Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1885)
- Article
- Deutschland : Königsberg i. Pr. [Nachricht]
- Date
- 1885-05-07
- Page
- 299 (sequence 2)
- Language
- German
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299 Aufnahme jüdischer Kinder in ihre Schulen die Eltern oder Vormünder derselben auf die vorher genannten gesetzlichen Bestimmungen bezüglich des Religionsunterrichtö ausdrücklich Hinweisen und deren genaue Befolgung zur Vermeidung unliebsamer Zwangsmaßregcln ihnen ans Herz legen. (L. 8.) Stadt-Schul-Deputation. (gez.) Gelte." Oesterreich-Ungarn. t. Wien, 1. Mai. Unter den hiesigen Antisemiten ist eine Spaltung eingetreten, indem Pattai, der bisherige Obmann, bei der Neuwahl nicht wieder gewählt wurde. M. Wien, 1. Mai. Gar wunderliche Blüthcn treibt eine Gelehrsamkeit, welche mit stauncnSwerthem Scharfsinn sich der Erforschung einer längst vergangenen Zeit widmet. Da lassen die Herren Gelehrten sich von der Annahme leiten, die in der heiligen Schrift berichteten Thatsachen seien nur insofern wahr, als sie vor der posthumen Untersuchung Gnade finden, und sic seien je nach dem Resultate derselben zu ncgircn oder zu rektifiziren. Eine solche Untersuchung hat Dr. Ma hler in der Sitzung der mathematisch - naturwissenschaftlichen Klasse der kaiserlichen Akademie der Wissenschaft vom 16. d. M. mitgetheilt und zwar als ״Astronomische Untersuchung über die in der Bibel erwähnte egyptischc Finsterniß". In der Vcrnmthung, daß in der Ueberlieferung einer am 1. Nissan des Auszugsjahres der Israeliten aus Egypten (für das gewohnlich das Jahr 1312 bezeichnet wird) daselbst stattgehabten Finstcrniß die Erinnerung an eine Sonnenfinsterniß erhalten ist, hat der Verfasser der vorgelegten Arbeit aus allen zentralen Sonnenfinsternissen des dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts die Frühjahrs-.Sonnenfinsternisse herausgesucht und gesunden, daß von diesen nur eine einzige für Egypten von Bedcutnng sein konnte. Es ist dies die ringförmige Sonnenfinsterniß des JahrcS 1335vom 13. März. Nachdem diese aber zugleich alle durch die Tradition erhaltenen Merkmale (Monat, Tag. Wochentag) der in der Bibel erwähnten egyptischen Finstcrniß besitzt, so ist es im hohen Grade wahrscheinlich, baß, wenn der vom Versasser auSgeführten Rechnung Bedeutung bcigelegt wird, die in der Bibel erwähnte Finsterniß mit der ringförmigen Sonncnsinsterniß des Jahres 1335 vom 13. März identisch sei. Dann fällt natürlich der Auszugstag der Israeliten aus Egypten auf den 27. März des Jahres 1335. Nun muß man sich doch sagen, entweder die biblische Mittheilung ist wahr oder sie ist nicht wahr. Ist das Letztere der Fall, daun ist doch die ganze Untersuchung überflüssig und hinfällig, ist aber das Erstere anzuuehmen, so muß man doch das Faktum so auffassen, wie es dort erzählt wird. Dieses aber schließt jede Verbindung der ״egyptischen Finsterniß" mit einer Sonneusinsterniß geradezu aus. Währt eine solche ״drei Tage?" Verbreitet eine solche eine derartige Dunkelheit, daß ״Einer den Andern nicht scheu und Keiner drei Tage lang von seiner Stelle weichen kann?" Ist eS bei einer solchen möglich, daß für die ebeusalls in Egypten wohnenden Israeliten diese ״Sonneusinsterniß" keine Geltung haben konnte, da eS doch heißt: ״aber allen Söhnen Israels war Licht in ihren Wohnstätten?" Nein, wir danken für solche gelehrte Spielerei. A. Preszbnrg, 3. Mai. Am 30. v. M. wurde der hiesigen israelitischen Gemeindeschule die Ehre des hohen Besuches Sr. Exzellenz des Kultus׳- und UnterrichtSmiuistcr Aug. v. Tröfort zu Theit. Sr. Exzellenz wurde in den Lokalitäten der Mädchenschule vom Gemeindcuotar Herrn Grünöfeld mit einer glanzenden ungarischen Ansprache Namens des Gemeiudevorstandes begrüßt. Nachdem Sr. Exzellenz hierfür mit der Versicherung seines besten Wohlwollens herzlich gedankt und jedem einzelnen Mitgliede die Hand gereicht hatte, be< sichtigteer die Lokalitäten dieser Anstalt. Hierauf begab sich der Herr Ministerin die Lokalitäten der Knabenschule, wo ihn Herr Lehrer B. Spitzer Namens des Lehrkörpers willkommen hieß. Nach halbstündigem Besuche dieser Anstalt entfernte sich Sr. Exzellenz, in dessen Begleitung der Herr Obergespan Graf Eszterhazy, Schulinspektor Josef v. Roth, Obcrstudiumdirektor v. Wie de mann und mehre Andere waren, mit dem Ausdrucke seiner vollsten Zufriedenheit. * Bilin (Böhmen). Die hiesige Stadtvertretuug hat, wie die ״Oesterr. Wochenschr." berichtet, gegen den Redakteur des antisemitischen Bezirksboten ein Ausweisuugsdekret erlassen. Dasselbe hat folgenden Wortlaut: ״Au den Redakteur des Biliner Bezirköbotcn, Herrn Theodor Hutter in Vilin!" Die Stadtvertretung von Bilin hat in der AnSschußsitzung vom 13. März l. I. einstimmig den Beschluß gefaßt, Sie aus der Stadt und Gemeindcgcbiete Bilin auszuweisen, und zwar in Erwähnung: 1) Daß Sie die Stadtvertretuug von Bilin ohne Berechtigung fast in jeder Nummer des von Ihnen redigirten ״Bezirksboten" durch Schmähung, Verspottung, unwahre Angaben und Entstellung von Thatsachen in den Augen der Bevölkerung herabsetzten. 2) Daß Sie in Nr. 10 des ״Biliner Vezirksboten" unter der Rubrik ״Protesterhebung" die Stadtvertretung von Bilin geradezu als auf sträfliche Weise, konstituirte erklären, dieselbe als verächtlich und strafbar hinstellen und hierdurch deren Autorität und mit derselben auch jene der Gemeindebehörde zu untergraben bestrebt sind. 3) Daß Ihr Blatt, der ״Biliner Bezirksbote", auch antisemitischen Tendenzen huldigt, welche geeignet sind, Haß und Zwietracht in die Bevölkerung zu tragen und