Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1885)
- Article
- Die Sabbathianer
- Date
- 1885-05-07
- Page
- 294 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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294 leichtgläubigen Menschen glaubten; daß nunmehr die goldene Zeit unbeschränkter Gewissensfreiheit in Ungarn angebrochen und der geeignete Zeitpunkt da sei, um ihr Vorhaben unbehindert ansznsühren. Doch der erste Schritt schon, den sie, von diesem Glauben beseelt, unternahmen, brachte ihnen arge Enttäuschungen. Als einige der Dorfältesten nämlich zum Pfarrer gingen, nm ihm ihre Absicht, vom Christcuthnmc ausznscheiden, nlitzuthcilen — wozu hätten sic auch noch ferner sich mit Heimlichkeiten abgeben sollen — da lachte ihnen dieser höhnisch iuS Gesicht und klarte sie auf, daß die Jndenemanzipation mit der Konvertirnng zum Judenthnm nichts zu schaffen habe; letzteres sei nach wie vor streng verpönt und eine Gesetzesübertretung, welche mit den härtesten Strafen geahndet werde. Auf ihre Nachfragen bei der Behörde erhielten sie dieselbe Nuskauft in einem noch bestimmteren Tone. Das war nun wohl entmuthigeud; aber die einmal zum Handeln entschlossenen Männer waren nicht gewillt, es bei dem Gethanen bewenden zu lassen. Sie rafften sich zu einem großen Schritte auf, der Entsendung einer Deputation an den eben versammelten Landtag. Von diesem Entschlüsse ward bald zur Thar geschritten. Die ans den Vornehmsten und Acltcsten des Dorfes zusammeugcsetzte Deputation begab sich bald auf den Weg nach Budapest. Aber die Leute waren nicht vom Glück begleitet, sie erlangten nicht den erhofften Erfolg. Sie erschienen auf der Gallerie des Abgeordnetenhauses und erregten in ihrer schmucken, szekler Nationaltracht allseitig Sensation, so d׳.ß sie und ihre eigeuthnmliche Angelegenheit das allgemeine Tagesgespräch in der Hauptstadt wurden. — Das war aber auch Alles! Sie sprachen beim Kultusminister, beim seligen Eötvös, vor. Er empfing sie als edler, liberaler Mann auf das Freundlichste, hörte ihr Gesuch und die Schildcrung ihrer merkwürdigen Verhältnisse mit warmem Interesse an, erklärte aber schließlich bedauernd, gegen den GcsctzeSpara'graphcn nichts vornehmen und den angcslichten Uebcrtrilt nicht gestatten zu können. Einige xeinfinßreiche Glaubensgenossen .betonten ebenfalls ihr Unvermögen in dieser Angelegenheit zu interveuircn und vertrösteten sie auf kommende bessere Zeiten. So ging's also mit leeren Händen wieder Heimwärt-S. (Schluß folgt.) WiMsmus und Indenthum. Don Friedrich Rott. (Ällc Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Der Graf zuckte die Achseln; eS kostete ihn in der That Ueberwindung, den Aufgeregten nicht durch den Hausknecht hinaus befördern zu lasten. Doch er wünschte, um jeden Preis das Bekanntwerden dieser unerquicklichen Szene zu vermeiden. Deshalb bezwang er sich. Lilienthal aber stürzte mit cmporgehobener Faust auf ihn zu. ״Versprechen Sie mir Genugthnung!" schrie er, ״oder ich schlage Sie in's Gesicht wie einen Feigling!" Mit überraschender Gewandtheit hatte der Graf beide Arme des Doktors gefaßt und hielt sie wie in eisernen Klammern. ״Benehmen Sie sich anständig oder Sie fliegen sofort die Treppe hinunter." ״Feigling!" zischte der Wüthende. ״Was Ihr Verlangen nach Satisfaktion betrifft," fuhr der Graf fort, ״wenn Ihnen nur die geringsten Begriffe von Ehre und Anstand bekannt wären, so würden Sie wissen, daß ein Kavalier sich nicht mit einem ihm wildfremden Menschen schlagt. Ich habe Sie nie gesehen, nie von Ihnen gehört, ich weiß daher nicht, ob sie satisfaktionsfähig sind." ״Ich war Offizier," rief Lilienthal. ״Bringen Sie mir die Beweise; ich werde nt ich nicht länger weigern, das heißt, wenn die Beweise genügend sind." Er hatte bei diesen Worten Lilienthal's Arme losgelasscn. Der Doktor taumelte unwillkürlich einige Schritte zurück. ״Ich werde Ihnen vollgültige Beweise bringen, in acht Tagen bin ich wieder hier." Damit wandte er sich und stürzte hinaus. ״Dumme Geschichte das/ murmelte der Graf, indem er zum Spiegel trat, seine etwas dcrangirte Toilette wieder in Ordnung zu bringen, ״für nichts und wieder nichts seine Haut zu Markte tragen. — Wenn cs nicht um die halbe Million wäre, um Irenens liebreizende Persönlichkeit thäte ich'S nicht, obgleich sie in der That nicht übel ist." Er trat bei diesen Worten zu der Thür des anstoßenden Zimmers und öffnete sie; Irene flog ihm entgegen und schlang ihre Arme um seinen Hals. ״Mein Armin! — mein Geliebter! — ist ״ endlich fort, der Schreckliche? — Ich habe mich geängstigt — Du kannst es Dir gar nicht denken, wie." ״Unbesorgt, Geliebte." tröstete der Graf, die Umarmung zärtlich erwidernd, ״er ist fort, und ich werde dafür sorgen, daß er Dir nicht wieder vor Augen kommt." ״Ein fürchterlicher Mensch!" fuhr Irene schaudernd fort, ״wenn Du nicht glücklicherweise zugegen gewesen wärst, ich glaube, er hätte mich gemordet." ״Das glaube ich denn doch nicht," entgegnete Brandensee lächelnd. ״Doch, doch, hast Du nicht gesehen, wie seine Augen rollten?" ״Aengstige Dich nicht, theuerste Irene, morgen