Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 14-15 (9.4.1885)
- Article
- Deutschland : Karlsruhe [Nachricht]
- Date
- 1885-04-09
- Page
- 239 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2932754-2933101-2933116--18380-2960576- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
239 fetten geführt, als herrliches Beispiel uns stets vorschweben. O c st e r r e i ch - U 1t 9 a r u. f. Wien, Mär;. Der Baron KönigSwarter hat dem ׳kiesigen neuen Spitale der ״Barmherzigen Brüder", welches für Kranke aller Konfessionen bestimmt ist, ein Geschenk von 500«י 'Gulden znkommen lassen, nachdem er demselben Spitale schon zur Zeit, wo dasselbe noch im Bau stand, eine gleiche Summe zugewendet hatte. * Pest, 31. März. Eine Privat - Depesche der ״Berliner Börscn-Zeitung" meldet: In Deutsch-Liptsch fanden am Palmsonntag Abends Exzesse gegen jüdische Bewohner statt; mehrere derselben wurden gemißhandelt lmd alle Fenster ihrer Häuser zertrümmert. Die Ruhe wurde erst hergestellt, nachdem Militär und Gendarmerie reqnirirt war. Den Anlaß zu den Exzessen bot das Gerücht, daß Inden einem Ehristenmüdchen aus einer benachbarten Ortschaft zu rituellen Zwecken Blut nehmen wollten. Die gerichtliche Untersuchung ist eingeleitet. -r- Arakau, 29. März. Die Mutter der Nahel Stieglitz hatte vorgestern eine Audienz beim Justizminister, um denselben zu bitten, für sie eine Unterrcdnug tnit ihrer Tochter zu erwirken. Der Minister soll die Blatter mit der Beruhigung entlassen haben, daß er Alles thnn werde, waS in seinen Kräften stehe. -x- Prag, 30. März. Gestern wurde Herr Aron Bloch, Vorstandsmitglied der altehrwürdigen Pinkassyuaaoge, sowie des E;-Hadaat-Bereins zur Unterstützung der hiesigen Rabbinatsjüngcr. dessen Mitbegründer derselbe war, zu Grabe getrageit. Wie groß die Verdienste des Entschlafenen um den Ez-Hadaat-Berein waren, mit welch aufopfernder Sorgfalt er sich der hiesigen Talmudjünger annahm, davon gaben die Worte, welche der Rabbinatsjüngcr Herr Weislowitsch, sowie das VorstandSmitglied des Vereins, Herr Di׳. Grün, am Grabe sprachen, ein beredtes Zeugniß. Auch Herr Oberrabbiner Hirsch ehrte den Verblichenen durch seine Anwesenheit bei der Beerdigung. DaS Andenken des Edlen wird im Ez-Hadaat-Vereine sortleben und immerdar ein gescgnetcs bleiben. Frankreich. -v. Paris, 24. März. ״Die Hygiene der Juden zur Zeit Moses" bildete, wie ״Le TempS" schreibt, am 17. März in der Academie de medecine das Thema eines interessanten Vortrages deS Herrn Noel Gneneau de Mnssy. Ausgehend von den hohen moralischcn Eigenschaften des israelitischen Volkes, welches damals allein auf dem weiten Erdenrund den Monotheismns vertrat, zeigte er, mit welcher Weisheit der große Gesetzgeber die Grundgesetze der Hygiene aufgestellt habe. ES scheint so, sagte er, als ob Moses die neuen Entdeckungen bezüglich der Verhältnisse, unter denen die Seuchen entstehen, sowie die Kontagiosität von Krankheiten schon vorhcrgesehen habe. Das Verbot von Schweinefleisch, die Vorschrift deö Schächtender zur Nahrung bestimmten Thiere, die genaue Untersnchnng der Eingeweide eben jener Thiere, welche für den Genuß zu untersagen sind, wenn ihre Lungen Knoten (wir würden heute sagen: Tuberkeln) enthalten, oder sich an den Brustfellen Verwachsungen vorsinden — es sind dies alles Maßregeln, welche allgemein angenommen werden müssen. Diese Bemerkung hat auch auf viele andere einzelne Punkte Bezug. DaS Gebot der Arbeit für alle, welches von einer hohen geistigen und sittlichen Stufe zeugt, die so weisen Vorschriften über die Hygiene der Ehe, welche dem jüdischen Volke seine so wunderbare Lebensenergie, sogar in der Zerstreuung gesichert haben, all dies fordert zn ernstem Nachdenken ans. — Wenngleich die hier ausgesprochenen Anschauungen weit ab von den unsrigen liegen, so vcrdienen sie dennoch registrirt zu werden, da sie von der hohen Achtung zeugen, deren sich auch in nichtjüdischen Gelehrtenkreisen unsere Thora zu erfreuen hat. Rußland. W. Warschau, 17. März. ״Hazcfirah" zufolge wurden die Ehadorim in Warschau und Umgegend auf Befehl des Gouverneurs einer Untersuchung in Bezug auf ihre hygieinischen Verhältnisse unterzogen. Von den 50 untersuchten wurden nur \ 7 als den gesetzlichen Ansprüchen genügend befunden. ״Hazefirah" mahnt, in dieser Beziehung achtsamer zu sein, damit die Regierung sich nicht mehr veranlaßt fühle, einznschreiten. — Dieselbe Zeitung dementirt die Nachricht der ״Evangelischen Kirchenzeitnng", wonach ein Massen- Übertritt angesehener Warschauer Familien bevorstehe. — Rabbin 0 wit sch beabsichtigt, sein Kischinew mit Warschau zu vertauschen, um hier sein Heil an den Juden zu versuchen. — Der ״Warschauer Courier" bringt folgende, allerdings etwas wunderbar klingende Nachricht: Ein Jude machte der Polizei die Anzeige, daß, wie er in Erfahruttg gebracht, sich bei einem christlichen Tagelöhner ein Kissen befinde, welches ihm im Jahre 1862 bei der Einäscherung seines Hauses mit geraubt war; in diesem Kissen befinde sich eine SummeGeld, wovon der augenblickliche Inhaber keine Ahnung habe. Die Nachforschungen der Polizei bestätigten die Aussage des Juden, indem die Summe von 0000 Rubel in dem bezeichneten Kissen gefunden wurde. Die Freude des Juden über sein wiedererlangtcS Geld, in dessen Besitz wieder zu gelangen er niemals gedacht hat, läßt sich denken. Druckfehler-Berichtigung zu Nr. 1$ u. 14. Im Gedicht ברח דודי lies S. 201, Strophe 3, Z. 2: Freuden ruf statt Freudenruhm.