Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 14-15 (9.4.1885)
- Article
- Deutschland : Berlin [Nachricht]
- Date
- 1885-04-09
- Page
- 238 (sequence 2)
- Language
- German
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238 Bewegung gemacht werde, die unserer Bevölkerung zur Schmach gereich!. (Oho! Unruhe.) Wohl betrieben noch einige jene betrübende Agitation, von der sich alle anständigen Konservativen abweudclcu. Das Verderben sei erst cingetrctcn, als ,ich ein Mann fand, der die Prozentsätze der verschiedenen Glaubensrichtnngcu aus den höheren Lehranstalten hcrausgcrcchnet habe. (Oho! Unruhe. Beifall.) Ucbcr die von Herrn Pickenbach vorgcbrachtcn Anschauungen könne man gewissermaßen moralisch zur Tagesordnung übergehen. — Stadtverordneter Pickenbach: Daß Herr Löwe, der erst gegen Ende meiner Erörterungen den Saal betreten, über diese Erörterungen in dieser Weise gesprochen, nimmt mich bei diesem Herrn nicht Wunder. (Unruhe.) Ich habe hier in keiner Weise Antisemitismus getrieben (Widerspruch und Heiterkeit), sondern nur die Rechte der evangelischen Bevölkerung vertreten. — Stadtverordneter Boh m: Die Quintessenz dcrPickenbach'schcn Rede sei doch einfach, daß auch in dieser Versammlung der Nus ertöne.״ ׳Juden raus!" Oder meint Herr Pickenbach, daß man dies nicht verstanden habe? Ich protcstire gegen solches Vorgehen. — Stadtverordneter .!)1׳. A. M eher wendet sich ebenfalls gegen den Stadtvcrordncten Pickenbach, dann wird die Diskussion geschlossen. — Es folgten einige persönliche Bemerkungen zwischen den Stadtverordneten Pickenbach und Löwe. Letzterer ״bedauert" cs, daß er leider noch früh genug in den Saal gekommen sei, um die Rede des Stadtverordnetcn Pickenbach zu hören. Er wolle, obschon cs nicht hierher gehöre, dies ausdrücklich konstatiren, damit unwahre Behauptungen von genanntem Herrn über seine (Löwcs) Person nicht mehr in die Oesfentlichkcit gelangen könnten. — Stadtverordneter Pickendirtcn ש לע. — Auf anderen Orten in der Gemeinde- Verwaltung scheint wieder ein ganz anderer Wind zu wehen -, da heißt cs, demnächst werde die alte מקוה, welck.e bekanntlich Di־. Hildesheimer schon vor Jahren für פסול erklärt hat, umgebaut und mit dem ganzen Komfort der Neuzeit ansgcstattct werden. Wie dieser Umbau geschehen soll, und wer für das כשרות dabei Sorge tragen soll, darüber verlautet Nichts und dürfte auch wohl späterhin nichts verlauten; jedcnsalls aber mehren sich die Zeichen, daß die Herren am grünen Tische der Gemeinde sehr wohl erkennen, daß die Zeit des NicdcrreißenS vorbei, und die des Ausbaucns gekommen sei. Wenn einer hingingc und es jenen Heroen der Reform, Geiger und Holdheim, erzählte, daß ihre Enkel wenigstens so thttn, als ob sic anfbauten, die Folgen wären unberechenbar. — Inzwischen sind auch unsere Feinde כרת, die Antisemiten, nicht entmuthigt — trotz Justus Briemann — wie die Sitzung der Stadtverordneten vom letzten Donnerstag zeigt. Der berüchtigte Autisemitcnhänptling Pickenbach konnte cs sich nämlich nicht versagen, gegen das Ucbcrhandnehmen des jüdischen Elements in den Gymnasien zu protestiren. Er wurde aber dafür von vier Rednern gründlich ad absurdum geführt. M. Karlsruhe, Ende Adar (unlieb verspätet). Z׳vci der edelsten Frauen unserer Neligionsgesellschaft wurden innerhalb l 0 Tagen durch den Tod abbcrufen. An! ט״ז אדר verschied Frau Hannchcu Ettlingcr, geb. Wormser, Gattin des Herrn Isaak Ettlingcr, des Vorsitzenden unseres Vorstandes nach kaum dreiwöchentlichem Krankenlager in ihrem 62. Lebensjahre. Der Schmerz, welcher von Verwandten imb Freunden in der Nähe und Ferne über den Verlust dieser echten אשת היל bach erklärt, keine unwahren Behauptungen in die Oesfcntlichkcit gebracht zu haben, diese Behauptung weise er energisch zurück. Wenn etwa der Herr Löwe eine Notiz der ״Krcu;;citung" meine, so halte er dieselbe noch ferner aufrecht, zumal da dieselbe noch unwiderrufen dastehc! — Stadtverordneter Löwe bezeichnet die Behauptung, daß er einem auswärtigen Berichtcrstattcr vertrauliche Mittheilungcn ans der Budget- Kommission gemacht haben solle, für eine Lüge, gleichviel von wem sie herrühre." 13. Berlin, ערב פסה. Rothe Zettel an den Thürcn des hiesigen Gemeindehauses verkünden, daß mit Erlanbniß und unter Aufsicht des Herrn NabbinatSassessors Dr. Ungerleider Gcräthc für פפה bis Montag i. e. ערב פסח Nachmittags 2 Uhr ״gckaschert" werden.!Nun saget mir Müsen, Töchter des Zeus, die die olympischen Höhen bewohnen, ob dies geschieht, weil der שולחן ערוך verbietet, oder trotzdem er cs verbietet. Möglich wäre immerhin beides, denn Berlin ist ja, nach LazarnS und Konsorten, die Stadt des deposseempfunden wurde, gab sich durch zahlreiche Thciluahmc bei der Beerdigung kund. Herr Rabbiner Dr. Eohu aus Ichenhauseu, Neffe der Dahingeschicdencn, gab in beredten Worten dem großen und allgemeinen Schmerze Ausdruck. — Kaum waren die 7 Trauertage über die Entschlafene vorüber, als ein neuer herber Verlust die Ettlingcr-Wormser'sche Familie betraf. Frau Sara Ettlingcr, Nichte und Schwägerin der Heimgegangenen, j wurde plötzlich in. ihrem 4!S. Lebensjahre von ihrem j hicniedigcn Wirken abbcrufen. - הנאהבים והנעמים בהייהם ובמותם לא נפרדו |, — diese Worte können > hier voll und ganz ihre Anwendung finden; wie sie^ 1 im Leben stets miteinander gelebt und gestrebt, wie sie vereint stets Gutes geübt, so sind sic anch vereint zur ewigen Seligkeit cingcgangcn. Herr Stiftsrabbincr Weit brachte im Trauerhause, Herr Obcrrabbincr Tal aus Arnheim, der Schwager der Verblichenen, auf dem בית היים diesen Gedanken zum Ausdruck. — Möge Trost eiuziehcn in die Herzen der trauernden Gatten - und Kinder, und das Leben, welches die Entschla-