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Jeschurun · 1885-05-07 · Heft 19 (7.5.1885) · p. 301

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 19 (7.5.1885)
Article
Rumänien : Bukarest [Nachricht]
Date
1885-05-07
Page
301 (sequence 2)
Language
German
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301 Rückfahrt anschickte, wollte er die Pferde verschnaufen lassen und hielt einige Augenblicke vor dem Hause. Alsbald sah er sich von mehreren Arbeitern umgeben, wurde hcruutergcrisscn von seinem Sitz und nach einem Zimmer gebracht, wohin ihm Pornmbar folgte. Dieser ließ ihil binden, mit Stöcken schlagen und ihm das Gesicht mit verschiedenen Farben beschmieren. Jedoch bald erschien ihm dieser Spaß, der ihn zuerst bis zu Thränen lachen machte, ungenügend. Er nahm ein Stück Wachstuch von der Größe und Form einer Maske, machte darin Einschnitte an den Stellen wo Stirn, Wangen, Nasenflügel und Kinn cs berühren mußten, befestigte cs auf dem Gesicht des Kutschers, indem er die ausgeschnittenen Theile mit einer ätzenden Flüssigkeit befeuchtete. Der Unglückliche stieß gräßliche Laute von sich, sein Gesicht war mit furchtbaren Brand- ׳wunden bedeckt. Pornmbar labte sich eine Viertelstunde an den Qualen des. armen Kutschers; dann ließ er ihn loSbinden und mit Fauststößcn aus der Fabrik jagen. Das Opfer begab sich sogleich zum Staatsvnwalt in Bakau, um Gerechtigkeit zu fordern; der Beamte sagte ihm, er möge am nächsten Tage wiederkommen. Als er wieder erschien, rieth ihm derselbe, sich zu gedulden. Als der Kutscher sah. daß man sich bemühte, die Angelegenheit zu vertuschen, begab er sich nach Bukarest und reichte dem Jnstizminister eine Bittschrisl ein, in welcher er das Erlebte mittheilte. Dem Gericht zu Bakau wurde der Befehl erthcilt, eine Untersuchung in dieser Angelegenheit vorzunc'hmen. ...z. Billa rcst, 1. Mai. Nulla dies sine linea, kein Tag ohne neue Vexatiou der Inden! Bis jetzt war cS noch den jüdischen Kleinhändlern gestattet, zwei Mal in der Woche auf dem Markte ihre Waaren fcilzubietcn. Plötzlich wurde ihnen solches untersagt und eine Schaar von GenSdarmen auf den Markt postirt, um die armen Leute mit ihrem Kram zu vertreiben. Das bereits so kärgliche Brod wird ihnen noch mehr beschnitten. Sollen sic denn absolut zu Grunde gehen oder Wegelagerer werden?? Rußland. * Petersburg, 24. April. Der Gründer der Sekte ״Ncu-Jsrael" soll, wie verschiedene Zeitungen melden, zur russisch-orthodoxen Kirche übcrgetretcu sein, nachdem er sich anfangs auf den Boden eines freisinnigen Protestantcnthumö gestellt hatte. Die Vckehrnng der Juden zur orthodoxen Kirche dürfte ihm schwerlich gelingen. (Allg. Ztg.) Türkei. ,ילפ Koustantirropel, 26. April. Ein von den Griechen am 17. d. M. angezettelter Judcnkrawatl ist dank der Umsicht und Einsicht der Behörden, dcS griechischeu Patriarchen und deS Chacham Baschi rasch erstickt worden. Er hätte sonst bedeutende Dimensionen annehmen und für die Juden vcrhäugnißvoll werden können. Wie so häufig, war auch hier ein ganz harmloser und bedeutungsloser Umstand die Ursache. Ein in dem Bezirk Vadikaiwai, südlich von Skntari, wohnender Jude hatte vor etwa vierzehn Tagen in seinem Garten eine Vogelscheuche ausgestellt, in deren einem Kreuze nicht unähnlichen Form die Griechen eine Verhöhnung ihres Symbols erblickten und deshalb bei der Polizei Beschwerde führten In Folge dessen wurde diese Vogelscheuche sofort beseitigt. Acht Tage darauf, an! 16 April, fand man an der Ladcnthür eines jüdischen Krämers ein beschmutztes Kreuz. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich hiervon die Kunde unter den Griechen mit dem Zusätze, daß der vorhin erwähnte Jude ans Acrger über die ihm untersagte Ausstellung jener Vogelscheuche das Kreuz gesudelt und hier zum Spotte und zur Schmähung angebracht habe. Der griechische Pöbel nahm gegen die Inden in! Allgemeinen und diesen Juden im Speziellen eine drohende Haltung an. Die Behörde schritt ein und verlangte von den! Letzteren eine Bürgschaft, daß er sich am Samstag, wo Gericht gehalten wird, den! Richter stellen würde. Dadurch aber ließ sich der Pöbel nicht beschwichtigen, sondern plante vielmehr, am andern Tage, zur Zeit der großen vor dem Sultan abznhaltendcn Parade, über die Juden herznfallen. Gedacht, gethan. Die Häuser der Inden wurden demolirt. Zum Glücke befand sich der größte Thcil der Männer Geschäfte halber in Siambnl und Galata. Der von ihnen etwa geleistete Widerstand hätte sicherlich mit einer Judcumctzclci geendet. So begnügten sich die Excdenten mit Dcmolircn und Plündern, was etwa eine Stunde lang währte. Die Potzei sah sich zu schwach zum Einschreiten, hatte aber telegraphisch Militär rcqnirirt, welches das ganze Quartier umzingelte und einige Hundert der Räuber gefangen nahm. Auch der Jude, gegen welchen die Anschuldigung der Verhöhnung eines christlichen Symbols erhoben worden war, wurde arretirt, aber sofort vor den Mutesarrif von Skutari (Bezirkshauptmann) zur Untersuchung gebracht. Noch während des Verhörs meldeten zwei Geheimagenten der Polizei, daß sie in dem christlichen Krämer selbst den Verfertiger des Kreuzes und dessen Vcrunrciniger entdeckt hätten. Eine unverzüglich bei diesem vorgcnommenen Haussuchung ergab noch das Vorhandensein der Holz- Überreste, aus denen das Kreuz geschnitzt war und führte auch zu einem Geständnisse des Krämers und dessen Verhaftung. ״Kehre in Deine Behausung zurück," sprach der Mutesarrif zu dem Juden, ״Gott hat Dein - und Deiner GlanbcnSbrüder Unschuld rasch an den Tag gebracht. Danket Ihm und feiert in Ruhe den Sabbath." Der Chacham Baschi richtete an den Patriarchen

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