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Jeschurun · 1885-04-16 · Heft 16 (16.4.1885) · p. 252

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 16 (16.4.1885)
Article
Deutschland : Würzburg [Nachricht]
Date
1885-04-16
Page
252 (sequence 2)
Language
German
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252 dessen Berechtigung er nachwicS aus den allgemein bekannten Gründen. Im Jahre 1830 habe man schon den Plan einer ähnlichen Anstalt gefaßt und waren auch bereits schon sl. 20 000 hierfür gezeichnet, man konnte sich aber über die Sache nicht einigen und so;erschlug dieselbe wieder. Erst im Jahre 1880 am 11. April, also gerade vor fünf Jahren, bildete sich ein Komitee, das sich die Aufgabe gestellt, eine israelitische kranken- und Psründneranstaltins Leben zu rnjen. In kurzer Zeit Hane das Komitee über 40 000 Mark verfügt ans den verschiedenen Unterstützungsvereinen, freiwilligen Gaben und sonstigen Legaten. Nach fünf Jahren hatte das Komitee bereits ein bcdcntettdereS Vermögen, so daß zur Zeit die Mittel der Anstalt noch aus 100 000 Mark bestehen, wovon 80000 Mark für den Erwerb der jetzigen Gebäude abgehcn. Das Gebäude selbst liegt in einer sehr gesunden Lage — diente früher einem ähnlichen Zwecke — enthält elf Zimmer mit Kouversationssaal, Betsaal. Arztzimmcr, Wohnung des Hausvaters re., 20—30 Kranke rcsp. Pfründner können in dem Räume gut Aufnahme finden. Von den edlen Spendern, die sich durch größere Gaben auszcichneten, wurden hervorgehoben Herr Uhlscder in Gerolzhofen mit 6000 Mark, L. Henncberger von hier mit 3000 Mark, L. Wiescngrnndebenfalls von hier mit 10000 Mark, Gebr. Schwarz in Nürnberg mit 6<>00 Mark. Die Namen dieser edlen Stifter wurden dadurch verewigt, daß nach ihnen die einzelnen Betten benannt werden. Am Schlüsse seines Vertrages brachte der Berichterstatter Sr. Majestät König Ludwig kl., dem Protektor und Beförderer aller Wohlthätigkeitsstiflnngen, ein dreifaches Hoch aus, in das die Versammlung mit cinsmwnte. Hierauf wurde die Stiftnngsurkunde vorgelescn. Zum Schluß ergriff Herr Negicrungsrath und Kreismedizinalrath Dr. Schmitt das Wort- und sprach im Namen der Königl. Krcisrcgicrung den Dank aus für diese schöne That der Nächstenliebe, die sich, ohne zn schmeicheln,. bei den Israeliten besonders kundgiebt durch ihren WohlthatigkeilSsinn, dem allein diese Anstalt ihr Entstehen zu verdanken hat. Er wünsche ihr alles Glück und Gedeihen. Dann erfolgte die Besichtigung der Anstaltsräumc, diese sowohl als die einfache aber praktische Einrichtung fanden die allscitige Anerkennung. — Zum Schluffe unseres Berichtes richten wir die innigste Bitte an alle edlen Herzen dciznsteucrn zur genannten Anstalt, in denen Kranke Heilung, Schwache Stärkung finden! 1>. Würzbnrg, im April. Folgendes Faktum, das wir der ״JllusLr. Gemciudc-Ztg.", einem israelitischen Wiener Blatte, entnommen haben, berichte ich' des Kuriosums halber. Das achtjährige Töchtcrchen einer angeschenen israelitischen Familie, welches eine Elementarschule besucht und das ein erklärter Liebling des Lehrers sowie der Lehrerin ist, brachte jüngst ein Briefchen nach Hanse. Das Schreiben stammte von der Lehrerin und enthielt blos einige Zeilen, mit welchem die Mutter der Kleinen ersucht wurde, im Interesse ihres Kindes baldigst in der Schule erscheinen zu wollen. Die Mutter war von dem Brieschen sehr überrascht, denn ihr Kind war immer sehr sittsam und fleißig gewesen und hatte sich nie Tadel zngezogcn. Am folgenden Tage fand sich die Mutter in der Schule ein. Man kann sich ihr Erstaunen vorstellen, als die Lehrerin nach der üblichen Begrüßung an sie die Frage richtete, ob ihre Kleine getauft worden sei. Sie vermochte im ersten Augenblicke gar nicht zu antworten, so unerwartet-kam ihr diese Frage. Die Lehrerin, welche ans den Zügen der Mutter die Ucberraschnng las, beeilte sich zu erklären, weshalb sie eigentlich diese Frage stellte. Die Kleine sei nämlich, so erzählte sie, vor drei Tagen aus der israelitischen Ncligionsslnnde ansgebl׳'cben, mit dem Bemerken, daß sie katholisch geworden sei. Dafür besuchte sie die Religionsstnndc des Herrn Katecheten. Die Mutter, welche von alledem keine Ahnung hatte, bat den inzwischen eintretenden Schuldirektor, der von der Sache gleichfalls wußte, er möge daS Mädchen rufen lassen. Dasselbe trat alsbald ins Zimmer. Nun frng die Lehrerin: ״Mein Kind! Welcher Religion gehörst Du an?" — ״Ich bin katholisch!" lautete die naive Antwort der Kleinen. — Die Mutter wurde leichenblaß; welche Einflüsse mußten da geltend gemacht worden sein, um das Kind zu einem derartigen Bekenntnisse zn veranlassen. — ״Aber Du warst ja früher mosaisch? Nicht wahr!" fuhr die Lehrerin fort. — ״Jawohl", entgegnen die Kleine, da aber die mosaische Religionsstunde auf5—4 ׳ Uhr Nachmittags fällt, wo cS schon zn dunkeln beginnt, so bin ich lieber katholisch geworden, um von 6—9 Uhr Morgens die -Stunde nehmen können!" — Mutter, Direktor und Lehrerin konnten sich kaum des Lächelns enthalten. Nun wußte man doch, warum die Kleine katholisch geworden sei. Oesterreich-Ungarn. * Wien, 8. April. Dieser Tage spendete Baron Albert von Rothschild an verschiedene hiesige jüdische Wohlthätigkeitsanstaltcu .nsgesammt die Summe von 11500 Gulden.׳ W. Prag, 9. April. Der ,.Budw. Ztg." wird aus Pisck nachfolgender Vorfall gemeldet: Zn dem Hadernhändler M. Ball kam am letzten jüdischen Feiertage ein etwa zehn Jahre alter Knabe, um Kleiderabfälle zu verkaufen. Nachdem das Geschäft abgcwickelt war, verließ das Bürschchen den Käufer, um sich tagsüber in der Stadt herumzuirciben.' Um zehn Uhr

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