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Jeschurun · 1885-05-07 · Heft 19 (7.5.1885) · p. 293

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 19 (7.5.1885)
Article
Professor Dr. Strack wider Hofprediger Stöcker
Date
1885-05-07
Page
293 (sequence 2)
Language
German
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293 von 4. Mose 30, 3 (s. auch V. 14) ergiebt, nicht die Ncde von Eiden, die Anderen geleistet werden, sondern nur von Gelübden, Verpflichtungen, die man sich selbst anferlegt. Gelübde und Eide, welche einem Anderen geleistet sind, sind unlösbar, außer wenn die dcthciligle Person anwesend und ciunciftaubcu ist. Das ist die einstimmige Ansicht der maßgebenden jüdischen Autoritäten. Dazu kommt noch, das; in den meisten neueren Ausgaben der Festgebete in einer Anmerknng nachdrücklich erklärt wird, daß durch dieses liturgische Slnck die Interessen Anderer nicht berührt werden. AnS der Fornicl Kol ■fttbrc kann daher kein Bedenken gegen die Glaubwürdigkeit des vor! einem Inden geleisteten EideS hcrgenommen werden. Diejenigen, welche genauere Belehrung wünschen, erlaube ich nur ans meinen Artikel ״Ko! Nidre" in der Real - Eneyklopädic für prolest. Theologie und Kirche, 2. Ausl., Bd. VIII, S. 127 —130 (Leipzig 1881), zu verweisen. Berlin, 28. April 1885,. Professor Dr. Herrn. L. ,Strati Die Salilnitljiii!!er. 2301t S. 23. Noscnhat tt. (Fortsetzung.) Dic Sabbathianer mußten fortwährend ihres v.on den christlichen Dogmen abweichenden Bekenntnisses wegen viele Bedrückungen über sich ergehen lassen. Dic Geistlichen und Behörden waren es, dic sic durch unaufhörliche Chikanen und Molcstirnngen zum 2lufgcbcn ihrer eigenartigen Gebräuche bewegen lvotltcn. Denn sie mochten wohl längst in den konfessionellen Gepflogen׳ Herten jüdischen Ursprunges die schwarzen Punkte am Horizont erkannt haben, ans denen sich dereinst das Wetter entwickeln konnte, durch welches eine zahlreiche, moralisch starke Bevölkerung endgültig der Kirche ent: i'Mfcu werden würde. In cincrrr besonders unheilvollen Andenken steht bei den Sabbathiauern noch heute dic Zcitepochc vor dem . glorreichen Jahre achtnndvierzig. . Die Signatur derselben bildet bekanntlich die vollste Blnthc jener feudalen Willkür, von welcher sich Ungarn bis ans den heutigen Tag noch nicht ganz zu cman- ׳ipircn vermocht 'hat, und deren Nachwirkungen, auch heute noch hierzulande auf dem Gebiete der Justiz mrd Administration Erfahrungen zu Tage fördern, welche im Anslande schlechtweg als Merkmal des -valbllsiatenthumS angesehen werden. Wer damals die Ruthe in der Hand hatte, der durfte ungezählte Hiebe auötheilen, cs ist demnach nur natürlich, daß man ntit .Len Sübbathlancrn leine Ausnahme machte. Mau setzte dem freien Zuge ihres Gewissens alle nur erdeutlichen Hindernisse entgegen. Gerade am Sabbath wurden sie angehallen, die pflichtgemäßen Urbarialdienste zu verrichten, und wehe den Theilnchmcrn an einem heimlichen Gottesdienst, deren Namen zur Kenntnis; des Pfarrers gelangten! Sic wurden nicht selten unter einem nichtigen Vorwände in den Karzer gesteckt, ja selbst unter erfundenen Nechtstitcln durch Plündernngen an ihrem Vermögen geschädigt. In zwei Ortschäften, wo sich dic Sabbathianer in einer verschwindenden Minderheit befanden, erreichten auch diese Vexationcn das erwünschte Ziel. Die geplagten Menschen wurden der ewigen Mühseligkeiten müde, vermachlässigten immer mehr dic traditionellen Gepflogenheiten und näherten sich allmählig ganz dem Christcuthum. In andern zwei Dörfern, aber und besonders in Dömös-Ujsaln, wo sie mit etwa hundcrtnnddrcißig Familien die Mehrheit der Einwohner ansmachten, ließen sie mit einem bewunderungswürdigen Heroismus geduldig Alles über sich ergehen, ohne eine Zollbreite vom eingcnomincnen Standpunkt prciSzngebcn. %r, in dem genannten Dorfe griffen sie einmal, als ihnen dic unaufhörlichen Quälereien 'gar zu lästig wurden, zu den Heugabeln und Dreschflegeln, und der Pfarrer und der in seinem Solde stehende OrtSrichter mußten unter den Klängen der Sturmglocke schleunigst das Dorf verlassen. Dieses Borkommniß hatte zur Folge, daß die Herren Pfarrer ihre ungefügigen Beichtlinder ferner, freier gewähren ließen. Der auf die Sabbathianer auSgeübtc harte Druck trug wesentlich dazu bei, dic Idee des Uebertritts zum Indenthum bei ihnen auznbahncn und zur Reife der Thatwcrdung gedeihen zu lassen. Durch dic Verfolgungen, denen sie ununterbrochen aus-gesetzt waren, wurde in erster Reihe die Kluft zwischen ihnen und. der Kirche unübcrbrückbar gemacht und ihre Annäherung zum Indenthuin befördert. ES wurde also das gerade Gcgcnthcil von der beabsichtigten Wirkung erreicht. Dann auch wurde ihnen ein Martyrium anfgcnöthigt, unter dessen Leiden sich die Bande festigten, die sie an den Gegenstand knüpften, für welchen sie litten iuiö duldeten. Wenn also der Uebcrtritt zum Indculhume in ihnen früher als frommer aber lauer Wunsch gelebt, so.fingen sic jetzt an,- für diese Idee zu schwärmen, und sic gewohnten sich mit deren Verwirklichung den Alwrirch einer schönern, von geistigem nnb körperlichem Drucke freien Zukunft in Verbindung zu bringen. In dieser von Wünschen und Hoffnnngcn bewegten und für alle Eindrücke empfänglich gemachten Stimmung' traf die Sabbathianer das Jahr 1867, ׳welches den ungarischen Juden die Emanzipation brachte. .Man kann sich -vorstellen, welch mächtigen Eindruck die Nachricht von dieser Thatsache auf die Sabbathianer ansübteDie

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