Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1885)
- Article
- Rosegger und der Antisemitismus
- Date
- 1885-04-30
- Page
- 276 (sequence 2)
- Language
- German
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starker Gestalt, eben Abirrungen von den Forderungen! der Religion. Sic schreiben: ״Die Inden sind nicht Germanen? j Seid es Ihr? Seid Ihr wahr, treu, sparsam, Hauslich, rechtlich, arbeitsam?" allerdings nur ״an junge Antisemiten in Wien" und die russischen und rumänischen Herren Antisemiten? -- — Geehrter Herr! Sie sind kein ״Antisemit", Sie können cs nicht sein, und der Wunsch, Ihren literarischen Ehrcuschild von dem kleinen Flecken, den Ihr angeführter Aufsatz in den ״Bergpredigten" auf denselben werfen könnte, rein zu sehen, hat mir die Feder in die Hand gedrückt; ich werde mich freuen, von Ihnen zu hören, daß Sic es nicht in dem Sinne ansgcfaßt wissen wollen, wie man es — Sie sehen es — anffassen kann und bitte Sie um die eventuelle Erlanbniß, von Ihrer gütigen Antwort öffentlichen Gebrauch machen zu dürfen. Mit vorzüglicher Hochachtung." Hierauf erhielt ich die folgende Antwort: ,.Geehrter Herr! In Bezug auf das Iudenthum im. Prinzip vollkommen mit Ihnen einverstanden. Aber wir haben cS hier nicht mit dem religiösen, sondern mit dem gesellschaftlichen Juden zu thun, und der hat in Oesterreich, besonders in Wien, die Worte ״Jude" und ״verslidet" in Mißkredit gebracht. Man bezeichnet damit die arbeitsscheue, geldgierige, cynische Richtung, die vor Allem von der Börse ihren Ausgang genommen hat. DaS Iudenthum in seiner Reinheit und Strenge halte iä) nicht geringer als das Christcnthnm; wenn die großen oben angcdeutetcn Fehler speziell christlichen Ursprungs wären, so müßten wir uns die Worte ״Christ" und ״vcrchristlicht", im schlimmen Sinne gemeint, gefallen lassen. Wir!haben übrigens schon auch unsere gesellschaftlichen Fehler. An! liebsten wäre es mir, vom Juden und Christen gar nichts zu hören, sondern nur vorn Menschen. Es ist wohl ein trauriges Leben unter solchen Zuständen. Es ist schwer, den Menscheri innncr lieb zu haben, wenn seine widerlichen Fehler so ununterbrochen und so fruchtlos zu bekänrpfcn sind. Seien Sie gegrüßt. P. K. Rosegger. Ein Unwohlsein zwingt mich, mich heute so kurz zu fassen." (Wir glauben nicht, daß Herr Rosegger mit seiner Antwort glücklich gewesen ist. Er widerlegt in keiner Weise die von unserm Herrn Mitarbeiter geäußerten Bedenken.) Zeitgemäße Sck׳ichtM.M ilücr Acht!!!)- WM. Von Nabbln-rr Di5) .־. P leßncr (Schluß.) Doch da bildet dieses ה״" eine recht sinnreiche Paraphrase. Unsere Weisen zu Berachoth 20, a erzählen: "איל'רב פפא לאכיי שאי שגא ראשונים דאתרהיש להו ניבא, ושאי שנא אנן דלא התרחיש לן ניבא? אשר ליה קמאי הוו קא מסרי נפשייחו אקדושת השם, אנן לא ״ ".שסרינן נפשין אמרושת השםllnfcvc Mvordern haben opsersrcndig ihr Blut verspritzt aus dem Altäre dcS Gottesgedankens, haben ״Ücbernatürliches" mit Selbstaufopferung für die Erhaltung der Thora gcthan, so ' hat Gott auch ihnen übernatürliche Wunderdinge gezeigt, swie jene נסים ונפלאות zur Zeit der Makkabäer,] wir aber sind kälter geworden für himmlische Interessen und haben dadurch den Anspruch ans Wunder verloren." Wenn du, Haman, als der 1 erste Mann im Staate, von deiner unermeßlichen Höhe, auf die dein König dich gestellt hat, so jäh, so tief hcrabsinken, wenn du gar den Triumphwagen des dir bis tief in deine Seele hinein verhaßten und verachteten Juden Mordechai ziehen mußtest, dann geschehen hier göttliche Großthalcn, die beweisen, daß Mordechai ein prinzipicntrencr Nach-kömmling ״jener Inden" smit dem bestimmenden Artikels ist, auf die der himmlische Vater besonders sein Augenmerk richtet und sie zu Werkzeugen seiner anstannenswerthen Handlungen bestinnnt. Aber darunc eben, sage ich, sind die Kraslstellen der Sefirahjozeroth tief beschämend für uns. Bor Allem müßten doch unsere Herren Ncformrabbincr erröthen, wenn sie bis jetzt dem Ausspruche des Schutchan Aruch: ״נוהגים יטלא לי״׳טא איטה ,יין פסה לעצרת" Hohn sprechen und in der Sesirahzcit Trauungen vollzogen haben; denn in den letzten Jahren mußten ihnen doch die Augen geöffnet worden sein, daß sic einsähen, ״es käme den Inden der Gegcmvart nicht zu, jenen Paragraphen des Schulchan Arnch mitleidig zu belächeln, ihn als fremdartige Erscheinung ans grauen! Alterthnme zu betrachten, angesichts der neu erstandenen Indenhctzer und Judenhetzcn; und was dereinst di: entfesselte Leidenschüft der rohen Masse wider Israel vcrnlvchte, das übt jetzt der sprachgcwalrige Mund, die gewandte Feder jener Räuber im Fracke aus." Und wenn eS ein wohllöblichcr Vorstand wünscht, im konservativen Sinuc zu verführen, da ist es ja mit den vermeintlichen Prinzipien der Rcformhclden nicht weit her! Hat ja der HervS der Reformer, Geiger, im