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Jeschurun · 1885-03-26 · Heft 13-14 (26.3.1885) · p. 211

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 13-14 (26.3.1885)
Article
Deutschland : Hannover [Nachricht]
Date
1885-03-26
Page
211 (sequence 2)
Language
German
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211 Schatzes, als seiner eigenen Lcbenssccle, zeigt sich der todeSmuthigc Heroismus der Juden. Die klare Darstellung und die Wärme dcS Vortrags verfehlten nicht einen lebhaften Eindruck auf die Zuhörer auSzuüben, welche nur bedauern, daß der Herr Redner seinen Gegenstand nicht auf mehrere Abende vertheilt hatte, um denselben erschöpfender behandeln zu können. 0. Berlin, 22 März. Die ״Neue Pr. (Kreuz-) Ztg." bringt folgenden Brief eines Apostaten — ein trauriges Zeichen der Zeit mehr. Diese Abtrünnigen tauchen jetzt an allen Endenauf — manche tauchen allerdings wieder unter (Justus!), und das ist noch einigermaßen tröstlich. Der frühere Rabbi Israel Goldstern — der ״Westfälische Hausfreund" brachte vor Jahren die Geschichte seiner Bekehrung und der daran sich anschließenden schweren Verfolgungen (?) von Seiten seiner jüdischen Angehörigen und Volksgenossen — jetzt I u d c n - M i ss i o uar im Dienst dcS rheinischwestfälischen Vereins für Israel, schreibt einem Freunde über die seit kurzem herrschende religiöse Bewegung im südlichen Rußland: ״Du hast ja wohl von dieser wunderbaren -Bewegung gehört, die sich unter den Juden BessarabienS Bahn gebrochen hat. Bis heute sind übcr 250 jüdische Familien aus der Synagoge ausgetreten und haben den Herrn als ihren Messias und Erlöser öffentlich, bekannt und angcnom!ncn. Ein besonders wichtiger Umstand dabei ist, daß sich diese Bewegung nicht lokalisirt hat, sondern daß unter den vielen Tausenden von Juden, die in dem großen und weiten Bessarabieu wohnen, ein Suchen und Fragen nach der Wahrheit erwacht ist, das alle Vorstellungen übersteigt. Wegen meiner Bekanntschaft mit der hebräischen und auch russischen Sprache ist an mich der Ruf ergangen, eine MissionSrcise dorthin zu unternehmen, und der Herr hat mir große Freudigkeit geschenkt, dem Rufe zu folgen. ' Ja, ich kann für diese besondere Gnade, den Namen des Herrn Jesu Taufenden von Juden verkündigen;11 dürfen, nur loben anb danken. Wohl ist es mir nicht unbekannt, mit wie großen Schwierigkeiten, Kämpfen und Entbehrungen diese Reise verbunden ist; auch wird eS.mir nicht so leicht, von Frau und Kindern etwa 3 bis 4 Monate fern zu bleiben; aber übcr alles geht mir doch jetzt der Ruf, von dein heiligen Namen meines Herrn unter den Kindern Israels zu zeugen. Die Reisedorthin, die ich in Gemeinschaft mit unserem Kol- Porteur unternehme, gedenke ich, so der Herr will, gegen den 14. oder 15..April anzutretcn und, wie schon bemerkt, wird dieselbe einen Zeitraum von 3';2 bis 4 Monaten in Anspruch nehmen. Zur Bestreitung der Reise-Auslagen wird eine Summe von wenigstens 600 bis 700 Rubeln nöthig sein. Leider ist der Verein in Köln bei dem besten Willen nicht in der Lage, für den ganzen Betrag aufzukommcn, namentlich, da derselbe uns Bibeln und andere Schriften, die einen bedeutenden Werth repräsentiren, zur Verfügung stellt. Ich dachte daher, ob nicht vielleicht auf eine öffentliche Bitte Freunde des Reiches Gottes unS das Fehlende darreichen möchten." Der ehrcnwcrthc und fromme Herr Goldstern wird wohl . nicht erwarten, daß die Inden seiner uneigennützigen und aufrichtigen Begeisterung für die Judenbekchrung Glattbcn schenken. Was sie von den jüdischen, antisemitischen Jlidcn- Missionaren halten, kann er sich wohl denken. ... n. Frankfurt a. M., 22. März. Der soeben auSgegebcncn Einladungsschrift zu der öffentlichen .Prüfung der Realschule der israelitischen NeligionSgesellschast entnehme ich die folgenden bemerkcnSwerthcn Data. Die Schülerzahl beläuft sich gegenwärtig: in der Realschule auf 181, in der Vorschule auf 80, in der höheren Mädchenschule auf 201;' im Ganzen wird also die Schule von 471 Schülern und Schülerinnen besucht. An der Schtile wirken 23 Lehrer und 7 Lehrerinnen. Besonders reich wurden auch in diesem Jahre die verschiedenen Stiftungen der Schule bedacht. Durch Zuwendung dcS reglementSinäßigcn Kapitals von je 2000 dk wurde die Zahl der Frei- Plätze u!n 4 vermehrt. Für die Witwen- und Waisenkasse wurden 2627.00 dk gespendet, für den PcusiousfoudS 1045 dk, für die Zuschußkasse 876 dk, für die Schreibmaterialienkasse 425 dk, für die taufende Schulkasse 13 165,50 dk, für die Talmud - Thora - Kasse 1030,30 ^5.. Demnach betrug die gesummte freiwillige Zulvendung in Summa 30 046,40 dk. B. Breslcin, im März. Erfüllt cS schon das Herz eines jeden "מבקש ד mit Freude, zu sehen, daß Stätten der הודה gedeihen, so ist doch ungleich größer das Gefühl der Befriedigung und Genugthunng, wenn man sieht, daß in einer Stadt, die lange abgestorben war für הודה und ידאה, die seit langen Jahren als verlorener Posten, als קרן זוית galt, neues Leben erblüht ist, daß man den Weg der Rückkehr vom Falschen, eingcschlagen hat, um desto rüstiger auf dem Wege der Wahrheit fortzuschreitcn. Eine solche Stadt ist Breslau, die drittgrößte קהלה Deutschlands, was die Sectenzahl anlangt. Aber leider war eS purer EnpheinismuS, von einer קהלה dort zu reden; denn alles das, was man als die Insignien einer solchen zu betrachten gewöhnt und berechtigt ist, fehlte in VrcSläu. Da war kein öffentliches ביה המדרש — das vorhandene "בהמ ist Privat-Stiftnng und -Eigenthum — da bestand keine הבדה, die sich die Erkcnutniß der הודה u. s. w. znr Aufgabe gestellt hätte, -da herrschte, mit 'kurzen Worten, nackter Materialismus und 'negircnde Neuerungssucht. Fragte man dann jene wenigen Epigonen, die ans der alten Zeit hercinragend n-och am Alten sesthielten:

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