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Jeschurun · 1885-04-30 · Heft 18 (30.4.1885) · p. 286

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 18 (30.4.1885)
Article
Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
Date
1885-04-30
Page
286 (sequence 2)
Language
German
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286 bessern Patriotismus der Juden. — Andreanski'S An- I trag wurde hierauf abgclchnt. x. Krakan, 26. April. Es verlautet, daß das Gericht jetzt endlich genaue Kunde von dem Orte erhalten hat, wohin Rachel Stieglitz geschleppt worden ist. Dieser Ort liegt in Deutschland. Es sollen die deutschen Behörden bereits ersucht sein, das Erfordcr. liche eiuzulcitcn und die Lticlitz auch schon gerichtlich vernommen sein. Diese auch von angesehenen Blättern gebrachte Mittheilung erscheint nicht ganz korrekt. Es ist zum mindesten sehr zweifelhaft, daß bereits im Auslande eine gerichtliche Vernehmung des Mädchens ftattgehabt. 8.8. Nadarrtz (Bukowina), 24. April. Eine leider traurige Veranlassung druckt mir die Feder in die Hand, Ihrem geschätzten Organe nach langer Unterbrcchung wieder einmal Nachricht aus unserem Herzogthume zu geben. Am vergangenen Freitag, l 7. d. M., Abends, brach in dem von hiesiger Stadt einige Meilen entscrntcu Städtchen Wisnitz, welches mehrere Tausend jüdische Familien beherbergt, ein Feuer ans. das in Folge des zugleich herrschenden heftigen Sturmwindes so rapid um sich griff, daß binnen zwei Stunden hundertunddrcißig Hätlser sammt allem darin Befindlichcu ein Raub der Flauimen wurden. Zum Glück siel kein Menschenleben dem Feuer zum Opfer. Von der Katastrophe ist die ärmste Klasse der Bevölkerung, die in dein Stadtthcile am Czeremosz wohnt, betroffen. Die wenigsten Häuser waren versichert. An! ersten Tage nach dem Brande wurden die Acrmsten von der wohlhabenderen, vom ״Unglücke verschonten Einwohnerschaft des UnglücksortcS verpflegt. Die Ursache des Brandes ist bisher nicht sichcrgcstellt, doch wird eine Brandlegung vcrmuthet, da schon seit vierzehn Tagen beunruhigende Gerüchte von einem bevorstehenden Brande im Orte zirkulirtcn und auch Vorsichtsmaßregeln getroffen wurden. Behufs momentaner Linderung des Nothstandcs der durch den Brand Beschädigten spendeten in hochherziger Weise an Ort und Stelle 300 Gulden Sr. Exzellenz der Landcspräsidcut Baron Alesani, Namens des Laudesausschusses Baron Mustazza 500 Gulden u. a. m. Ans Antrag eines christlichen Mitgliedes des GemcinderathcS zu Ezcrnowitz beschloß derselbe, den Unglücklichen 500 Gulden znzuwendcN. Nun läßt sich erwarten, daß die viclbewährte Humanität unserer israelitischen Mitbürger, insbesondere in Deutsch-!and, sich auch bei diesem Traucrfalle wie immer glänzend erweisen werde. . H o l l a n d. ש Amsterdam, 23. April. - Die,hiesige portugiesische Gemeinde hat einen großen Verlust erlitten; einer ihrer Dajanim, Rabbi A. van I. Baz Diaz, ist nach einer mchrwöchentlichen Krankheit im Alter von 72 Jahren am Montag von seiner irdischen Laufbahn abbernfen worden. Der verstorbene stand bei Allen, die ihn gekannt haben, ob seiner Gelehrsamkeit, seines bescheidenen Wesens, seines streng religiösen Lebens:׳ Wandels und amtlichen Wirkens in hoher Achtung. Die Beerdigung sand nnlcr sehr starker Bcthciligung von Mitgliedern sowohl der hochdeutschen als portugicsischen Gemeinde statt. In! Beth Hamidrasch, wohin die Leiche von! Sterbchause gebracht wurde, trug der Ehasan, Herr Oeb Vrandon, eine eigens yi dieser Gelegenheit verfaßte קינה vor, an! Grabe fanden die nach portugiesischen! Ritus üblichen הקפות statt. Herr I. van I. Palache, Herr Obberrabincr Di׳. Dünner,' sowie Herr Rabbiner Van Locn, Letzterer als Rektor des portugiesischen Seminars, feierten nach verschiedenen Richtungen hin den Verstorbenen in seinem Leben und Wirken. ,ת׳נ׳צ׳ב׳ה ש Amsterdam, 26. April. In betheiligten Kreisen geht man seit längerer Zeit mit der Absicht nm, einen Verein zur Unterstützung von Wittwen jüdischer Neligionslehrer des ganzen Landes zu gründen. Wie ich dem ״Nicuw Israel. Wcckblad" entnehme, hat ־־־bic Kommission, welche mit dem Entwerfen der Statuten beauftragt war, ihre Arbeiten beendet, den Entwurf den verschiedenen Lehrern, welche die Sache angeregt hatten, zur Begutachtung vorgclcgt und einige Abänderunacn, die gewünscht wurden, vorgcnommen. Um sich zu vergewissern, ob der Verein auch genügende Unterstützung Seitens der hiesigen. Lehrer finden würde, hat die Kontinission nunmehr ihnen allen den Statuten- Entwurf mit seinen Modifikationen zugesandt, und von der Anzahl der Zusagen wird cs adhängen,. ob der Verein endlich in'ö Leben treten kann. Hofsen wir, daß dieser Moment recht bald cintrete. — Haag, 26. April. Der Verein ״Tcres Chaluzim" zur Versorgung jüdischer Soldaten mit ritueller Kost wird ans Mangel an Theilnahmc seine Thütigkcit einstellen müssen. Wie das ״Wcekblad voor isr. Huisgez" berichtet, ist die . Auflösung des Vereins beschlossen worden. Schade drum. England. -6- London, 27. April. Die, in Ihrer jüngsten Nummer von hier gemeldete Gründung bezw. die Er- Weiterung und Stärkung eines in schwachen Anfängen vorhandenen EtablissclncntS für הבנסת אורחים kann nicht eindringlich genug, empfohlen werden. Es zählt ein solches Fremden-Asyl allerdings zu den Hauptsächlichsten Bedürfnissen, für welches die gesammte hiesige Jndcnschast Sorge tragen müßte. Man macht sich von den! unbeschreiblichen Elend unter den hier anlangenden unglücklichen Glanbensbrüdern aus Polen,

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