weniger als jüdische Gedanken. Die beiden Bricfschreiber konstruircu sich ein höchst unklares und verworrenes Ding, nennen es Judenthum und schicken es in die Welt. Sie sollten sich aber erst etwas mehr im Denken üben, bevor sie ihre Gedanken zu Markte tragen. — Nur ein Beispiel. Herr Caspi offenbart, daß das Ethische den eigentlichen Kern des JudenthumS bildet und die Ritualgesetze ״eine Art Talmudismus vor dem Talmud" sind. Später habe sich das allerdings geändert. Beweis: ״Der erste Gesetzeslehrer in der nachbiblischen oder nachprophetischen Zeit, welcher zum Worte kommt, Simon der Gerechte, redet eine ganz andere Sprache: auf drei Dingen besteht das jüdische Gemeinwesen, auf Erkenntniß der Thora, auf Opfcrd'.eust und auf Mildthätigkeit! das Ethische nimmt die letzte Reihe ein; diese Umkehrung der Rangordnung läßt sich historisch erklären." Nun hat freilich Simon der Gerechte dieses gar nicht also gesagt, sondern von der Grundlage der ״Welt", nicht des jüdischen Gemeinwesens, geredet, und es erheischt eine viel tiefere Erkenntniß, als Herr Caspi besitzt, um diesen Satz zu verstehen, welcher auch dem ״Opferdicnst" eine so hohe Bedeutung zucrkcnnt. Wie aber selbst mit seiner flachen Auffassung dieser Herr Caspi aus demselben eine Minderschätzung des Ethischen herauslesen will, ist völlig unbegreiflich. Wenn Jemand heute von dem israelitischen Gemeinwesen sagen würde, dasselbe bestände in den Institutionen für Religionslehre, Gottesdienst und werkthätiger Menschenliebe, hätte er damit das Ethische im Werthe hcrabgedrückt? — Der Berfasscr hat erst das Judenthum kennen zu lernen und seine unreifen und unklaren Gedanken darüber zu berichtigen, bevor er sich an die Öffentlichkeit wagen darf. Korrespolldtllzcn und Nachrichten. Deutschland. 0. Berlin, 4. Mai. Das ״Deutsche Tageblatt" schreibt: Der Nus ״Hep, Hep", so lesen wir in der »St. Ztg.", den die Juden für einen beschimpfenden halten, war cs ursprünglich nicht, und ebenso wenig ist seine Deutung aus den Anfangsbuchstaben Lierosoluna est perdita Herzuleilen. Der Ruf stammt׳- ganz wo anders her und war ehedem in Franken und der Pfalz für Christen wie Juden gleich bedrohlich. In diesen Gegenden hauste nämlich Jahre lang die berüchtigte Räuberbande, deren furchtbarer Führer unter dem Namen des bayrischen Hiesel in Deutschland. bekannt war. Das Losungswort der Glieder dieser weit verzweigten Näubergescllschast, die in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ihr wildes Wesen trieb und viele Züge für Schillers ״Räuber" liefern mußte, war ״Hep, Hep". Es bedeutete: ״Her Eure Batzen!" und wurde zum Kriegsgeschrci der Räuber, wenn sie, wie es öfters geschah, mit Truppen, die zu ihrer Verfolgung ausgcschickt waren, zusammenstießen. Der beste Beweis für diese historische Auslegung des Rufes ist ein pfälzisches Volkslied, in dem die Strophe vorkommt: ״Macht Euch nit mausig, Hiesel macht'S grausig! Klopft auf die Köpp! Hep, Hep!" — Der ״Volkszeituug" zufolge zeigt Herr Pickenbach in der ״Post" an, daß er als Präsident des Antisemitenbundes von den! Fürsten Vismark ein ״huldvolles Dankschreiben" auf ein Glückwunschtelegramm erhalten habe. Der schlaue Herr Pickenbach theilt den Wortlaut des Dankes nicht mit, man würde sonst daraus ersehen, daß ihm gleich den fiinftaufeiib andern Gratulanten das bekannte gedruckte Formular zugegangcn ist. -a- Berlin, 10. Mai. II n’y a que les morts qui ne reviennent, denkt Herr Hosprcdiger Stöcker, und da er sich noch recht.lebendig fühlt und ein noch recht langes Leben zu führen gedenkt, so begann er am Freitag Abend in der Viktoria-Brauerei (Lützowstraßc) mit den berühmten revenons ä ces moutons, seil. ״Eid der Juden und Christen." Professor St rack'6 Erklärung gegen die frühere Auslassung über dasselbe Thema, die Sie Ihren Lesern wörtlich nütgetheilt haben, ist ihm nichts weniger als angenehm.