Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1885)
- Article
- Die Gründung eines Proseminars in Mähren
- Date
- 1885-04-16
- Page
- 244 (sequence 2)
- Language
- German
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zu verjüngter Blüthe gelangt; die innige Verbindung; von תודח und דרך ארץ, von tiefem Erfassen der jüdischen Wissenschaft unter Aneignung des Wahren und Schönen, das auf anderen Gebieten der Erkenntniß redliche Forschung gezeitigt, von begeisterter Hingebung an das Iudenthum und vcrständnißvoller Gewinnung achter Bildung, hätten die jüdischen Gemeinden mit einer Strahlenkrone umgeben, vor welcher die nichtjüdischen Mitbürger den Ruf angestimmt: רק עם הבם ונבון' הגוי הגדול הזה. Aber wir haben die neue Zeit nicht begriffen und haben uns nicht begriffen in dem Verhältniß zu derselben. Wir haben nach eitlem Tand gehascht und' sind arn! an Wissen und arn! au Frömmigkeit und gottgefälligem Wandel geworden. Unverstand und Leichtsinn haben Gleichgültigkeit und Abfall erzeugt; ob in den Gemeinden Mährens noch ein עשיריה, ein Gott geweihtes ..Zehnthei!" vorhanden?? Gott weiß eS, — wir wagen eS nicht zu entscheiden. Da sollten wir uns nicht der Kunde freuen, daß das Kuratorium des ״LandeSmassasondS", des gemeinsamcn BcsitzthumS der mährischen Iudenschaft, den löblichen Plan gefaßt, ein Proseminar, d. i. eine VorbcrcitnngSschulc für Rabbiner, zu errichten und die jüngste Versammlung der Dclegirtcn zu Brünn diesem Vorhaben zugestimmt habe? Da sollten wir nicht in diesem Beschlüsse den Anfang einer Besserung und in diesem bescheidenen Keime einen fruchtbaren Baum begrüßen, an welchen! noch unsere Kinder und Enkel sich erlaben werden? Ist eS nicht traurig, daß wir diese Kunde uicht mit dem für freudige Nachrichten vorgesehenen Segensspruch empfangen, sondern mit dem ans beklommenem Herzen zu Gott aufstcigendcn Seufzer לישועתך קויתי ״auf Deine Hülfe baue ich!"? In unseren Nachbarländern haben wir nicht nur ein Proseminar, sondern Seminare, Hochschulen für jüdische Theologie. Sollte das zukünftige mährische Proseminar eine Vorbildungöanstalt für diese beiden Seininarien werden und demgemäß für die in diesen herrschende Gesinnung und Anschauung die utährischc Jugend vorbcrcitcn wollen, dann würden wir den Tag als einen unheilvollen bezeichnen, an welchem jener Beschluß in Brünn gefaßt worden. Wir glauben nicht, daß man seinen Blick nach TranSlcithanien schweifen ließ, als an die Errichtung eines ProserninarS gedacht wurde. DaS Pesier Seminar sollte schwerlich die Hochschule sein, zu. welcher die auf dem Proseminar vorbereiteten jungen mährischen Theologen ihrer Vollendung halber zu pilgern hätten. Man hatte wohl mehr Breslau dafür ins Auge gefaßt. Wie dem aber, auch fein möge, weder an dem Ufer der Donau noch in der preußisch-schlesischen Hauptstadt waltet der Geist des Iudenthums, das Gott בבל דקדוקים ופרמים unscrm Vchrer MoseS für Israel geofsenbart, auf welches alle kommenden Geschlechter Israels am Sinai verpflichtet worden sind. Vielmehr ist eS der Geist der Lüge und des Abfalls, welcher unter dem Gewände angeblich wissenschaftlicher Methode und auf Grund angeblich ernster linguistischer, kritischer und historischer Forschung daselbst gepflegt wird. Weder die Pestcr noch die Breslauer Hochschule sind Pflanzstätten jüdischen Geistes und Wissens; die dorr angebaute Wissenschaft ist keine jüdische, die dort gelehrte Anschauung ist keine jüdische. Jüdische Wissenschaft beruht auf dem Felsengrnnd der aufrichtigsten Ueberzcugnng, daß die ganze Thora, die schriftliche und mündliche Lehre, Gotteswort ist, daß die Propheten nicht nur in hyperbolischer Redewendung, etwa in der Weise wie unsere modernen Prediger, sich Verkünder des GotteSwortS nennen, sondern buchstäblich Verkünder des ihnen von Gott gewordenen Wortes sind, daß die Halacha in voller Wirklichkeit von Gott gebotenes Gesetz ist, daß die auf Grund derselben von unseren großen Meistern getroffenen Anordnungen auch für uns volle bindende VcrpflichtungSkraft haben. Zu dieser Erkenntniß werden die jungen Theologen weder in der ungarischen noch in der schlesischen Hochschule angeleilet, und deshalb betrachten wir es als ein Unglück, wenn für diese Seminarien das zu gründende mährische Proseminar die Vorbildungöschnlc sein sollte. Mögen darum alle Diejenigen, die in aufrichtigem Ernst eine Neubelcbnng jüdischen Geistes und jüdischer Gesetzcstreue im Kreise der mährischen Gemeinden austreben möchten, bei Zeiten darauf bedacht sein, daß das Proseminar nicht eine verjüngte Pesier oder Breslauer Hochschule werde, sondern daß in demselben Hand in Hand mit wahrer Bildung der Geist walte, in welchem ehedem in Mähren jüdische ReligionS- Wissenschaft aus den Ieschiboth gepflegt wurde, der Geist, welcher ehedem in dem mährischen Landes- Oberrabbinate waltete, der Geist eines Markus Benet, eines Nahum Trebitsch, eines Samson Hirsch. Dann könnte aus dem kleinen Anfang ein reicher Segen für die mährischen Gemeinden erblühen, dann, aber auch nur dann, würde an dieser Vorbcreitungsschule sich der Segen erfüllen: והיה ראשיתך מצער ואחריתך ישגה מאד: - Das ist der heiße Wunsch unseres Herzens. Wir wagen aber kaum zu hosien, daß er Erfüllung finden wird. Wollte' Gott, wir täuschten uns!