Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1885)
- Article
- Zeitgemäße Betrachtungen über Sefirah-Jozroth
- Date
- 1885-04-30
- Page
- 277 (sequence 2)
- Language
- German
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277 Jahre 1866 geschrieben, daß das Andenken an Zijon! mit dem damit in reger Verbindung stehenden Opfer-; knltns sich als Wrack nur noch ans der Oberfläche! des ZeitstromeS hernmtreibc, nnd drei Jahre später! nichtsdestoweniger auf bcsondern Wunsch des Berliner! Gemeindevorstandes in der alten Synagoge mit seiner Löwcnstimme') pathetisch sein Maftir vorgctragen, und ans Bestellung prompt inbrünstig gebetet: ״רחם על ציו[״ n. s. w. Lebe wohl, Prinzip! Ruhe sanft, Programm! Und nun einige Kraftausdrücke aus den Sefirahjozeroth zu unserer Beschämung: ״אל דמי לך! מתי שמו תורת משה, ותלמוד רבינא ורב אשי, העל אלה ״ "?תתאפק ותהשהKannst, darfst Du schweigen, o Gott, wenn Du sichest, wie die Feinde Israels die Lehre des Moses und den Talmud zum Gassenkothe hcrabwürdigcn?" Siud es nicht unsere Feinde im eigenen Innern, welche die schriftliche und mündliche Lehre mit Füßen treten? Ja, wer zwingt unsere Glaubensbrüder der Gegenwart zu solch' feigem Abfalle selbst vom Glauben der Väter? Bis zur Stunde war dem Volke Israel das שמע ישראל durch alle Zeitstürme ein unveräußerliches Hciligthum. Selbst Vielen, die mit dem ״religiöspraktischen Judenthume" gebrochen hatten, war das Sanktissimum ihrer frommen, gottbegeisterten Ahnen, das: ״שמע ישר^' ה׳ ^'קינו ה' אהד״ bis zum letzten Athcmzuge ein kostbares Gut Das בל״ תיהודימ" bewährt sich leider, wo aber sind זרע ״ה״ יהודיה, um auf Gottes Wunder so sicher bauen zu können in dem Antisemitismus unserer Tage? Wie schändlich, wie schmachvoll diese Fahnenflucht gerade jetzt während der Leidensgeschichte der Juden der Ucbertritt wissenschaftlich-gebildeter Männer ist, das wird der Beter der Sefirah-Jozcroth ermessen, wenn er an die Kraftstelle gelangt: ״ה' אהד וניהדנו ״ "!ועל קדוש שמו הורגנוDem- Einig-Einzigen hnldigcn wir, für die Heiligung Seines Namens gehen wir in den Tod." Die Meister- und musterhaften Dichter der Sefirahjozeroth lassen Gott klagen und jammern: עמי ונהלתי ״ (־.שמתי ביד עוברי רצוני, בפשע יעקב זאתMein Volk und Erbe überließ ich der Hand derer, die meinem Willen zuwider handeln, dies geschah wegen der Sünden Jakobs!" Und nun sind die עוברי רצונו unter den jüdischen ,מהללי שבתות, מגלחים בתער, ואוכלי נבלות ומרפות Z" suchen und sicher zu finden! ') Bei geöffneten Fenstern hat man im angrenzenden Bet Hamidrasch seine Stimme deutlich vernommen. 2) Nicht: זאת אמר צור קוני wie die Durchschnittschasanim hinüberzuziehen Pflegen, denn dem Sänger schwebte Micha 1,5 vor: בפשע יעקב כל זאת. Genug hiervon! Die Sefirah-Jozcroth mit ihren knmmerbeladcnen, senfzererfnllten und schmcrzdnrchwogten Gedanken, mit ihren gleichzeitig in eine frohe, von den GotteSschern verheißene Znklmst schauenden, hoffnungsvollen und siegesbewußten, zuversichtlichen Blicken,^') haben uns wieder ein Mal daran erinnert, wie nnd auf welche 'Weise die 9״ndenf-rage" gelöst werden kann. Und welches ist das Mittel zur Heilung dieser bösen epidemischen Krankheit, des Namens: AntisemitiSmnS? Dieses Mittel ist einzig nnd allein in der großen Hausapotheke der Menschheit vorräthig. Wir meinen im Talmud, der uns zu Gittin 7,5t zürnst: ״Gehet früh und spät in's LchrhauS, errichtet in euren Wohn- Häusern eine Pflanzstätte für echtes Judenthum, pfleget Thora, traget hoch das Banner der Mizwah, und die Feinde schwinden von selbst." a Ein holländischer Jndeneid ans dem vorigen Jahrhundert. Unter der Spitzmarke ״Delstsche cnriosa" verössentlicht Mr. I. Soutendam in der holländischen Monatsschrift ״De Tydspiegel" ans einer alten Chronik unter Anderem auch einen ״Jndeneid" .ans dem Jahre 1750; ich lasse das kuriose Aktenstück nachstehend in der Originalsprache (altholländisch) folgen und füge auch die deutsche Uebersetzung bei. Also: Ecd der Jooden. ,,Heu word bcvolcn 111111• lioed op te zelten, ver- 1nits zv anders niet agten den zogen of vloek, die over hen werd uitgesprooken ־, luidende als volgt: Gy zweerd by den Alniagtigen en Levendigen God, die Ileeniel en Aarde gescliapen lieft, en door Moxcs zyne wetten gegeeven, oprecht en waarachtig te weezen, ’tgeen Halbier gevraagd en voorgehouden word,. en zoo gy in ,t gebeel ofte deel iets valsebelyk en teil 011 rechte verklaard, gy U alle tydelyke en ecuwige vonnaledydingen, plagen en straffen 011 derwerjd, de welke de God Israels over die van Sodoma en Gomorra, 00k Corah, Datban en Abirarn lieeft gezonden en allen den zodanigen gedreigd, die zynen naam valsebelyk er. ligtvaardiglyk aanroepen en gebrniken. Hot welk inet jaa beantwoord zyndc, zoo werd hen niet gelast de vingoren op te stcken, nog te zeggen: zoo waariyk helpc etc., inaar den President Scheepen zogt tegen hein: *) ״ שמחי ועלזי כי בא עת הדרך. dgl. m.