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Jeschurun · 1885-04-30 · Heft 18 (30.4.1885) · p. 281

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 18 (30.4.1885)
Article
Die Sabbathianer
Date
1885-04-30
Page
281 (sequence 1)
Language
German
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M18 Jeschurun 291 Die SalibitUjianfr. Von S. B. Nasen Hain. Seit Langem schon hegte ich den sehnlichen Wunsch, mir eingehende Informationen über die neuen Glaubensgenossen im fernen Siebenbürgen zu verschaffen, welcheim Anfänge des siebten Dezenniums dieses Jahrhunderts unter merkwürdigen Umständen sich definitiv dem Judenthnme angcschlosscn haben. ES waren bislang immer nur sagenhafte unsichere Gerüchte gewesen, die ich über die Sabbathianer, ihre Vergangenheit und die Art ihrer Bekehrung vernommen. Dieser Tage nun ward mir endlich das Vergnügen zu Theil, mit einem jener wackeren Männer, die sich im Laufe der Jahrhunderte ungcschwächt eine innige Liebe zum Judcnthum zu bewahren gewußt haben, in persönliche Berührung zu kommen. Ich benutzte selbstredend die glückliche Gelegcnheit, um mich über alle Verhältnisse der Stammesgenossen meines Gewährsmannes genau aufklären zn lassen, und die Liebenswürdigkeit desselben ermöglichte cS mir, meine Wißbegicrde nach allen Richtungen zu befriedigen. Ich glaube, daß cö die geehrten Leser des ״Jeschurun" nicht ungern sehen werden, wenn ich ihnen die in Erfahrung gebrachten höchst interessanten Daten somit zur Kenntniß bringe. Im Lande der Szekler, nächst Karlsburg in Siebenbürgen, wohnten, in drei bis vier Dörfern zerstreut, einige hundert Familien, die sich von den Szeklcrn, diesen in Sprache und Sitten urwüchsigsten der heutigen Magyaren, sonst in nichts unterschieden, als in der sehr gewissenhaften Beobachtung einiger Theile des jüdischen NitnalgcsetzeS. Das wichtigste unter diesen Gesetzen war ihnen die Heiligung des Sabbath, so zwar, daß ihnen diese religiöse Observanz ihre sie von der übrigen Bcvölkerung unterscheidende Spezialbenennung aufprägte. Man nannte sie ״Szombatosok", von welchem das deutsche ״Sabbathianer" gebildet wurde. Doch pflegten sie sich auch stolz ״Szabadosok" d. i. zn deutsch ״Freie" zu nennen, im Gegensatz zu' der walachischen Bevölkerung, welche keinen eigenen Grundbesitz besaß ׳und daher den .geringschätzigen Namen ״Jobbüzpok" Leibeigene trug. Auf meine Frage über den Ursprung der Sabbathianer wußte mir mein Gewährsmann keine sichere Auskunft zu ertheilen. Weder ' mündliche noch schriftliche Ueberlicferungen haben sich in der - Mitte - des Volkes erhalten, welche das die Wiege dieser Sekte umgebende Dunkel einigermaßen aufhellen könnten. Ueber ׳das Alter ihrer Genossenschaft herrscht unter den Sabbathianern die aber keineswegs auf positiven Momenten beruhende Annahme, daß dasselbe auf etwa vierhundert Jahre anzuschlagen sei. Dieser Annahme zufolge siele die Gründung des SabbathiänismuS in das Ende des fünfzehnten oder in den Beginn des scchSzehntcn Jahrhunderts, dieselbe hätte sich demnach entweder gleichzeitig init der Vertreibung der Juden aus Spanien, oder etwas später als diese vollzogen. Diese Annahme scheint also jenem landläufigem Gerüchte einige Berechtigung zn verleihen, welches die Sabbathianer direkt von auSgewandertcn und in jenen entlegenen Winkel Siebenbürgens verschlagenen spanischeu Juden abstammen läßt. Wenn aber diese Hypothese keine triftigere Gründe zu ihrer Rechtfertigung anführen könnte, dann muß sic, in Erwägung vieler einschlägiger Bedenken, als völlig unhaltbar bezeichnet werden — cö sei denn, daß die Wissenschaft ihre Gültigkeit anderweitig erhärtet haben sollte. Denn wem! wir auch das sehr gewagte Zugeständniß machen wollten, daß schon einige Dezennien oder gar Jahre nach der Vertreibung der Inden ans Spanien viele, und zwar in Erwägung der heutigen Zahl ihrer voranSsetzlichen Epigonen, recht viele der spanischen Flüchtlinge bis an die äußerste westliche Grenze Siebenbürgens gelangt seien, so widersprechen doch die sozialen Verhältnisse der Sabbathianer ihrem spanischen Ursprünge. Ueberatt, wo wir den Abkömmlingen der spanischen Juden, den sogcnanten Sephardim, begegnen, insbesondere aber in Ungarn und Bosnien, erinnert uns der besonders bei den Frauen sehr deutlich ausgeprägte südländische, oft aber auch echt spanische Typus und sehr bcmerkeuSwerthe Ueberreste einstiger spanischer Kultur au die spanische Heimath derselben. Ein vor nicht gar langer Zeit erschienenes Werk über Bosnien giebt uns sehr anziehende Aufschlüsse über die Verhältnisse der dortigen jüdischen Urbevölkerung, welche zum überwiegenden Theil aus Sephardim besteht. Denn!ach wären die bosnischen Sephardim stolz aus ihre spanische Nationalität, und sie betrachten noch heute die spanische Sprache als ihre eigentliche Muttersprache. In den vornehmen vielfach sehr reichen sephardischen Familien ist daS Spanische die ausschließliche Umgangssprache,.und dasselbe findet auch zu liturgischen Zwecken eine sehr ausgedehnte Verwendung. Um ein Beispiel anzuführen, wird bei den Sephardim an den Pcßachabenden die ganze Hagadah auf spanisch rezitirt. UebrigenS theilen 'sie diese Gepflogenheit mit ihren ungarischen Stammes׳ genössen und, ,wie ich vermuthe, auch mit denjenigen aller übrigen Länder und Nationen. Von allen diesen für die spanische Abstammung so karakteristischen Zuständen findet, sich 'bei' den Sabbathianern nicht die allerleiseste Spur. Ihre Sprache ist daö reinste, nrwüchsichste Ungarisch, - wie cs nur bei den Szeklcrn gesprochen wird, frei von allen fremden Zuthaten. Sie haben sich stets als freie, stammverwandte und gleichberechtigte Brüder der Szekler betrachtet; szeklcrisch

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