Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1885)
- Article
- Zeitgemäße Betrachtungen über Sefirah-Jozroth
- Date
- 1885-04-23
- Page
- 260 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2932754-2933101-2933118-2960705--18479-2960756- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
260 Aber wie tief beschämend für unsere Glaubensbviibcr der Gegenwart sind da alle diese Kraftstellen der Sesirahjozeroth! Da schwebt mir schon wieder das Buch Esther vor, und wieder ist es nur eine ganz geringfügige Kleinigkeit, die mir da anffällt und von großer Wichtigkeit zu sein scheint. Ja, nicht ein ganzes Wort wie ״*?I", sondern ein einziger Buchstaben ist es, der uns hier neue Gesichtspunkte eröffnen soll, und zwar ein dem leisesten Hauche gleichender Buchstabe, nämlich der Buchstabe ה.*) Warum der bestimmte Artikel: אם מזרע "ה" יהודים und nicht einfach: יהודים Juden? Wozu überhaupt das מזרע und nicht geradezu: ׳״Wenn Mordechai ein Jude ist?" Und wußte man denn nicht sonnenklar, daß Mordechai jüdische׳- Abstammung war? Hat es Haman nicht dieser Gesellschaft selbst deutlich genug zu erkennen gegeben in dem Ausbruch deS rohen Antisemitismns, daß alle Auszeichnungen und Erhebungen nicht vermögen, das Herzeleid anfzuwiegen, welches der ״Jude Mordechai" durch die hartnäckige Verweigerung der Ehrerbietung ihm zufügt? (Schluß folgt.) Ein ilkliks Tis?>1-Es;l!n im Crenqiner Koinitlüe, also lautet die Ueberschrist des Leitartikels der Montag- (':».April) Nachmittags-Ansgabe des ״Westnngarischen Grenzdoten", welche nnS durch die Gute eines unserer Herren .Korrespondenten aus Preßbnrg zngegangen ist. Wir glauben diesen Artikel unseren Lesern, wenigstens der Hatiptsache nach, nicht vorenthalten zu dürfen und lassen daher zunächst denselben mit Aus- 'lassnng einiger unwesentlicher Stellen zur Karaklerisirnng des ganzen Gebahrens der -ungarischen Antisemiten, und der großen Gefahr, welche uns, trotz der Tisza- Eszlarer Freisprechung, noch fortwährend von dieser Seite her droht, folgen: - ״Vorgestern, Samstag Abends, erhielten wir. ans B e l l u s, im Trenesiner Komita'te folgendes Schreiben, welches wir mit Auslassung der'Einleitnng wortgetreu veröffentlichen: ... ״״Freitag, den 3. April, kam ein der Tracht nach mährisches Mädchen .nach Bellus mit einem Brief an den jüdischen Kirchendiener Burk, welcher das Mädchen bei sich nachten ließ. Das Mädchen blieb noch den ganzen Tag über. ־*) Man betite an die Stelle: ובאו־/א קלילא דלית״ בה מששותא" im אקדמות. Bergt. Nuschi;u בה בר א ם 1. B. M. 2, 4. in Bellus, bis sie Abends in den Tempel beordert wurde, von wo sie nicht mehr lebend herauskam, bis sie der jüdische Fuhrmann Klein Sonntag während des Hochamtes in einer Kiste a b g e s ch l a ch t e t wegführte. Obwohl es schon Samstag gleich nach der Auferstehnng, in welcher Zeit dieser schreckliche Mord vor sich ging, ruchbar wurde, so ist doch von Seite der Ortsgemeinde nichts zur Konstatirnng deS Verbrechens geschehen. Erst Mittwoch, den 6. d. M., kam eine Kommission von Jllava und richtete nichts ans. Geld macht Alles!!! Burk, der sie abgeschlachtet hat, sagte selbst offen heraus in slavischer Sprache: Solche Fräuleins giebt es noch viele auf der Welt. Sollten wir daS Brensch mit Gold anfwiegen, so thnn wir es; wir nu'lssen Blut haben.""... Man kann sich vorstellen, welchen Eindruck das Lesen des Brieses ans uns hervorbrachte. Der Name des Einsenders ist uns bekannt. Der Korrespondent ist ein achtnngswerther, zuverlässiger Mann. An eine Mystifikation von Seite der Juden — als daS Nächstliegende — konnte also nicht gedacht werden. Wir mußten vielmehr als gewiß annehmen, daß unser Korrespondent im besten Glauben schreibe, daß er von dem überzeugt sei, was er uns mit einer so lapidaren Einfachheit des Stils mittheilte, welche Einfachheit eines der sichersten Kennzeichen der Wahrheit ist. Es mußte also unbedingt etwas an der Sache sein. Trotzdem zögerten wir, den Brief zu veröffentlichen, ehe wir Genaueres erfahren. Wir wollten am allerwenigsten aufreizende Nachrichten in die Welt hinaus schlendern; wir halten es vielinehr für unsere Pflicht, die Wahrheit zu erforschen, um so mehr, da man gerade dem ״Grenzboten" von Seite unserer Gegner den Vorwurf macht, daß er sich von der Abneigung gegen die Inden sortreißen lasse. Wir handelten also gegen unser eigrnes, journalistischeS Interesse, indem wir die sensationelle Mittheilnng vorläufig znrückhielten. Wir wollten vollkommen sicher gehen und entsendeten, daher mit dem nächsten Kourierznge einen Spezialberichterstatter nach Bellus, von welchem uns im Laufe der gestrigen Nacht und des heutigen Vormittags theils in Form׳ von Telegrammen, theilS - in Expreßbriefen folgende Mittheilunge'n zngekonunen sind: ,.״Bellus, 12. April, Mittags. Schon in Jllava, wo ich zur Sondirung des Terrains Halt machte, verschaffte ichmir die lieberzengnng, daß das Gerücht von einem Mädchenmorde in Bellus nicht nur hierher, sondern, wie ich von den