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Jeschurun · 1885-04-23 · Heft 17 (23.4.1885) · p. 268

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 17 (23.4.1885)
Article
Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
Date
1885-04-23
Page
268 (sequence 2)
Language
German
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268 Vier handle cs sich nicht um eine Persönlichkeit, sondern! um die Anerkennung eines Prinzips. Er und seine > Glaubensgenossen seien überzeugt, das es für das j Vaterland non größtem Nachtheilc sein könne,!nenn? bei einer so fundamentalen Schöpfung der Gesetzgebung! ein io wichtiges Prinzip außer Acht gelassen werde; ׳ er erkläre daher im Namen der jüdischen Abgeordneten,; daß sic nach wie vor ans dem alten Standpunkte de-! harren und gegen diese Modifikation stimmen werden.! Ministerpräsident TiSza erwiderte darauf, daß es den jüdischen Abgeordneten selbstverständlich freistände, in der Weise zu stimmen, wie cs ihnen opportun erscheine, « obgleich er ihren Standpunkt nicht gerechtfertigt halte. Auch er sei der Ansicht, daß die erste Kammer durch diesen Beschluß nur sich selbst geschadet, indem sie diese (Gelegenheit vorüberzichcn ließ, ohne zu beweisen, daß sie in ihren Beschlüssen nicht von Engherzigkeit deherrscht sei. Ucbcr dieselbe Frage sprachen noch Andahazy. Lirgil Szilagyi, Esernatony, welcher aus die Schwierigkeiten bei der Katholiken- und Juden- Entanzipation in England verwies, ferner Referent Van fl und Moriz Wahr m ann, welch Letzterer erklärte, daß die jüdischen Abgeordneten keinen besonderen Antrag stellen, sondern gegen diese Modifikation des Oberhauses stimmen werden, *II* Pest, l 6. April. Bor dein Obersten Gerichts- Hofe gelangte heute der Prozeß gegen die aus Anlaß der Zalacr Inden-Exzesse angcklagten 45 Personen zur Verhandlung. Fast sämmtliche Strafen wurden verschärft * .Krakau, 15. April. Wie ein Privattclegramm der ״R. Fr. Pr." meldet, sendete der hiesige Bischof. , resp. das hiesige Konsistorium, an den Justizminister! ein ausführliches Memorandum. in welchem die Seitens! des Abgeordneten .01*. Bloch im Abgcordnclcnhruse j gemachte Darstellung der Asfaire Rachel Stieglitz als! der Wahrheit nicht entsprechend bezeichnet wird. — I Pater Eberhard veröffentlicht heute ein Schreiben,! worin er sagt, daß er auf die gegen ihn gerichteten Angriffe des Di׳. Bloch jetzt nicht erwidern könne, weil gegenwärtig noch die gerichtliche Untersuchung in der Asfaire Stieglitz im Zuge sei. Er fordert gleichzeitig das Gericht auf, die diesbezügliche Untersuchung zu beschleunigen. Bisher haben weder Ehiel Stieglitz noch Heinrich Morgenstern gerichliche Vorladung erhalten. z. Krakau, 19. April. Der Landgerichtsrath Lubaczck, welcher der letzten Schwurgcrichtsverhandlung in der Ritter'schen Angelegenheit präsidirte. wird auch die auf's Nene angeordnetc Untersuchung desselben Falles leiten.. — Gegen die beiden Schutzzengcn der Angeklagten, die Brüder. Diamant, ist die Untersuchnng wegen Meineids eingclcitct. — Obgleich an der Unschuld der Moses und Gitel Ritter nicht gezweifelt wird, so sind die Aussichten für sie bei der bevorstehenden dritten Verhandlung nicht günstig zu nennen. Möge Gott der Wahrheit zum Siege verhelfen. י׳ג׳נז׳ Äns (tzalizicn. Das Herz blutet bei dein Gedanken, welcher Zukunft wir entgcgcnschen. Wohl mag die Geafhr noch nicht unmittelbar bevorstehen, wohl mag man sich trösten, daß nicht in unseren, der Alten. Tagen die Verheerung hcrcinbrcchcn wird. Aber die Mine ist gelegt zur Vernichtung des תלמוד תורה und der יראה, der kostbarsten Kleinodien der Diaspora unseres Landes, und wir schauen uns vcrgebcns nach der rettenden That nur. die dieses Zerstörungswerk im Keime zu vereiteln im Stande wäre.! Und cs sollte doch nicht so sein. Es sollten doch die; יראים imb שלמים, die רבנים ,הנמים und לומדים, an i welchen, Gott sei Lob und Dank, Galizien nicht aru!! ist, ebenso einsichtig, weitsichtig und eifrig sein, wie - diejenigen, welche unter dem Vorgcbcn, an der Besser-! gesta'ltnng unserer Zustände zu arbeiten, deren Ver-! schlimmerung herbeiführcn. Das Wcltgebaudc wird! von dem Hauche der in den Schulen mit dem Erlernen! der Thora beschäftigten Jugend getragen, lautet ein ) alter wahrer Wcisheitssprnch, — wer die Schule hat,! dem füllt die Zukunft in den Schooß, ein neuerer nicht! minder begründeter. *Nun wohl, warum verschließt man sich dieser Weisheit? — Die veränderten Verhältnisse erheischen eine gründliche Umgestaltung des Elementar׳ schulwcsens der Ehcdarim. Diese Thatsachc ist nun einmal nicht zu leugnen. Den in dieser Beziehung höheren Orts gehegten Anforderungen kann man vollauf genügen, ohne auch nur ein Tütclchen von der gewissen Haftesten Sorgfalt für die Pflege der ReligionSwissen'chasr zu opfern. Es fehlt an geeigneten Lehrern, — sehr wahr. Warum? Weil es an einer geeigneten Bildungsanstalt für solche mangelt. Nun, so ist es die nächstlst^ude Ausgabe, ein solches Institut in's Leben zu rufen. Es kostet Geld; — gewiß. Aber keine Genosscnschaft ist, zu arm, um die nothwendigslen Bedingnngcn ihrer Existenz zu schaffen. Aber man will nicht, man getraut sich nicht man möchte die Chedarim! gerade so konscrviren, wie sie seit Jahrhunderten sind;! man betrachtet diesen Zustand als ein noli me tauj g־ere. Und cs giebt doch keine größere Kurzsichtigkeit, j Kein Mcnschenwerk ist vollkommen, und die Chedarim j sind Menschcuwerk und zwar ein gutes, wohlthäiigeS! und heilbringendes Mcnschenwerk. - Sie waren die; Pflanzstätten für Gottesfurcht und Gottescrkenntniß. Das sollen sie auch fernerhin bleiben. Um den gleichen heilsamen Einfluß auf d-ic Entwickelung des jüdischen- Lebens in Gegenwart und Zukunft ausüben zu.können, bedürfen sie einer im Grunde genommen nur ger.ingfügigcn Veränderung, bezw. Erweiterung. Das Maß des allgemeinenelementaren Wissens ist ja nur sehr gering und kann sehr wohl einem Unterrichtsplan für

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